Buch-Premiere

Von den Pionieren der Sonor-Trommeln in Weißenfels

Bei der Buchübergabe (von links) Oliver Link, Ur-Enkel des Sonor-Gründers Johannes Link, Geschäftsführer Karl-Heinz Menzel, Autor und Projektleiter Klaus Ruple und Verkaufsleiter Rainer Dreisbach.

Foto: Christoph Vetter

Bei der Buchübergabe (von links) Oliver Link, Ur-Enkel des Sonor-Gründers Johannes Link, Geschäftsführer Karl-Heinz Menzel, Autor und Projektleiter Klaus Ruple und Verkaufsleiter Rainer Dreisbach. Foto: Christoph Vetter

Bad Berleburg-Aue/Weißenfels.   Eingefleischte Schlagzeuger und glühende Fans von Sonor recherchieren über Jahre die Firmengeschichte. Herausgekommen ist ein einmaliges Buch.

„Neue Töne in alter Trommelfabrik“ – so titelte die Mitteldeutsche Zeitung vor einem halben Jahr; aber sie meinte nicht etwa Musikinstrumente. Vielmehr sind es Presslufthämmer, die in einem altehrwürdigen, ehemals mondänen Gebäude rattern. Sie rattern dort, wo einst Johannes Link für seine Musikinstrumente die Marke Sonor erfand und weltweit bekannt machte. Da war das im Jahr 1875 an der Saale gegründete Unternehmen schon 32 Jahre alt und legte den Namen „Erste Trommelfabrik Johs. Link Weissenfels a.S.“ ab.

Bis 1989 hinter der Mauer

Wie Johannes Link, später sein Sohn Otto und Enkel Horst die Firma aufgebaut und als Global Player im Weltmarkt etabliert haben, das interessiert die glühenden Fans des Unternehmens. Aber wie kann man quasi ohne Zeitzeugen die Geschichte erfahren, eine Geschichte über zwei Weltkriege hinweg und die bis 1989 hinter der Mauer schlummerte? Einer dieser eingefleischten Sonor-Fans ist der wenige Kilometer südlich von Stuttgart lebende Klaus Ruple. Den heute 55-Jährigen hat diese Frage nicht mehr losgelassen. Seit 2010 hat er recherchiert und ein Team weiterer Sonor-Enthusiasten um sich geschart. Herausgekommen ist ein 240 Seiten starkes, großformatiges und reich bebildertes Buch.

Klaus Ruple am Sonor-Schlagzeug

Buchautor Klaus Ruple am Sonor-Schlagzeug. Er hat die Geschichte des Bad Berleburger Welt-Unternehmens von der Gründung 1875 bis 1950 dokumentiert.
Klaus Ruple am Sonor-Schlagzeug

Das erste Exemplar einer 5000er Auflage hat Ruple jetzt dem Nachfahren des Pioniers des Trommelbaus, Oliver Link, in der Sonor-Ausstellungshalle überreicht. „Es ist vollbracht. Ein hartes Stück Arbeit und eine unglaubliche Recherche liegt hinter euch. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend“, lobte Sonor-Manager Karl-Heinz Menzel die Arbeit des Teams um Klaus Ruple. Und Oliver Link zeigt sich merkbar stolz über die perfekt zusammengetragene Familiengeschichte von der Gründung bis zur Enteignung 1950.

Für Rainer Dreisbach, den kaufmännischen Leiter bei Sonor, „wird ein Traum wahr“. Dreisbach hat über die gesamte Recherche der Autoren hinweg die Verbindung zum Werk in Aue, einem Ortsteil von Bad Berleburg, gehalten und ebenfalls wichtige Informationen über die Firmengeschichte geliefert.

Ein Stück Heimatgeschichte

Was Ruple zunächst auf die Instrumente und ihre technische Entwicklung beschränken wollte, ist nun um ein Stück Heimatgeschichte für Weißenfels erweitert worden. Unterstützung dafür haben zahlreiche Nachbarn der ehemaligen Trommelfabrik in der Leipziger Straße geliefert, und dann haben sich die örtlichen Verleger-Brüder Uwe und Stephan Arps anstecken lassen vom Trommel-Fieber und konnten vor Ort weitere Informationen ausgraben.

Zusätzlich haben in aller Welt viele Sammler von Sonor-Exponaten („man kennt sich“) bis dato versteckte Schätzchen fotografieren lassen, uralte Rechnungen gescannt, Kopien aus dem allerersten Verkaufskatalog von 1899 herausgerückt, selten Schriftstücke zur Verfügung gestellt. Deshalb sind in dem Buch bislang völlig unbekannte Bilder verewigt.

Seine Recherche beschreibt der passionierte Schlagzeuger Ruple so: „4000 Arbeitsstunden, über 40 Mitstreiter, über 700 E-Mails und Telefonate, über 1200 Fotos, Dokumente und Kataloge...“. Nun hat er ein echtes Nachschlagewerk für alle Sonor- und Trommelbegeisterten vorgelegt, einen hoch interessanten Wälzer, den man nicht so schnell aus der Hand legt, ein Bilderbuch zum Staunen – und auch zum Verschenken.

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