Coronakrise

Urlauber verlassen mit Tränen in den Augen das Sauerland

Auch Rob Meurs vom Winterberger Hotel "Der Brabander" musste alle Gäste nach Hause schicken.

Auch Rob Meurs vom Winterberger Hotel "Der Brabander" musste alle Gäste nach Hause schicken.

Foto: Jutta Klute

Hagen  Nach einem Erlass der NRW-Landesregierung mussten Urlauber bis Mittwoch die touristischen Gebiete im Land verlassen - auch das Sauerland.

Im Frühling ist das Sauerland besonders schön. Wenn die Natur erwacht, kommt die Landschaft noch mehr zur Geltung. Ausgerechnet jetzt müssen - als Folge der Corona-Krise - alle Gäste die Touristen-Hochburgen in Südwestfalen verlassen, ihren wohlverdienten Urlaub abbrechen.

Der Winterberger Hotelier Rob Meurs verabschiedete am Mittwochvormittag die letzten noch verbliebenen Gäste in seinem "Der Brabander". Ohne Händeschütteln. Aber mit einem Lächeln: "Einer achtköpfigen Gruppe habe ich noch Haxen aus unserer Küche mitgegeben, die eigentlich beim Abendessen verspeist werden sollten."

Weiter positiv denken

Jeder sei verunsichert, sagt Meurs. Aber man müsse auch in einer noch nie dagewesenen Krise versuchen, weiter positiv zu denken. Als die freundliche Rezeptionistin den Anruf zum Chef verbindet, ertönt niederländische Stimmungsmusik.

"Unsere sehr loyalen Gäste waren zwar traurig, dass sie abreisen mussten", erzählt Meurs, "aber sie hatten ohne Ausnahme vollstes Verständnis." Um die vielen Stammgäste bei Laune zu halten, hat man einen "Corona-Voucher" aufgelegt. "Keine Anzahlung geht verloren. Innerhalb von zwei Jahren kann der Voucher eingelöst werden."

Der Schock nach einem grandiosen Wintergeschäft

Nach einem grandiosen Wintergeschäft, so Rob Meurs, habe man sich auf ein erfolgreiches Frühjahr gefreut. Das Corona-Virus hat dem einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Seitdem die ersten Infektionen in Deutschland bekannt wurden, sind bereits 8000 Übernachtungen im Brabander storniert worden.

"Natürlich habe ich schon mit meiner Bank gesprochen", sagt der Winterberger Hotelier, "wie bei allen anderen Kollegen gilt es in diesen Zeiten auch bei uns, die Liquidität zu sichern." Meurs hat sehr positive Signale bekommen, wie er sagt.

Der Chef will zum Lesen kommen

Die unfreiwillige Pause bis zum 19. April will das Brabander-Team für Verschönerungsaktionen im Hotel nutzen. Der Chef höchstselbst wird auch einmal zu Hause zum Lesen kommen, wie er sagt. "Das klappt sonst nur in meinem Urlaub".

Im Romantik- und Wellnesshotel Deimann in Schmallenberg-Winkhausen ist durch das Coronavirus auch vieles nicht mehr, wie es war. "Wir mussten alle Urlauber nach Hause schicken", sagt Andreas Deimann. Ausnahme: "Die Gäste in drei Zimmern können erst am Donnerstagmorgen von Angehörigen abgeholt werden. Das Ordnungsamt hat dazu sein O.k. gegeben."

Tränen in den Augen

Ein Ehepaar, erzählt Deimann, verbringe seit mehr als 30 Jahren seinen Urlaub in Winkhausen. "Die beiden hatten Tränen in den Augen, als sie das Hotel verlassen mussten." Gleichzeitig zeigten sie Verständnis für das Vorgehen.

Das gelte auch für die Gäste, die eigentlich im Zeitraum bis zum 20. April einen Aufenthalt im Hause Deimann gebucht hatten. "Wir sagen ihnen von uns aus ab", so der Chef, der schwerste Zeiten für die ganze Branche nicht verhehlen will. "Die Buchungslage ist quasi zum Erliegen gekommen."

Das Gebot der Stunde: Verständnis

Verständnis auf allen Seiten. Das ist das Gebot der Stunde im Gastgewerbe. Natürlich würden die gebuchten, aber nicht genutzten Übernachtungen nicht berechnet, sagt Deimann. Ebenso Umbuchungen. "Wir wollen ja, dass unsere Gäste wiederkommen."

Die Frage, wer Stornierungskosten trägt, ist in diesen Tagen in der Tourismusbranche heiß diskutiert. Sie umtreibe insbesondere die Inhaber von Ferienwohnungen, sagt Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann. "Wir arbeiten an einer Klärung", sagt er und bringt eine Möglichkeit ins Spiel: Gutscheine anzubieten, die in wieder ruhigeren Zeiten eingelöst werden können.

Mieten und andere Fixkosten bleiben

Viele Hotels und Pensionen, so Beckmann weiter, machten jetzt erst einmal Betriebsferien. Die Gedanken an die Mieten und andere Fixkosten werden den Verantwortlichen nicht aus dem Kopf gehen. "Ja, es machen sich einige große Sorgen um ihre Existenz."

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