Abgas-Streit

Umstrittener Lungenfacharzt wehrt sich: „Unfairer Angriff“

Autos über Autos: Diese-Fahrverbote werden aber unwahrscheinlicher.

Autos über Autos: Diese-Fahrverbote werden aber unwahrscheinlicher.

Foto: Lars Heidrich

Hagen.   Der Schmallenberger Lungenarzt Dieter Köhler polarisiert in der Abgasdebatte. Kritiker werfen ihm Fehler vor, aber er bleibt bei seinen Thesen.

Prof. Dr. Dieter Köhler (70) ist schon länger ein gefragter Mann. Der Lungenfacharzt und Wissenschaftler aus Schmallenberg, von 1989 bis 2014 Präsident des Verbandes Pneumologischer Kliniken, tritt seit Monaten in den Talksendungen der deutschen Fernsehlandschaft auf: Anne Will, Hart aber fair, Stern TV. Geladen ist er als Gast mit provokanter Meinung: Die Abgase sind nicht so schlimm, jedenfalls nicht so schlimm wie zum Beispiel das Rauchen. Die „Tageszeitung“ wirft ihm nun Rechenfehler vor. Doch der pensionierte Lungenarzt sagt: „Insgesamt ändern diese kleinen Korrekturen natürlich nichts an der Gesamtaussage.“


Wie haben Sie auf den Bericht reagiert, der Ihnen vorwirft, Rechenfehler begangen zu haben?
Dieter Köhler: Es ist schon anstrengend im Moment. Ich vertrete meine Meinung ja schon seit Jahren, aber erst in den vergangenen Monaten wurde daraus eine so große Sache. Es hieß dann auch, ich sei allein. Daraufhin habe ich mit ein paar Kollegen zusammen diese Protestschrift verfasst. 90 Prozent der Rückmeldungen, die ich – auch von Akademikern – erhalte, sind positiv. Ganz einfach, weil es plausibel ist, was ich sage.


Hat der Autor des Artikels denn Recht? Haben Sie sich verrechnet?
Ehrlich gesagt empfinde ich diesen Angriff als unfair. Wenn ich es recht weiß, dann war der Autor früher Pressesprecher bei den Grünen. Ich habe schon das Gefühl, dass er ideologisch vorgeprägt war, dass er schon eine vorgefertigte Meinung hatte und inmitten großer Fakten nach winzigen Details suchte, um seine Haltung zu stützen. Ich hatte ihm vorher alle Unterlagen zur Verfügung gestellt.


Haben Sie sich denn verrechnet?
Richtig ist, dass ich zur Verdeutlichung der geringen Gefahr durch Abgase die Raucher als Vergleich herangezogen habe. Dabei gehe ich von einem Feinstaubwert für Zigaretten aus, der durch eine EU-Verordnung 2004 verändert worden war. Aber der Unterschied im Ergebnis ist lächerlich gering.


Ein Raucher, argumentierten Sie, brauche zwei Monate, um den Wert von jemandem zu erreichen, der 80 Jahre lang an einer viel befahrenen Straße lebt. Richtig?
Richtig. Mit dem neuen Wert dauert es eben 2,1 Monate.


Bei einer anderen Rechnung zum Thema Stickstoffdioxid sollen Sie sich um den Faktor 200 bis 1000 verrechnet haben.
Diese Zahlen sind einem Manuskript aus dem Frühjahr 2018 entnommen. Mit denen operiere ich schon längst nicht mehr.


Haben Sie das Gefühl, etwas bewegt zu haben im Land?
Wir haben viel erreicht, das ist ­offensichtlich. Die Europäische Union verzichtet ja nun auf ein Veto gegen das in Deutschland geplante Gesetz, die Umwelthilfe will Diesel-Fahrern nicht mehr ihre Autos wegnehmen. Wir haben etwas bewirkt, auch wenn es massive Widersacher gibt.

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