Montgolfiade

Montgolfiade: Die Geschichte hinter dem großen Schwarzbären

Warstein.  Heißluftballon „OhBear“ ist eine von drei neuen Sonderformen auf der Warsteiner Montgolfiade. Wir erzählen die Geschichte dahinter.

Sheng-Fu Chui und sein Team sind von Taiwan nach Warstein gereist. Exakt 9487 Kilometer. Ihr Heißluftballon „OhBear“ ist eine von drei neuen Sonderformen auf der Warsteiner Montgolfiade.

Er ist stolze 30 Meter hoch, wiegt 255 Kilogramm und winkt mit seiner Tatze den Besuchern der 29. Auflage des Internationalen Ballon-Festes zu – der taiwanische Schwarzbär. Beinahe majestätisch schwebt er auf dem Startgelände. Kinder laufen lachend unter ihm her. Das Team um Sheng-Fu Chui, auch Mr. Dahi genannt, lässt währenddessen immer wieder Feuerstöße in den Hohlkörper des Ballons frei.

Jede Fahrt ist eine neue Geschichte

Acht Team-Mitglieder sind aus Taiwan angereist gereist, um mit einem riesigen Schwarzbären – das Symboltier Taiwans – Werbung für ihr Land zu machen. „Unser Ziel ist es, zum einen den Tourismus in unserem Land zu stärken, indem wir auf Taiwan aufmerksam machen.

Gleichzeitig möchten wir aber auch neue Freunde hier in Europa finden“, sagt Arthur Xie, Direktor des Taiwan Tourismusbüros in Frankfurt. „Wir haben in Taipeh ein ähnliches Ballon-Festival. Es findet ebenfalls immer im Sommer statt.“ So sei die Idee entstanden, ein Ballon-Team für Warstein zu buchen. Bis zum kommenden Samstag werden die Taiwanesen im Kreis Soest bleiben. Dann geht es weiter – man ist weltweit unterwegs.

In Warstein aber wird vorerst nicht gefahren. „Es ist zu windig. Das ist besonders beim Start und bei den Landungen gefährlich. Gerade wenn man mit einem so riesigen Ballon unterwegs ist“, sagt Mr. Dahi. Seit neun Jahren fährt der 40-Jährige beruflich Ballons. „Jeder Tag ist wie eine neue Story. Man kann das Gefühl oben in der Luft gar nicht beschreiben.“ Zwischen 30 und 60 Minuten sei er in der Regel auf Fahrt. „Das kommt immer auf die Windstärke an.“

Mit zwei anderen Teammitgliedern ist er mit dem taiwanischen Schwarzbären unterwegs. Die anderen Begleiter fahren mit dem Auto. Dabei rotieren sie. „Wir wechseln täglich. So kann jeder einmal fahren und lernen“, so Dahi. Wieder lässt er Feuer in den Ballon. Und wieder steigt dieser in Richtung Himmel. Mehrere Teammitglieder halten ihn an dicken Seilen fest, damit der Korb nicht vorzeitig mit abhebt.

Das Ballon-Team aus Fernost hat sich bewusst für den Schwarzbären entschieden. Er ist nicht nur das Maskottchen des Taiwan Tourismusbüros in Frankfurt, sondern vor allem ein Symbol des Landes. „Dieser Bär ist in Taiwan einzigartig. Den gibt es nur dort“, sagt Xie. Das bestätigt auch Mr. Dahi. Er gehört zu den Amis, den Ureinwohnern Taiwans. „Der Bär bedeutet viel für uns.“

Ebenfalls viel bedeute ihm das Ballonfahren: „Wenn es in meinen Füßen kribbelt, weiß ich, dass wir abheben.“ Er lacht. Auf seinen Fahrten habe er einiges erlebt. Schönes, aber auch Kurioses. „Ein junger Mann wollte seiner Liebsten hoch oben in der Luft einen Heiratsantrag machen. Er kniete bereits, als sie Nein sagte. Das war schon ein komisches Gefühl so mittendrin. Ich habe dann versucht, irgendwie die Stimmung zu retten – vergeblich.“ An sich aber sei das Ballonfahren für ihn wie eine Mischung aus Liebe, Familie und Freunde. Eine Mischung, auf die er so schnell nicht verzichten möchte.

Ein Bär kommt in die Tüte

Der Schwarzbär sinkt zu Boden. Die Besucher der Montgolfiade applaudieren begeistert, machen Fotos und Videos, während zahlreiche Kinder mit der Ballonhülle spielen. Die Warsteiner Montgolfiade, so Xie, sei für ihn und seine Kollegen gerade wegen der vielen Menschen und des Rahmenprogramms einzigartig. Gemeinsam rollen die den Riesenbären zusammen und packen ihn vorsichtig in einen großen schwarzen Sack. Die Show ist für heute beendet. Doch schon morgen geht es für das Team aus Taiwan weiter. Sollte das Wetter mitspielen, dürfte dann ein riesiger, schwarzer Bär mit einem orangefarbenen Umhang über Warstein fliegen.

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