Lebensmittel

Brötchen werden teurer - nicht jeder hat dafür Verständnis

Der Brötchenpreis steigt seit Jahren sukzessiv an.

Der Brötchenpreis steigt seit Jahren sukzessiv an.

Foto: dpa / picture alliance/dpa

Hagen.  Backstubenmitarbeiter erhalten einen höheren tariflichen Lohn. Die Preiserhöhung wird an die Kunden weitergegeben – nicht jeder hat Verständnis.

Der frische Duft von Kaffee in der Nase, eine Radiomelodie im Ohr und das Marmeladenglas auf dem Küchentisch – was dieses Bild eines entspannten Morgens noch komplettieren würde? Eine Tüte frischer Brötchen. Doch für die müssen Kunden jetzt noch tiefer in die Tasche greifen.

Aufgrund einer Lohnerhöhung für Mitarbeiter in Backbetrieben müssen Betreiber mehr Geld erwirtschaften. Deswegen sollen nun ein bis zwei Cent auf verschiedene Backwaren draufgeschlagen werden – natürlich auch aufs Brötchen.

Wir haben auf Facebook eine Umfrage geschaltet und wollten von Ihnen wissen: „Was würden Sie für ein Brötchen zahlen?“.

Antwortmöglichkeiten:

„35 Cent höchstens.“

„40 Cent sind okay.“

Nach 24 Stunden, über 7300 Beteiligungen und hunderten von Kommentaren bleibt die Erkenntnis: Das Brötchen und sein Preis bewegt die Menschen.

Kosten erzeugen mehr Kosten

„Für 40 Cent erwarte ich dann aber auch ein Top-Produkt. Tankstelle-Qualität darf es dann nicht sein“, schreibt Manfred Heidbreder aus Meschede. Viele der Kommentare gehen in diese Richtung. Viele Menschen haben Verständnis, dass die Angestellten angemessen entlohnt werden müssen. Damit einher geht jedoch auch die Forderung nach entsprechender Qualität.

Der neue Tarifvertrag für das Backhandwerk in NRW sieht eine Lohnerhöhung von mindestens 55 Euro vor. Geld, das sich auch Georg Sangermann, Obermeister der Bäckerinnung Westfalen-Süd und Betreiber von sechs Backfilialen rund um Oberveischede im Kreis Olpe, auch bei den Kunden wiederholen möchte. Er hat bereits angekündigt zu reagieren. Ab Juli wird er seine Brötchen wohl für 37 anstatt 35 Cent verkaufen. Die jetzige Lohnerhöhung schlage mit einem hohen fünfstelligen Euro-Betrag in seiner Betriebs-Bilanz zu Buche.

Gründe für Anstieg vielfältig

„Es gibt immer wieder neue Kosten und Anlässe für Bäcker, die Preise neu zu kalkulieren“, sagt Michael Bartilla, Geschäftsführer des Bäckerinnungs-Verbands Westfalen-Lippe. Dabei haben Preissteigerungen aufgrund von Neukalkulierungen verschiedene Gründe. Oftmals liege es an steigenden Preisen für Zutaten wie beispielsweise Mehl und Butter. Nun sind es erhöhte Personalkosten, die die Backbetriebe zu Preissteigerungen veranlassen. „In großen Industriebetrieben sind Personalkosten unter zehn Prozent üblich. Bei Backbetrieben entfallen jedoch 50 Prozent der Kosten auf das Personal“, rechtfertigt Bartilla die Preisanhebung und fügt an: „Bäcker müssen auf Veränderungen des Marktes reagieren können.“

Einen Durchschnittspreis für das Brötchen kann aufgrund der vielfältigen Kriterien nicht pauschal angegeben werden, meint der Zentralververband des Deutschen Bäckerhandwerks in Berlin auf Nachfrage. Sicher ist nur – die Kosten steigen.

Ein Beispiel aus der Region: Bei der Stadtbäckerei Kamp, die in Hagen und Umgebung mehrere Filialen unterhält, kostete das Brötchen 2002 noch 25 Cent. 2007 lag der Preis bei 28 Cent, heute zahlt man 34 Cent. „Wir haben über die Jahre also immer mit Bedacht ein bis zwei Cent erhöht“, erklärt Stefanie Kamp die Vorgehensweise des Familienunternehmens. Teuer sei das Brötchen damit im Vergleich zu anderen Lebensmitteln über die Zeit jedoch nicht geworden, im Gegenteil. „Wenn man die allgemeine Preissteigerung betrachtet und die Veränderung der Einkommensstruktur insgesamt, sind die Preise für Backwaren unterproportional gestiegen“, sagt Michael Bartilla.

Kontinuität zeigte die Traditionsbäckerei aus Hagen neben der Erhöhung des Brötchenpreises auch im Umgang mit Tarifverhandlungen: „Wir tragen traditionell jede Tariferhöhung mit und entlohnen unser Team entsprechend“, so Kamp. Im Gegensatz zum Bäckerkollegen Sangermann aus Oberveischede, ist die Reaktion auf das Ergebnis der diesjährigen Tarifverhandlungen noch nicht geklärt worden: „Da die Entscheidung zur Tariferhöhung so kurzfristig bekanntgegeben wurde, haben wir noch nicht final prüfen können, inwieweit eine Preiserhöhung unabdingbar ist“, so Stefanie Kamp.

Letztendlich entscheidet der Konsument, wie tief er für gewisse Produkte in die Tasche greifen möchte. Dass der steigende Brötchenpreis eine Abwanderung der Kundschaft zu Billig-Anbietern zur Folge hat, befürchtet Bartilla nicht.

„Der Trend zeigt, dass immer mehr Leute bereit sind, in Genuss zu investieren, in regionale und gesunde Waren, die ökologisch vertretbar sind“, so der Diplom-Kaufmann, der den Trend auch in den jüngsten politischen Ergebnissen wiederfindet. Produkte von Handwerksbäckern seien nicht zu vergleichen mit Industrieprodukten. „Für 19 Cent können sie handwerklich keine Brötchen herstellen“, so Bartilla.

Dennoch gibt es viele Menschen, die sich nicht zuletzt aus finanziellen Gründen für die kostengünstigere Variante beim Discounter entscheiden. „Ist doch viel zu teuer, da gehe ich lieber zum Aldi, wo ein Brötchen 13 Cent kostet“, schreibt etwa Achmed Bebo aus Menden auf Facebook. Mehr fürs Geld. Aber womöglich auch geringere Qualität.

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