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So trotzt eine Mendenerin dem Schnee-Chaos in den Alpen

Die Mendenerin Monika Haas im Schnee von Königsleiten in Österreich.

Die Mendenerin Monika Haas im Schnee von Königsleiten in Österreich.

Foto: Privat

Hagen/Königsleiten.   Der Alpenraum versinkt im meterhohen Schnee, viele Zufahrtsstraßen sind gesperrt, der Strom fällt aus. Eine Mendenerin ist mittendrin.

Als das Telefon klingelt, laufen die Nachrichten. Monika Haas hat sie eingeschaltet. Sie sind voll von Geschehnissen, die sich unweit von ihr ereignen. „Wir müssen doch auf dem Laufenden sein, was passiert“, sagt die Mendenerin. Mit ihrer fast drei Jahre alten Enkelin verbringt sie derzeit die letzten Tage eines Familien-Ski-Urlaubs in Königsleiten, einem Almdorf im Salzburger Land. 1600 Meter hoch am Gerlos-Pass gelegen. Meterhoch zugeschneit wie der gesamte Alpenraum. „Seit 46 Jahren fahren wir hier nach ­Königsleiten“, sagt die Sauerländerin, „aber solche Schneemassen haben wir noch nie gehabt.“

Tatsächlich hat das Schnee-Chaos in vielen betroffenen Gebieten längst dramatische Züge angenommen. In Österreich starben bislang mindestens sieben Menschen im Schnee. In Aying bei München wurde ein siebenjähriges Kind von einem umstürzenden Baum erschlagen. Die Polizei ging am Donnerstagnachmittag davon aus, dass der Baum unter der Schneelast zusammenbrach.

Zweithöchste Lawinenwarnstufe

Die bayerischen Behörden haben am Donnerstag in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein den Katastrophenfall ausgerufen. Zuvor war dies bereits in Miesbach geschehen. Einzelne Siedlungen sind wegen des Schnees weitgehend abgeschnitten und werden durch den Einsatz von Militärfahrzeugen mit Lebensmitteln versorgt. Im gesamten Alpenraum herrscht die zweithöchste ­Lawinenwarnstufe.

Das gilt auch für Königsleiten, den Ort, wo Monika Haas ist. Zehn ­Kilometer Luftlinie sind es bis nach Neukirchen am Großvenediger, wo am Mittwoch sechs Schüler aus Deutschland von einer Lawine verschüttet wurden, aber unverletzt geborgen werden konnten. Bei der Meldung zuckte auch Monika Haas zusammen. „Es tut mir leid für diejenigen, die unter den Bedingungen leiden müssen.“ Freundinnen und Familie rufen sie an, fragen: Hast du keine Angst in den Alpen? Warum kommst du nicht heim? Die Antwort ist: „Ich fühle mich sicher.“

„Ein Wintermärchen“

Sie kennt ihr Königsleiten. Noch nie sei es dort gefährlich gewesen. Ihre Ferienwohnung liegt am Ortseingang, aus dem Fenster blickt sie über die Kirche hinweg auf einen kleinen Hang. Das Tal ist vergleichsweise breit, hell, offen. Übersichtlich. „Unheimlich schön. Ein Wintermärchen“, sagt sie: „Weiß, wohin das Auge reicht.“ Beim Bürgermeister höchst persönlich hat sie sich rückversichert, dass Bleiben kein Risiko ist. „Die Region ist etwas Besonderes. Ich hoffe, dass das so bleibt.“

Derweil sorgt der viele Schnee drumherum auch auch für Probleme bei der Stromversorgung. Tausende Haushalte in den besonders stark betroffenen Gebieten waren am Donnerstag zeitweise ohne Strom. Allein im österreichischen Bundesland Tirol waren es laut Tiroler Netze rund 1600 Haushalte, in Salzburg meldete das Land mehr als 1200 stromlose Haushalte. In Niederösterreich waren es rund 900, in Oberösterreich 600.

Schneeschicht auf den Dächern

Monika Haas bekommt das alles mit, spätestens in den Nachrichten. Aber ihr fehlt es an nichts. Jeder Ort ist anders. Die Zufahrtsstraße ist frei, Lebensmittel sind ausreichend vorhanden, das Örtchen ist belebt wie fast immer. Nur auf den wenigen freigegebenen Pisten ist kaum etwas los. Zwischenzeitlich sorgte sie sich um die Stabilität ihres Daches. Bei ihr und in der Nachbarschaft liegt der Schnee wie ein meterdicker Teppich. Aber die Häuser seien so konzipiert, dass sie 750 bis 1000 Kilogramm Last pro Quadratmeter tragen können, sagen die im Ort, die es wissen müssen.

Doch Monika Haas und ihre Enkelin hoffen trotzdem darauf, dass es aufhören möge zu schneien. Jeden Tag wischen sie den Neuschnee vom Balkongeländer, um am nächsten Morgen in die Heimat zu senden, wie viel es über Nacht mehr geworden ist. „Morgen soll es aufhören“, sagt Monika Haas. Der Österreichische Rundfunk prophezeit vorher aber noch bis zu einen halben Meter Neuschnee.

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