Kettler

Aufatmen bei Kettler: Aus der Kultmarke vorerst abgewendet

Das Kettcar wird weiter produziert – vorerst.

Das Kettcar wird weiter produziert – vorerst.

Foto: Lars Heidrich

Ense/Werl.   Das Aus beim Sport- und Freizeitartikelhersteller Kettler ist für den Moment abgewendet. Am Freitagabend wurde die Belegschaft informiert.

Für das Unternehmen Kettler und seine über 700 Beschäftigten besteht weiter Hoffnung auf eine Zukunft. Es stand spitz auf Knopf. Nach zweit Tagen Ringen um eine Zwischenfinanzierung hat sich gerade der Gläubigerausschuss darauf verständigt, dass beim Traditionshersteller von Sport- und Freizeitartikeln noch nicht die Lichter ausgehen werden. Es dürfte die letzte Chance auf eine Zukunft für die Kettcar-Kultmarke sein.

Stiftungskuratorium entmachtet

Frei wurde der Weg durch das Einschreiten der Stiftungsaufsicht, der Bezirksregierung Arnsberg. Die Heinz-Kettler-Stiftung hatte zuletzt am Mittwoch eine Rettungsrunde im NRW-Wirtschaftsministerium unter „fadenscheinigen Begründungen“ (Ministerium) platzen lassen und so das Ende des Unternehmens Kettler beinahe provoziert.

Nach Informationen der Westfalenpost hat die Aufsicht nun den Münchener Rechtsanwalt Christoph Schotte als Sachwalter beauftragt, um die Geschäfte gemeinsam mit dem auch zuvor kooperativen Stiftungs-Vorstand Andreas Sand zu führen. Das Kuratorium um den Vorsitzenden Manfred Sauer ist somit kurzerhand entmachtet worden. Nur so war die vorläufige Rettung des Unternehmens möglich.

"Wir führen derzeit konstruktive Verhandlungen mit den Vertretern des Sachwalters der insolventen Kettler Gmbh über die Gewährung eines Massekredits durch die Stiftung, um den Einstieg eines Investors zu ermöglichen", erklärte Schotte gegenüber der WESTFALENPOST.

Aufatmen auch beim Land

Aufatmen auch bei Landeswirtschaftsminister Dr. Andreas Pinkwart: „Ich freue mich sehr, dass letztendlich doch noch buchstäblich in letzter Sekunde gelungen ist, den Weg für eine Lösung zu eröffnen. Ich hoffe, dass es jetzt sehr zeitnah zu einer Übernahme des Gesamtunternehmens und nach vielen Jahren der Ungewissheit zu einer verlässlichen Zukunft für die Beschäftigten kommt. Ich hätte mir dabei etwas weniger Dramatik gewünscht, letztlich zählt aber das Ergebnis. Besonderer Dank gilt dabei der Stiftungsaufsicht, die den jetzt beschrittenen Weg überhaupt erst ermöglicht hat. Alle Beteiligten haben mit großem Engagement für den Erhalt des Traditionsunternehmens Kettler gekämpft. Ich bin zuversichtlich, dass jetzt alles auf gutem Wege ist.“

Am frühen Freitagabend wurden die Beschäftigten über die zunächst positiven Ergebnisse des Ausschusses informiert, in dem Vertreter der Gewerkschaft, der Bundesagentur für Arbeit, des Hauptgläubigers Sparkasse Hochsauerland sowie zweier Unternehmen vertreten sind und mit dem Sachwalter Horst Piepenburg verhandelt haben. Zunächst einmal sei Zeit gewonnen worden, um in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen.

Möglicher Investor benötigt Zeit

Diese Zeit benötigt ein möglicher Investor, um sich eine exaktes Bild von den Kennzahlen des Unternehmens machen zu können. Für den Moment herrscht also Zuversicht, dass es bei Kettler für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter doch noch eine Zukunft geben könnte, auch „wenn die Kuh noch nicht vom Eis ist“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Michael Heierhoff.

„Ich würde mir wünschen, dass wir in den kommenden Wochen den neuen Gesellschafter der Kettler GmbH bekanntgeben können. Zusammen mit dem gesamten Team und deren Familien, freue ich mich über diese positive Wendung, die nun die Rettung des Unternehmens doch noch möglich machen kann“, erklärte Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff.

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