Buchhandel

Thalia und Mayersche gemeinsam gegen Amazon & Co.

Michael Busch, Geschäftsführender Gesellschafter von Thalia, hat bereits im Sommer Fusionsgespräche mit Hartmut Falter (Mayersche) geführt.

Michael Busch, Geschäftsführender Gesellschafter von Thalia, hat bereits im Sommer Fusionsgespräche mit Hartmut Falter (Mayersche) geführt.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Die Buchhandelsketten Thalia und Mayersche schließen sich zusammen, um sich am deutschsprachigen Buchmarkt behaupten zu können.

Der deutsche Buchhandel soll auch in Zukunft im Land der Dichter und Denker den Ton in der Branche angeben, formuliert Familienunternehmer Hartmut Falter aus Aachen den Anspruch. Seine über 200 Jahre alte Mayersche Buchhandlung mit über 50 Standorten schließt sich dem Marktführer Thalia mit Sitz in Hagen an, um langfristig im Wettbewerb gegen weltweite Internetanbieter wie Amazon bestehen zu können.

Kartellamt muss noch zustimmen

Stimmen die Kartellbehörden dem Zusammenschluss zu, entsteht rückwirkend zum 1. Januar 2019 eine Kette mit mehr als 350 Standorten in Deutschland und Österreich mit rund 6000 Beschäftigten. „Wir wollen uns als mittelständische Familienunternehmen von niemandem die Butter vom Brot nehmen lassen“, macht Thalia-Geschäftsführer Michael Busch eine selbstbewusste Ansage.

Der Handelsexperte Thomas Roeb geht davon aus, dass sich durch die bessere Ertragslage die Marktpositionierung verbessere. „Sie können durch Einsparungen mehr investieren und zum Beispiel das eigene Online-Geschäft ausbauen. Dadurch können sie im Buchbereich, ein attraktiveres Gegenangebot zu Amazon schaffen“, so der Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Beide Buchhandelsketten kooperieren bereits seit Jahren erfolgreich beim E-Book-Reader Tolino, dem Konkurrenzprodukt zu Amazons Kindle.

Mit der Fusion sollen weder Personalabbau noch Standortschließungen verbunden sein. „Es wird keine einzige Buchhandlung geschlossen“, versichert Michael Busch, Geschäftsführender Gesellschafter des weitaus größeren Partners Thalia. Geplant war der Schritt gemeinsam den Weg in die Zukunft zu gehen, bereits längere Zeit. Nach Angaben von Busch und Falter haben die konkreten Gespräche über eine Zusammenlegung bereits vor Monaten stattgefunden. Mayersche und Thalia entschlossen sich, statt des bisher „sportlichen Wettbewerbs“ (Falter), in Zukunft zusammen den Ton auf dem deutschsprachigen Markt angeben zu wollen.

Die Mayersche mit ihren Buchhandlungen und der Tochtergesellschaft Best of Books (BOB) ist in Westdeutschland bestens aufgestellt, in der Welt des Internets mit dem eigenen Auftritt aber offenbar zu klein geblieben. Falter sieht vor allem hier erhebliche Chancen für das Unternehmen Mayersche Buchhandlungen. Thalia wiederum könnte von der Gesellschaft BOB profitieren, die das als „Nebenmarkt“ bezeichnete Geschäft mit der Belieferung von Supermärkten mit Büchern versteht. Außerdem war die Mayersche offenbar im Großhandelsgeschäft mit Bibliotheken Thalia bislang einige Schritte voraus.

Falter und Busch sind bemüht, den Schritt der Zusammenlegung als eine Fusion auf Augenhöhe zu verkaufen, auch wenn Falter, der künftig zum Thalia-Gesellschafterkreis gehören wird, nach Busch lediglich zweiter Geschäftsführender Gesellschafter werden soll.

In jedem Fall wird mit der Bekanntgabe der Entscheidung aus Sicht der beiden beteiligten Partner ein Signal an die Branche mittelständischer Familienunternehmen, Allianzen einzugehen, um gegen globale Anbieter am Markt zu bestehen. Nicht ausgeschlossen, dass diese neue Bücherallianz weiter wachsen könnte, soweit dies die Kartellbehörden zuließen. Mit Deutschlands zweitältester Buchhandlung, Osiander (1596 gegründet) aus Tübingen, verbindet die Mayersche bereits eine enge Kooperation. Gemeinsam hat man gerade eine für beide passende SAP-Lösung entwickeln lassen.

Sollte es keine Einwände geben, wird die Fusion Thalia/Mayersche rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres rechtswirksam. Der Name Mayersche soll vorerst sichtbar bleiben, ob dies dauerhaft der Fall sein wird, „ist noch nicht entschieden“, erklärt Falter. Das Stammhaus der 200 Jahre alten Buchhandelskette in Aachen ist von der Fusion übrigens ausgenommen und bleibt im Besitz der Familie Falter.

Eine Gefahr gehe für kleine Buchhandlungen nicht aus, so Thomas Roeb. „Der Wettbewerbsdruck ist jetzt schon kaum steigerbar. Und die Bücher werden durch die Fusion nicht günstiger“, erklärt der Handelsexperte. Das verhindert auch die Buchpreisbindung.

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