Rock’n’Roll

Wendener Schülerband TIL tingelt über Deutschlands Schulhöfe

Die Schülerband TIL aus Wenden bei ihrem Auftritt im Paderborner Gymnasium Schloss Neuhaus.

Foto: Lars Heidrich

Die Schülerband TIL aus Wenden bei ihrem Auftritt im Paderborner Gymnasium Schloss Neuhaus. Foto: Lars Heidrich

Paderborn/Wenden.   Eine brettharte Tour auf dem Weg zum Ruhm: Wendener Band rockt Unterrichtspausen von Schulen in ganz Deutschland

Drei 19-Jährige aus Wenden im Kreis Olpe tun alles auf dem Weg in den Rock ’n’ Roll-Olymp. Sie jobben, sie putzen für eine Handvoll Euro und verbringen fast jede dritte Nacht bei fremden Menschen, die ihnen Unterschlupf gewähren: Dennis Wurm (Gesang, Gitarre), Eniz Gülmen (Bass) und Jona ­Boubaous (Schlagzeug) sind TIL, eine Band, die seit Monaten von Schule zu Schule reist und in Unterrichtspausen auftritt. In Hamburg, Leipzig, Berlin. Im ganzen Bundesgebiet. 130 Auftritte allein 2017. ­Rekordverdächtig. Ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde wird zurzeit geprüft. 20 bis 30 Minuten dauern ihre Shows in Aulen und Schulfoyers. Sie machen sich einen Namen, Schülern bleibt eine unvergessene Auszeit. „TILmySchool“ – eine geniale Idee, entstanden, weil das Trio die Langeweile auf dem Pausenhof ihrer Gesamtschule nicht mehr aushielt.

Der Auftritt

Live sind die drei Rocker aus dem Sauerland in ihrem Element: In der Aula des Paderborner Gymnasiums Schloss Neuhaus genossen gestern fast 800 Schüler die gelungene Überraschung: ein kurzes Konzert zur Pausenbrotzeit. Kein Hip-Hop, kein trendgesteuertes Elektrogedudel - guter alter Rock. Vier eigene Songs sorgen für Stimmung. Destillierte Seelenwanderung durch das Leben von Jugendlichen – so könnte man den Textinhalt der TIL-Songs auf den Punkt bringen. Fünft- bis Neuntklässler kreischen, tanzen oder filmen die Vorstellung mit ihren Handys. Die Jungs aus Wenden funktionieren als Team, die Band existiert seit der Kindergartenzeit. Von Lausbuben über die Pubertät zu Vollprofis. Wohlwollendes Kopfnicken auch von älteren Schülern, als der bekannteste Song „Brand New Life“ angestimmt wird.

Die Reaktionen

Katharina Brühl wartet geduldig, bis die Masse der jüngeren Schüler abzieht. Die 17-Jährige: „Nicht meine Musik. Ich wäre lieber auf einem Helene-Fischer-Konzert, aber ich muss zugeben: Die Jungs machen das ganz gut.“ Leon Will (15) steht eher auf Rap, freut sich aber trotzdem „über die etwas ­andere Pause“.

Lehrerin Britta Ploschke ist voll des Lobes: „Eine gute Show. Vor allem für die ­Kleinen war es ein tolles Erlebnis. TIL hat mich verblüfft.“ Und die Jüngsten? Die finden es „einfach nur cool“. Die Fünft- und ­Sechstklässler, allen anderen zahlenmäßig überlegen, stehen gedrängt an der Bühne und machen Selfies mit den Rockern aus dem Sauerland.

Die Kritiker

„Tokio Hotel war gestern, jetzt kommt TIL“ lauten Statements von sogenannten Musikexperten im weltweiten Netz. Davon wollen Dennis, Eniz und Jonas nichts wissen. Die Abiturienten wollen sich in keine Schublade stecken lassen. „School Rock“ nennen sie ihre Musik. Was die Band nun braucht? In der Musikszene nennt man das „das Momentum“, einen Chart-Hit. Mit ihrer Bühnenerfahrung könnten die 19-Jährigen dann tatsächlich durchstarten.

Der Ausblick

Am kommenden Samstag wird um 14 Uhr auf dem YouTube-Kanal „Digster Pop“, der sich auf Musik-Hypes und -Trends spezialisiert hat, ihr neuestes Video hochgeladen. Eine Akustik-Version von „Brand New Life“, aufgenommen im niederländischen Zoutelande. „Wir leben unseren großen Traum, mit einem Bulli durch Deutschland zu touren und einfach irgendwo zu spielen“, berichtet Eniz Gülmen. Manchmal treten sie, wie in Hamburg, auf einem Pausenhof im Regen vor fünf Schülern, manchmal vor Hunderten auf. „Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung“, sagt Dennis Wurm. Ein Plattenvertrag, so Jona Boubaous, sei Lohn für harte Arbeit gewesen. Davon Leben könnten sie allerdings nicht. Sie machen alles in Eigenregie, inklusive der selbstgeschriebenen Songs. Ihre Vorbilder sind die US-Punk-Rock-Bands Green Day und Blink-182. „Die haben uns vor 13 Jahren zum Rock geführt“, erzählt Eniz Gülmen. Im kommenden Jahr wollen sie Schulen in ganz Europa rocken. Eine „brettharte Tour“ werde das. Wenden aber bleibe die Heimat. Dennis Wurm: „Es ist unser Zuhause, dort machen wir nach den Gigs Urlaub.“ In der südlichsten Gemeinde des Sauerlandes, so sagen sie unisono, träumen sie weiter.

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