Kirche

Westfälische Landeskirche hält am Kirchenasyl fest

Ein Ehepaar aus Teheran im Kirchen-Asyl (Archivfoto). In Westfalen bestehen derzeit 24 Kirchenasyle, bundesweit sind es 250 Fälle.

Ein Ehepaar aus Teheran im Kirchen-Asyl (Archivfoto). In Westfalen bestehen derzeit 24 Kirchenasyle, bundesweit sind es 250 Fälle.

Foto: Kerstin Kokoska / Essen

Hamm.  Gemeinden in Westfalen sollen trotz erschwerter rechtlicher Rahmenbedingungen vor Ort weiterhin Schutzsuchenden Asyl bieten.

Die Evangelische Kirche von Westfalen wird auch in Zukunft an der Praxis des Asylrechts festhalten. Das haben die Präses der Landeskirche, Annette Kurschus, und Landeskirchenvizepräsident Ulf Schlüter gemeinsam gegenüber dieser Zeitung bei einem Mediengespräch in Hamm betont. Die beiden obersten Theologen der westfälischen Kirche haben sich damit ausdrücklich gegen die erhobene Kritik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verteidigt.

24 Kirchenasyle in Westfalen

Zur Zeit bestehen in Westfalen 24 Kirchenasyle, bundesweit sind es 250 Fälle. Ulf Schlüter räumt dabei ein, dass die jeweiligen Kirchengemeinden dadurch „vor grundlegende Herausforderungen“ gestellt werden, zumal der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Hans-Eckard Sommer, seinerseits betont hat, dass entsprechende Härtefälle von seiner Behörde inzwischen verlässlich erkannt und berücksichtigt würden.

Schlüter: „Wir als evangelische Kirche halten an unserem Instrument des Kirchenasyls fest, denn wir sind überzeugt davon, dass das jeweilige Individualrecht durch pauschale Urteile ausgehöhlt wird.“ Ausdrücklich ermutigt die Landeskirchenleitung also daher trotz erschwerter rechtlicher Rahmenbedingungen das Kirchenasyl „in begründeten Fällen“ weiterhin vor Ort zu praktizieren.

Pfarrer sollen Alltag mit dem Fahrrad absolvieren

Auch im Hinblick auf die gegenwärtige Klimadebatte wollen die beiden Kirchenoberen deutlich Flagge zeigen. Nach Aussage von Präses Kurschus wird die Landeskirche „alle Bereiche des Handelns in ihren Institutionen jetzt intensiv durchleuchten, um den Schutz von Klima und Ressourcen noch systematischer voranzubringen“.

Ihren Pfarrerinnen und Pfarrern legt die Präses beispielsweise nahe, den jeweiligen Alltag mit dem Fahrrad zu absolvieren und die Gemeinden für das Umweltbewusstsein insgesamt weiter zu sensibilisieren: „Weg vom Autoverkehr, weg vom Flugverkehr, hin zu einem preiswerten öffentlichen Nah- und Fernverkehr, hin zu alternativen Antriebssystemen. Und auch weg von einer ständig wachsenden Wirtschaft, die Ressourcen frisst!“

Lob für „Fridays für Future“

Ganz ausdrücklich lobt Präses Kurschus in diesem Zusammenhang auch die Jugendbewegung „Fridays für Future“: „Wir klopfen den Schülerinnen und Schülern nicht gönnerhaft auf die Schulter, sondern nehmen sie ernst und machen uns ihre Forderungen direkt zu eigen.“

Dieses „Ernstnehmen“ bezieht Präses Annette Kurschus auch auf einen spürbaren Vertrauensverlust innerhalb der Gesellschaft in Bezug auf die sogenannten „Fake News“ in den digitalen Medien. Es gelte, gegen verfälschte Wahrheiten und Wirklichkeiten eindeutig Stellung zu beziehen, ohne jedoch Medien wie Twitter, Facebook oder Instagram insgesamt zu dämonisieren: „Gefährlich wird es aber, wenn sich die gezielt gefälschte Wirklichkeit gegen bestimmte Personen und Gruppen unserer Gesellschaft richtet, wenn menschenverachtende Parolen Hass verbreiten.“ Diese Grundlage habe die AfD verlassen, denn „ihre Verantwortungsträger lassen rechtsradikale Hetzer in ihren Reigen gewähren.“

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