Schulweg

Türen defekt, Boden verrostet – Schulbusse mit Mängeln

Schüler warten auf den Bus.

Foto: Walter Fischer

Schüler warten auf den Bus.

Hagen/Arnsberg.   Auch die Polizei im Hochsauerland legt Bus still. Verband der Omnibusunternehmer kritisiert Ausschreibungspraxis in NRW.

Drei Kontrollen, drei Treffer. Anfang dieser Woche überprüfte die Polizei in Arnsberg mehrere Schulbusse – und stellte an allen Mängel fest.

Bei zwei Bussen fehlten die erforderlichen Schulbuskennzeichnungen sowie zusätzliche Blinkleuchten, Erste-Hilfe-Materialien, die Kennzeichnung der Notausstiege sowie der freie Zugriff auf die Feuerlöscher.

Rost am Unterboden

Ein dritter Bus wurde noch vor Ort still gelegt. Die Sicherheitsgurte hatten Fehler, die Ausgangstür war defekt und am Unterboden nagte bereits der Rost, so die Angaben der Polizei. Das betroffene Busunternehmen allerdings weist die Vorwürfe zurück – und hat nun ein Gegengutachten in Auftrag gegeben. Erst vor wenigen Wochen sei der Bus durch die vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung in einer dafür zugelassenen Werkstatt gekommen, so eines der Argumente des Busunternehmers. Man hätte den Bus nicht eingesetzt, wenn es gravierende Mängel gäbe.

Dennoch: Schulbusse, die bei Polizeikontrollen auffallen, sind offenbar kein Einzelfall. Zwei Wochen zuvor hat die Polizei in Brilon einen Schulbus an der Weiterfahrt gehindert. Die Ausstiegstür schloss nicht korrekt, es fehlten Nothämmer und Hinweise auf den Notausstieg.

Polizei zog Reisebus aus dem Verkehr

In Bielefeld hat die Polizei in der vergangenen Woche einen Reisebus aus dem Verkehr gezogen, der eigentlich eine Schülergruppe zu einem Ausflugsziel bringen wollte. Der Bus fiel den Polizisten auf, weil die Rückleuchte defekt war. Bei der Kontrolle entdeckten die Beamten nach ihren Angaben zudem, dass der tragende Gitterrahmen stark verrostet war.

Die Vorgänge im Hochsauerland werden nun in der Bezirksregierung überprüft, die die Konzessionen für die Verkehrsunternehmen erteilt. Busse, die Unternehmer für den Personenverkehr einsetzen, müssen nach Angaben der Bezirksregierung einmal pro Jahr zum TÜV und dreimal pro Jahr zu einer weiteren Sicherheitsüberprüfung.

„Das ist ein sehr dichtes Kontrollnetz“, so Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Woher dann Busse kommen, die trotz der Kontrollen defekte Türen und Roststellen aufweisen, ist auch der Bezirksregierung ein Rätsel.

Busse im Allgemeinen sicher

Diese Einzelfälle kann Johannes Krems, Geschäftsführer des NRW-Verbandes der Omnibusunternehmer, nicht beurteilen. Dass aber im Land immer wieder Schulbusse mit Mängeln auffallen, wundert ihn nicht: „An der Schülerbeförderung wird gespart.“ Es fehlten oft Qualitätsstandards. Bei Ausschreibungen erhalte das billigste Busunternehmen den Zuschlag, warnt Krems vor einem riskanten Preiskampf in der Branche.

Dennoch, betont er, bleibt der Schulbus das sicherste Transportmittel. Krems verweist auf eine Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Demnach entfallen nur fünf Prozent der Schulwegunfälle auf den Bus (Stand 2016). 45 Prozent auf das Fahrrad und 18 Prozent auf Pkw.

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