Sommerrodelbahnen

Unfälle auf Rodelbahnen: „Das Problem ist der Faktor Mensch“

Die Sommerrodelbahn „Trapper Slider“ ist eine Attraktion im Fort Fun Abenteuerland in Bestwig-Wasserfall.

Die Sommerrodelbahn „Trapper Slider“ ist eine Attraktion im Fort Fun Abenteuerland in Bestwig-Wasserfall.

Foto: rd

Bestwig.  Im Hochsauerlandkreis hat es weitere Sommerrodelbahn-Unfälle mit Kindern gegeben. Doch der TÜV hält die Anlagen für sicher.

Der Unfall auf der Sommerrodelbahn in Olsberg, bei dem ein sechs Jahre alter Junge aus den Niederlanden schwere Kopfverletzungen erlitt, liegt gerade einmal eine Woche zurück. Jetzt ist auch Europas längste Rodelbahn in einem Freizeitpark – der „Trapper Slider“ im Fort Fun Abenteuerland in Bestwig-Wasserfall – Schauplatz eines Unfalls geworden. Wie die Polizei im Hochsauerlandkreis am Freitag mitteilte, ereigneten sich auf der Bahn am Mittwochnachmittag zwei Unfälle mit vier Leichtverletzten. Betroffen waren jeweils Besucher aus Meschede. „Wir gehen von Fahrfehlern aus“, so Polizeisprecher Sebastian Held. Die Ermittler prüfen, ob fahrlässige Körperverletzungen vorlagen. Der „Trapper Slider“, so die Fort-Fun-Geschäftsführung, bleibt in Betrieb.

Beim ersten Unfall am Mittwoch soll ein 10-Jähriger auf einen Schlitten­ aufgefahren sein, auf dem eine 33-jährige Frau und ein achtjähriges Mädchen saßen. Alle drei wurden leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Gleiches galt für einen Achtjährigen, der wenig später Ersthelfern berichtete, ein anderes Kind sei mitten auf der Strecke auf seinen Schlitten gefahren.

Juristische Aufarbeitung dauert an

Im Oktober 2017 hatte sich ein folgenreicher Unfall auf der Sommerrodelbahn in Fort Fun ereignet. Ein damals Zwölfjähriger aus dem Kreis Olpe hatte dabei einen Teil seines Beines verloren. Die juristische Aufarbeitung dauert nach wie vor an. Vor einem Jahr war eine Frau aus Paderborn am Ende der Strecke nahezu ungebremst auf den bereits stehenden Schlitten ihres Ehemannes gerauscht. Die 39-Jährige verletzte sich schwer, der 37-Jährige leicht.

Nach dem ersten Unfall 2017 ist nach Angaben von Fort-Fun-Geschäftsführer Andreas Sievering massiv in die Sicherheit investiert worden: „Wir haben in den letzten drei Jahren die Sicherheit der Anlage komplett erhöht.“ Die Schlitten hätten bessere Anschnallgurte, Bremshebel und Gurtschlossverriegelungen erhalten: „Wir haben eine Anlage, die komplett den Normen und Sicherheitsanforderungen entspricht.“

In keinem anderen europäischen Land gibt es so viele Sommerrodelbahnen wie in Deutschland – es sind mehr als 100. „Die Bahnen sind technisch auf einem guten Stand und werden regelmäßig nach im europäischen Vergleich sehr hohen Sicherheitsvorschriften regelmäßig überprüft. Die Anlagen sind im Normalfall relativ sicher“, sagt Michael Krah, Leiter der Inspektionsstelle Fliegende Bauten des TÜV Nord in Essen. Das Problem: der Faktor Mensch. „Die meisten Unfälle passieren durch Benutzerfehler“, so Krah weiter. Es werde falsch oder zu spät gebremst, man fahre zu schnell oder zu dicht auf den Vorderschlitten auf. „Und viele überschätzen sich auch.“

Leichtsinn und Wagemut

Insbesondere, wenn die die ersten Fahrten souverän gemeistert wurden. „Es ist wie bei einem neuen Fahrrad oder bei einem neuen Auto. Man dreht die ersten Runden vorsichtig und denkt, man habe alles im Griff.“ Der Weg zum Leichtsinn oder zum Wagemut ist dann nicht mehr weit. Und was ist mit dem Einfluss von actionreichen Filmchen auf Video-Plattformen wie Youtube, denen insbesondere junge Leute nacheifern wollen? „Wissen Sie“, sagt Michael Krah, „ich mache meinen Job seit 25 Jahren. Es gibt nichts rund um Fahrgeschäfte, was sich nicht auf die Handlungsweisen von Menschen auswirken könnte.“

Keine Unfallzahlen

In Deutschland werden Unfälle auf Sommerrodelbahnen nicht zentral erfasst. In Österreich verletzen sich pro Jahr 400 Menschen. Ein Schweizer Kollege von Krah hat einmal gesagt, dass Achterbahnen sicherer sind als Sommerrodelbahnen. „Es ist zumindest so“, sagt Krah, „dass der Benutzer einer Rodelbahn aktiv fährt, eingreifen muss und dabei Fehler machen kann.“

Reichen vor diesem Hintergrund die vorhandenen Sicherheitshinweise an den Anlagen aus? „Ich glaube schon“, so der TÜV-Nord-Experte. Am Start und an der Bahn – zum Beispiel vor steilen Kurven – gebe es Schilder, mittlerweile für nicht-deutschsprachige Besucher mit Piktogrammen. Und es gebe das Aufsichtspersonal, die diejenigen an einer Fahrt hindere, die durch Alkohol, Drogen oder Medikamente einen abwesenden Eindruck machen. „Ich gebe zu: Dies ist nicht immer einfach zu beurteilen.“

An die Regeln halten

TÜV-Fachmann Krah hält nach den jüngsten Unfällen im Sauerland nichts davon, Sommerrodelbahnen grundsätzlich in Frage zu stellen. „Es ist wie im Straßenverkehr: Wenn man vorausschauend fährt und sich an die Regeln hält, sind die Risiken prinzipiell gering. Aber: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es hier wie da nicht.“

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