Fußball

So feiert der SC Paderborn den Aufstieg in die Bundesliga

Der Paderborner Trainer Steffen Baumgart (Mi.) feiert mit seinen Spielern den Aufstieg des Klubs.

Der Paderborner Trainer Steffen Baumgart (Mi.) feiert mit seinen Spielern den Aufstieg des Klubs.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Paderborn.   Mit mehr als 10.000 Fans feiert der SC Paderborn den Bundesliga-Aufstieg. Wofür sich Sven Michel schont und wessen Zwilling vor der Bühne steht.

Das völlig durchnässte ­T-Shirt klebt Sven Michel am offensichtlich sehr muskulösen Oberkörper, die Jeans ist ebenso „durch“. Und durch Michels Gesicht laufen Tropfen, die entweder vom strömenden Regen kommen – oder von den unzähligen Bierduschen. Diesen Zustand, den viele Menschen als unangenehm empfingen würden, kommentiert Michel knapp mit einem Grinsen um Gesicht: „Mega, das ist einfach unglaublich“, sagt der 29-Jährige, der aus Freudenberg im Siegerland stammt.

Michel ist einer der Leistungsträger des Fußballclubs SC Paderborn 07 – auf und neben dem Platz. Am Sonntag stiegen die Ostwestfalen zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in die Bundesliga auf. Am Montagnachmittag wird aus Paderborn deswegen mal wieder Partyborn. Mit über zehntausend euphorischen Fans feiern Sven Michel, der aus Hagen stammende Christopher Antwi-Adjej und Co. den Sprung in die Erstklassigkeit.

Roter Teppich am Flughafen

Zu spüren bekommen das die Paderborner bereits am frühen Nachmittag. Rund um den Rathausplatz, auf dem eine Bühne aufgebaut ist, Bierwagen und Würstchenbuden stehen, verraten Plakate in einigen Schaufensterscheiben, das Außergewöhnliches ansteht. „Wir feiern mit dem SCP und schließen deshalb um 16 Uhr“, heißt es zum Beispiel. Das ist zwar eine Stunde vor dem offiziellen Start der Festivitäten, aber sicher ist sicher.

Mit ihren blau-schwarzen Fahnen und Schals pilgern die Fans – oft im Trikot – mit ostwestfälischer Gelassenheit vor das Rathaus. Der eine oder andere empfing die Mannschaft bereits am Sonntagabend am Flughafen nach der Rückkehr aus Dresden. Über einen ausgerollten Roten Teppich ging es für Spieler in das Flughafengebäude, wo mehrere Hundert SCP-Anhänger feierten.

„Ich war anschließend gar nicht so lange unterwegs“, erzählt Sven Michel später. Ihm sei es körperlich nicht so gut gegangen und er habe sich die Kraft für die Party vor dem Rathaus aufbewahren wollen – und für die Mannschaftsfahrt nach Mallorca. Andere aus dem Team waren gegen vier Uhr morgens daheim. Und erscheinen trotzdem pünktlich zur Sause mit den Fans.

Der SC Paderborn 07 feiert den Aufstieg

Der SC Paderborn 07 feiert den Aufstieg
Der SC Paderborn 07 feiert den Aufstieg

Die werden vor dem Eintreffen der Mannschaft mit den üblichen Partyliedern unterhalten. Moderator Jürgen Lutter gibt wie gewohnt den Einpeitscher. Das Paderborner Vereinslied, Grönemeyers Hymne „Bochum“ als Dank an den VfL für das 2:2 gegen Union Berlin, welches den direkten Aufstieg erst perfekt machte – immer wieder werden die Schals in die Höhe gereckt.

In der Masse entdecken Fans und Experten ein vertrautes Gesicht. „Ich bin aber nicht Jimmy“, sagt Christian Antwi-Adjej lachend. Er ist der Zwillingsbruder des Paderborner Aufstiegsstars. „Unser zweijährige Neffe fährt heute Abend wieder heim, aber wir geben noch Gas“, sagt Antwi-Adjej grinsend.

Das tun irgendwann alle. Und SCP-Präsident Elmar Volkmann lässt sich anstecken. „Wenn wir als Fahrstuhlmannschaft bezeichnet werden – gerne. Wir steigen ein, aber unser Aufzug fährt nach oben in Richtung Europa League“, ruft er den jubelnden Fans zu. Oder: „Wir sind mit unserem Offensivfußball der nationale und internationale Maßstab.“ In die kommende Saison startet der schmal-budgetierte SC Paderborn 07 trotzdem als Abstiegskandidat Nummer eins.

Eintrag ins Goldene Buch

Später, als sich die Mannschaft ins Goldene Buch der Stadt einträgt und sich auf der Bühne präsentiert, fängt es an zu regnen. Erst etwas, dann immer mehr. Michel und Co. ist das egal. Sie stimmen die üblichen Lieder an – und interpretieren jeden einzelnen Tropfen als Freudenträne des Fußball-Gottes.

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