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So läuft die Arbeit im Amazon-Verteilzentrum in Dortmund

Blick ins Amazon-Verteilzentrum Dortmund

Elf Millionen Artikel werden derzeit im Amazon-Verteilzentrum Dortmund pro Woche umgeschlagen.

Elf Millionen Artikel werden derzeit im Amazon-Verteilzentrum Dortmund pro Woche umgeschlagen.

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Dortmund.   Das Amazon-Verteilzentrum in Dortmund hat vor einem Jahr seinen Betrieb aufgenommen. Betriebsratsvorsitzende äußert sich zu Gerüchten.

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Elf Millionen Artikel pro Woche verarbeitet aktuell das Amazon-Verteilzentrum in Dortmund. Aktuell: Das bedeutet für die auf rund 2000 Mitarbeiter aufgestockten Beschäftigten, die in drei Schichten arbeiten, Hochsaison.

Es ist Hauptumschlagszeit im Verteilzentrum. Oder, wie Standortleiter Lars Krause formuliert: „Die Weihnachtszeit ist Hauptarbeitszeit. Und in der Weihnachtszeit sind wir jetzt hier.“

Online-Handel macht Amazon zu Weltkonzern

Draußen, auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte, im Norden der Stadt, ist davon wenig zu spüren. Die Sonne scheint von einem leicht bewölkten Himmel. Das Thermometer zeigt wenig winterliche 14 Grad. Die Witterung mag etwas anderes vortäuschen, aber der Blick in den Kalender sagt: In gut sechs Wochen ist Weihnachten. Und daran orientieren sich alle, die Geschenke online bestellen.

Der daraus resultierende Warenstrom kommt zum normalen Versandgeschäft noch hinzu. Online aussuchen und bestellen – das hat Amazon, das US-amerikanische Unternehmen, das als Garagenfirma in Seattle vor nicht einmal 25 Jahren begann, groß gemacht. Eigentlich schon riesig. Zu einem Weltkonzern.

Die Maschine macht sich lang

Das Verteilzentrum in Dortmund ist dabei wahrscheinlich so etwas wie ein Vorzeigestandort. Weil er neu und damit einer der modernsten in Deutschland ist. Vor rund einem Jahr ist der Umschlagsplatz in Betrieb gegangen, dort, wo früher die Schlote eines Stahlwerks rauchten und die Stahlkocher malochten. Stahl, und bald auch Kohle, sind im Ruhrgebiet Vergangenheit.

Die Gegenwart speist, mit der Digitalisierung, die Arbeitsplätze in der IT-Branche und im Dienstleistungssektor. Wie bei Amazon. Der Versandhändler, der längst auch Artikel im Auftrag anderer Anbieter versendet und verschickt, wächst mit dem Onlineboom.

Verteilzentrum in Dortmund steht in der Mitte des Warenstroms

Das Verteilzentrum in Dortmund – in der Amazonsprache DTM 2 – steht dabei in der Mitte des Warenstroms. Einfach ausgedrückt: Auf der einen Seite des Hallenareals kommen Artikel, die Kunden bestellt haben, an. Auf der anderen Seite gehen diese Artikel, für die jeweiligen Amazon- Standort, von denen aus sie ausgeliefert werden, auf Paletten sortiert, wieder raus. Dazwischen liegen hunderte Meter Förderbänder, Scannersensoren und Verteilstationen.

Die Artikel durchlaufen das Zentrum in genormten, schwarzen Kunststoffkisten. Der Inhalt ist extrem unterschiedlich: Jersey-Bettwäsche in zartem Rosa, Adventskalender von Playmobil, Heizwesten – da scheint noch jemand mit Winterkälte zurechnen – , Dieselfilter oder Plastikbeutel mit silbern glänzenden Metallklammern; letztere wohl für einen Industriekunden.

Sortieren der Pakete ist Handarbeit

Die Sortierung und Verteilung ist größtenteils Handarbeit. Amazon setzt im DTM 2 aber auch Hightech ein: eine voll automatisierte Palettiermaschine des Schweizer Herstellers ABB. Ein Roboterarm greift sich die schwarzen Kunststoffkisten, in denen die Artikel liegen, dreht sich und setzt die Kisten, wie auf dem Scannercode angeben und von der Maschine abgelesen, passend auf die jeweilige Palette.

Mit einem leisen schnurren macht sich die Maschine lang, sobald eine Palette voll ist, schiebt sie in eine Maschine, die in Sekundenbruchteilen einen festes Plastikband um die Kistenstapel wirft und auf der Holzpalette festzurrt. Der nächste Roboterarm schiebt die Palette in Richtung Warentor: Fertig zur Auslieferung per Lkw.

„Das Computerprogramm für die Maschine hat Amazon entwickelt“, erklärt Stefano La Rouvere von der Entwicklungsabteilung, die Dortmunder Einheit, die als im Konzern vorbildlich gilt.

Lohn-Bonus für Anwesenheit

Beim Blick in die riesigen Hallen fällt auf: Kein Rennen, keine Hektik. Das passt ins Bild des Betriebsratsvorsitzenden am DTM 2, der „mit Vorurteilen, die man draußen hört“, nichts anfangen kann. Osman Oezkan sagt über die Arbeitsbedingungen: „Auf den Sklaventreiber, der die Peitsche schwingt, warte ich immer noch...“

Auch insofern ist Dortmund ein Vorzeigestandort: Hier wird der Warenstrom geleitet, die Artikel auf die anderen Amazon-Zentren verteilt. Für den Kunden versandfertig zusammengepackt und zur Zulieferung fertiggemacht werden sie in den anderen Standorten wie etwa in Bochum. Dort dürfte die Hektik, beim Zusammenstellen der Artikel, deutlich höher sein. Während der Standort Werne, nur unweit von Dortmund, immer wieder durch Streiks in die Schlagzeilen geraten ist, sagt Osman Oezkan: „Wir sehen derzeit keinen Grund, warum wir in Dortmund streiken sollten“.

Die zehn Prozent Bonus auf den Bruttolohn, die sich die Beschäftigten erarbeiten können – je zwei Prozent für das Erreichen bestimmter Vorgaben bei Qualität und Produktivität und sechs Prozent für Anwesenheit, also ohne Fehltage – verteidigt der Betriebsrat. Und für Standortleiter Krause ist der Anwesenheitsbonus ein Anreiz, „nicht, um sich krank zur Arbeit zu schleppen, sondern um krankfeiern zu verhindern“. Gerade jetzt in der Hochsaison.

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