Studium

Studierende im Stress: „So schnell wie möglich arbeiten“

Studierende im Stress - Drei Studentinnen berichten über ihre Studienzeit mit mindestens einem Nebenjob und den Abstrichen im Privatleben.

Studierende im Stress - Drei Studentinnen berichten über ihre Studienzeit mit mindestens einem Nebenjob und den Abstrichen im Privatleben.

Foto: Thomas Frey/dpa

Siegen/Iserlohn/Wetter.   Uni, Nebenjob und Karriere unter einem Hut? Drei Studierende aus Südwestfalen berichten von ihrem stressigen Alltag während der Studienzeit.

Unter der Woche kellnern, Freitag und Samstag auf Hochzeiten fotografieren – und ganz nebenbei Vollzeit studieren. Das war der Alltag von Laura Goess. Die Arbeit hat sich für die 25-Jährige aus Altena ausgezahlt: Ihr Kommunikations- und Medien-Management-Studium in Iserlohn hat sie in der Tasche, derzeit macht sie ein Praktikum bei Porsche in Stuttgart.

Sie hat aber auch verzichtet, hat gearbeitet, wenn andere feiern gingen. „Ich habe meinen Freunden aber versprochen, dass ich wenigstens einmal im Monat samstags nach der Arbeit nachkomme.“ Dieses Versprechen konnte sie nicht immer einhalten, besonders wenn eine Hochzeit nach der anderen anstand. „Ich habe den ganzen vergangenen Sommer durchgearbeitet.“ Im September dann habe sie auf die Bremse treten müssen: „Ich war müde und erschöpft.“ Der Schlaf fehlte, der Kopf war nicht frei. „Da wurde so etwas wie eine Kettenreaktion ausgelöst. Da habe ich eine Zeit lang einfach mal langsamer machen müssen.“

Regelstudienzeit reicht oft nicht

Dieses Gefühl ist einigen an der Uni bekannt: 24,4 Prozent der Studierenden berichten über Erschöpfung, 25,3 Prozent über ein hohes Stresserleben. Jeder sechste Studierende leidet unter einem depressiven Syndrom und ebenso viele unter einer Angststörung. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Techniker Krankenkasse, des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und der Freien Universität Berlin. 2017 haben Studierende 108.800 Mal die psychologischen Beratungsstellen der Studierendenwerke aufgesucht. Das entspricht einem Anstieg seit 2006 um 60 Prozent.

„Ich glaube, dass ist ein gefühlter Stress“, sagt Dr. Torsten Pätzold, Studierendencoach der Fachhochschule Südwestfalen. Die jungen Menschen neigten dazu, sich zu überfordern. Viele sähen auch gar nicht, was sie neben der Universität noch alles stemmen müssten und planten viel zu viele Kurse ein. Studierende machten sich den Druck, in der Regelstudienzeit fertig zu werden. „Sie hätten weniger Stress, wenn sie akzeptieren würden, dass sie länger brauchen“, erklärt Torsten Pätzold weiter. Die wenigsten würden in der Regelstudienzeit studieren.

Problem für Bafög-Empfänger

Die Zahlen geben ihm recht: Nur 37 Prozent der Masterabsolventen haben laut Statistischem Bundesamt im Prüfungsjahr 2016 ihr Studium in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Ein Problem ist das vor allem für Bafög-Bezieher, denen der Staat dann die Gelder streicht.

Auch Sara Assila braucht länger für ihr Studium in Siegen, dafür hat sie ihre Gründe: Die Lehramtsstudentin arbeitet nebenbei bei einem Möbelhaus und als Vertretungslehrerin. „Ich möchte nicht von meinen Eltern durchgefüttert werden“, sagt die 24-Jährige. Mit zwei Nebenjobs müsse sie genau planen, wann sie welche Aufgabe erledigen kann. „Das Wochenende fällt für mich meist aus“, sagt die gebürtige Wuppertalerin. Besonders stressig wird es, wenn Klausurphase und Abgaben von Hausarbeiten dazukommen. Ihre Urlaubstage spare sie meist für diese Zeit auf. Oftmals sei ihr Arbeitgeber aber kulant und teile sie dann nicht so häufig ein.

Zwei verschiedene Systeme

Das Studium sei für sie „ein Kampf“, denn es gehe meist nur darum, abzuliefern. „Wir werden so erzogen, dass wir so schnell wie möglich fertig werden, um dann so schnell wie möglich zu arbeiten.“ Assila räumt ein, dass sie in den ersten zwei Semestern fast gar nicht studiert hat. Der Umstieg von Schule auf Studium und der Auszug aus dem Elternhaus war für sie eine große Umstellung: „Ich habe mir Zeit gelassen, um damit klarzukommen.“

Damit ist sie nicht alleine. Auch Dr. Pätzold kennt diese Probleme von dem Gesprächen mit den Studierenden: „Manchen macht der Übergang von der Schule zur Hochschule zu schaffen.“ Beide Systeme funktionierten ganz anders und die Uni sei anspruchsvoller, die Studierenden sind ab dem Zeitpunkt allein für sich verantwortlich. Die Frage wie viel und was man sich aufbürdet, liegt dabei beim Studierenden.

15 Stunden Arbeit und Studium

„Entweder man macht etwas für das Studium, oder man geht unter“, sagt Lena Kleimann aus Wetter. Die 23-Jährige studiert im Master Management an der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus ist sie als Werkstudentin bei Signal Iduna im Risikomanagement tätig. Für sie ist der Job wie ein Sechser im Lotto: „Ich mache das gerne, die Aufgaben machen mir Spaß, und ich habe wirklich Glück gehabt.“ Dennoch fällt es ihr nicht leicht, 15 Stunden Arbeit mit dem Studium unter einen Hut zu bekommen.

Schwierige Klausurphase

Noch schwieriger wird es, wenn Klausurphase und ein hohes Pensum auf der Arbeit zeitlich zusammenkommen und der Druck immer mehr wird. „Wenn einem alles zuviel wird, weiß man gar nicht mehr, wo man anfangen soll.“ Dieses Problem habe sie hingegen auf der Arbeit nicht. „Da funktioniert man sowieso, hat feste Termine“, sagt sie. Doch nach der Arbeit ist vor dem Lernen: „Ich habe das Gefühl, dass egal wie viel ich mache, ich nie fertig werde.“

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