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Pflicht-Infos über Risiken – Was beeinflusst Kleinanleger?

Viele Kleinanleger wollen sich die Aufregung der Börse (hier in New York) ersparen und wählen deshalb verpackte Anlageprodukte. Für die Aufklärung über deren Risiken hat die EU eine Standard-Information vorgeschrieben. Foto:Richard Drew/dpa

Viele Kleinanleger wollen sich die Aufregung der Börse (hier in New York) ersparen und wählen deshalb verpackte Anlageprodukte. Für die Aufklärung über deren Risiken hat die EU eine Standard-Information vorgeschrieben. Foto:Richard Drew/dpa

Hagen.   Ein Hagener Wirtschaftswissenschaftler untersucht, wie die seit Januar verpflichtenden Standard-Infos über Risiken das Kaufverhalten beeinflussen

Aus vielen Ankündigungen während der Finanzkrise ist wenig geworden: Es gibt keine Finanztransaktionssteuer, die den gefährlichen Hochfrequenzhandel eindämmen würde, mit der Austrocknung von Steueroasen ist es nicht weit her, die Märkte sind nicht wesentlich stärker reguliert, und wie sicher die Banken sind, ist zumindest umstritten.

Aber für die Kleinanleger, die 2008 auch viel verloren haben, hat sich einiges getan. Sie werden heute deutlich besser über Risiken und Kosten von Finanzprodukten informiert. Wie das wirkt und ob das reicht, untersucht jetzt ein Team um BWL-Professor Rainer Baule von der Fernuni Hagen und wird dabei vom Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW gefördert.

Die Hagener Wissenschaftler beschäftigen sich dabei mit den seit Januar 2018 von der EU vorgeschriebenen Basisinformationsblättern für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger, die nach dem englischen Namen (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products) kurz PRIIP genannt werden. Dazu gehören Optionsscheine, die in Versicherungen, Wertpapiere oder Bankprodukte inkludiert sind, Finanzprodukte, deren Wert sich von Aktien oder Wechselkursen ableitet (Derivate), geschlossene und offene Investmentfonds und Versicherungsprodukte mit Anlagecharakter, wie zum Beispiel kapitalbildende und fondsgebundene Lebensversicherungen und Hybrid-Produkte.

Ersatz für freiwilligen Kodex

„Diese maximal dreiseitige Standardinformation ersetzt die freiwilligen Angaben, zu denen sich die große Mehrheit der Banken in einem Derivate-Kodex verpflichtet hatten“, erklärt Baule. „Der Kodex war bereits ein Fortschritt, weil zuvor die Komplexität der Produkte und die Kostenstruktur für Privatanleger kaum zu durchschauen waren.“ In der PRIIP-Verordnung bietet nun ein Risikoindikator von 1 (wenig) bis 7 (sehr hoch) eine schnelle Orientierung, dazu werden drei Entwicklungsszenarien - positiv, negativ, mittel - vorgerechnet. „Von der Idee her ist das sinnvoll“, urteilt Baule, „nur sind die Produkte so unterschiedlich, dass sie sich schwer auf ein Schema bringen lassen“.

In Kooperation mit der Börse Stuttgart, wo europaweit die meisten Zertifikate gehandelt werden, wollen die Hagener Forscher nun genauer verstehen, woran sich die Anleger orientieren, ob die Info-Regelungen also zielführend sind. Vor allem bei den Preisen und den versteckten Kosten geht es darum, ob Vergleichbarkeit und Transparenz geschaffen und vom potenziellen Anleger verstanden werden. Dazu ist auch eine Internet-Umfrage mit fiktiven Infoblättern gefragt, um die Attraktivität einzuschätzen.

Fast 1000 Euro pro Kopf

Sind Zertifikate denn nach der Finanzkrise überhaupt noch ein nennenswerter Faktor in Deutschland? „Unbedingt“, sagt Rainer Baule. „2007 lag das Volumen bei 140 Milliarden Euro, hat sich dann schnell halbiert, stieg wieder auf 100 Milliarden und liegt jetzt bei 73 Milliarden. Das sind immerhin fast 1000 Euro pro Kopf der Bevölkerung.“ Und die ist ja generell nicht sonderlich investitionsfreudig – oder?

Verbraucherschützer nehmen geschlossene Fonds unter die Lupe Baule seufzt: „Viele wissen nicht, was sie tun. Die Kompetenz im Finanzbereich ist allgemein wenig ausgeprägt.“ Woran das liegt? Eine Frage der Kultur, vermutet der Finanz-Spezialist, und das Debakel um die T-Aktie habe auch nicht geholfen. Vielleicht hülfe ja Wirtschaft als Schulfach, wie es die NRW-Landesregierung jetzt plant? „Ich würde das von meiner Warte aus begrüßen“, sagt Rainer Baule, „aber es gibt natürlich auch andere wichtige Wissensfelder.“

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