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Zerstörungswut an Bahnhöfen: Dem Vandalismus auf der Spur

Mitarbeiter der Deutschen Bahn beseitigen Spuren von Vandalismus. Im Bild: Hartmut Reh und Wolfgang Harhus (r.)

Mitarbeiter der Deutschen Bahn beseitigen Spuren von Vandalismus. Im Bild: Hartmut Reh und Wolfgang Harhus (r.)

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Menden  Wolfgang Harhus und Hartmut Reh werden gerufen, um die Folgen von Vandalismus zu beseitigen. Die Zerstörungslust macht sie oft fassungslos.

. Die Fahrplanvitrine ist übersät mit schwarzem Edding, so dass der eigentliche Zweck, die Fahrplanauskunft, nicht gegeben ist. Schilder, die vor Gefahrenstellen warnen sollen, sind nicht mehr da, sie wurden abgerissen. Der Ticketautomat ist verklebt von mehreren Graffiti, das Ziehen der richtigen Fahrkarte wird somit zum Glücksspiel. Die Glaswände des Wartebereichs – nicht mehr existent. Sie wurden mit großem Kraftaufwand rausgeschlagen, jedes einzelne.

Dieses Bild finden Hartmut Reh und sein Kollege Wolfgang Harhus am Bahnhof Bösperde vor. „Hier haben wir alle klassischen Vandalismusschäden an einem Bahnhof. Da fehlen einem schon die Worte, einfach nur grausam“, sagt Hartmut Reh kopfschüttelnd. Die beiden Männer sind Stationsinspekteure für das Hagener Bahnhofsmanagement, das für insgesamt 107 der 700 Bahnhöfe in NRW zuständig ist. Ihre Aufgabe: Neben der Wartung der Bahnhöfe vor allem die Folgen von Vandalismus beseitigen, ersetzen, reparieren. Und davon gibt es reichlich.

Blinde Zerstörungswut

„Die Arbeit wird immer mehr, wir kommen im Prinzip gar nicht hinterher“, sagt Reh. Der 56-Jährige ist seit über 30 Jahren bei der Deutschen Bahn tätig, die vergangenen zehn Jahre davon als Stationsinspekteur, und hat in der Zeit schon viel gesehen. Das Gefühl von Unverständnis für solche Zerstörungslust entsteht bei solchen Anblicken, wie die am Bahnhof in Börsperde, jedoch immer wieder aufs Neue.

Schon die erste Station an diesem Tag, der Bahnhof Menden, sorgt für Fassungslosigkeit. Die Streuguttonne am Bahnsteig wurde umgerissen und steht auf dem Kopf. „Warum auch immer. Nach den Gründen darf man gar nicht erst suchen, das frustriert nur“, sagt Hartmut Reh und stemmt gemeinsam mit seinem Kollegen mühevoll die schwere Tonne wieder auf. Nach dem Kraftakt wird es filigraner. Zwei Warnschilder müssen neu am Geländer angebracht werden. Eins wurde verbogen, das andere entwendet. Wozu die geklauten Warnschilder genutzt werden? „Das wüsste ich auch gerne – vielleicht als eine Art Trophäe für den Hobbykeller“, mutmaßt Reh. 500 bis 600 Schilder würden er und seine Kollegen jährlich austauschen müssen. Früher seien viele Schilder noch zur Anbringung aufgeklebt worden. Heute müsse man sie mit Muttern vernieten, „sonst sind sie nach einer Nacht schon wieder weg“, sagt der 61-jährige Wolfgang Harhus. Besonders etwas abgelegenere Bahnhöfe seien Opfer von Vandalismus. Bei den Tätern würde dabei oftmals Alkohol eine treibende Kraft sein. „Wenn hier ein Dorffest in der Umgebung stattfindet, kann man schon fast davon ausgehen, dass die Spuren am nächsten Tag an den Bahnhöfen zu sehen sind“, sagt Reh.

Für ihn persönlich seien Glasschäden dabei die schlimmsten: „Dann wird es auch gefährlich, gerade für Kinder“, so Reh. Die Glasverkleidungen bestehen aus einem speziellem Glas, welches nicht so einfach einzuschlagen ist, ähnlich wie bei Windschutzscheiben bei Autos. Zerstörte oder teils komplett entwendete Gläserfronten seien somit auch ein Nachweis von extremer Gewalt und Zerstörungswut.

Hohe Schäden durch Graffiti

Graffiti hingegen sind weniger Ausdruck von Gewalt, führen jedoch ebenso zu Zerstörung von Bahnhofseigentum und letztendlich zu hohen Kosten für die Bahn. Bei der Entfernung von Graffiti sind Wolfgang Harhus und Hartmut Reh nicht beteiligt, sie notieren die betroffenen Stellen und leiten die Vorfälle an die Zentrale weiter. Speziell geschulte Mitarbeiter der Deutschen Bahn müssen die einzelnen Farbschichten dann in häufig zeitintensiver und mühsamer Handarbeit Schicht um Schicht abtragen. Der Faktor Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle: „Bei Zügen und in unseren Bahnhöfen bei Hinweisschildern, Informationstafeln oder –vitrinen mit Fahrplanaushängen ist die schnelle Entfernung des Graffitis besonders wichtig, um Nachahmer abzuschrecken“, sagt Stefan Deffner vom Regionalbüro der Bahn in Düsseldorf. 72 Stunden sei dabei die Zielvorgabe zur Entfernung. Wenn es sich um verfassungswidrige Symbole wie beispielsweise Hakenkreuze handelt, werden sofort Maßnahmen eingeleitet.

Wolfgang Harhus und Hartmut Reh holen den Gasbrenner aus dem Sprinter. In Bösperde müssen neue Warnhinweise auf den Treppenstufen geschweißt werden. Die Männer üben ihre Arbeit gerne aus, trotz der sinnlosen Zerstörungswut, die sich oftmals hinter den jeweiligen Baustellen verbirgt. „Wir versuchen unser Bestes, damit es für die Menschen hier etwas besser aussieht“, sagt Hartmut Reh.

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