Familientradition

Wie es sich in Südwestfalen mit dem Vornamen Adolf lebt

Filmszene aus „Der Vorname“, in dem sich fünf Freunde um den Vornamen Adolf streiten.

Filmszene aus „Der Vorname“, in dem sich fünf Freunde um den Vornamen Adolf streiten.

Hagen.   Hitler hat diesen Namen in Verruf gebracht. Vier Männer, alle nach 1945 geboren, erzählen, warum sie Adolf heißen – und wie sie damit klarkommen.

Darf man seinen Sohn eigentlich Adolf nennen? Im Film „Der Vorname“, der derzeit recht erfolgreich in den Kinos läuft, führt diese Wahl eines jungen Paares zu heftigem Streit mit Freunden. Wie es sich in der Realität mit dem Namen lebt, den Hitler in Verruf gebracht hat, schildern vier Männer aus der Region. Alle nach 1945 geboren.

Der Schausteller

Er hätte eigentlich das Drehbuch zum Film schreiben können. Als sein Sohn vor 14 Jahren zur Welt kam und der Arzt fragte, wie der Kleine denn heißen solle, da sagte Adolf Hirsch: „Adolf.“ Das könne er doch nicht machen, empörte sich der Mediziner. Das sei ein schöner alter deutscher Name, „den haben wir nicht oft“, konterte die Hebamme.

In der Dortmunder Schausteller-Familie Hirsch, seit Generationen auf den Kirmessen in Südwestfalen unterwegs, hat der Name Tradition. Der Opa, Jahrgang 1933, hieß Adolf. Der Vater, 1953 in Werl zur Welt gekommen, ebenfalls. Der Sohn, heute 38 Jahre alt, Geburtsort Schwerte, auch. Und nun der Enkel. Genannt aber werden sie alle „Dölfi“. Ein politisches Bekenntnis sei der Name gewiss nicht, sagt der 38-jährige Adolf Hirsch. „Der Name wird seit Generationen weitergegeben.“ Früher in der Schule sei er zwar manchmal gehänselt worden, es habe auch Raufereien gegeben. Aber mittlerweile lebt er gut damit: „Meinen Namen vergisst jedenfalls keiner“, sagt er und lacht.

Der Arzt

Es war eine Hausgeburt und das erste Kind. Vielleicht erklärt das die Verwirrung des Vaters. Jedenfalls ist ihm, als er ins Rathaus kam, um den Jungen anzumelden, nicht mehr eingefallen, auf welchen Namen er sich mit seiner Frau geeinigt hatte. Also nannte er einfach seinen eigenen Namen. So jedenfalls haben die Eltern Adolf Zeller, Jahrgang 1951, erklärt, wie er zu seinem Vornamen gekommen ist. „Eine unfreiwillige Tradition“, sagt der ehemalige Chefarzt der Psychosomatik am Katholischen Krankenhaus in Hagen. Der Vater, der noch in den letzten Kriegstagen eingezogen worden war, habe jedenfalls gewiss nicht aus politischer Überzeugung gehandelt. Während andere den Namen meist hinnahmen, als sei er so normal wie Andreas, habe er selbst ein Problem damit gehabt, so Zeller. „Eher habe ich mich geschämt.“ Seinen Frieden habe er bis heute nicht recht damit gemacht.

Der Industriekaufmann

Der Vater wurde vertrieben, musste seine Heimat im Sudetendeutschland verlassen. Er hätte also guten Grund gehabt, aus Verbitterung über den Nationalsozialismus einen anderen Namen zu wählen. Aber weil schon der Ur-Opa so hieß, der Großvater und der Papa, wurde auch Adolf Drexler 1952 auf den Namen getauft. Damit verbindet er bis heute vor allem die Erinnerung an den Vater und den Opa, auf die er stolz sei, sagt er. Schwierigkeiten habe er mit seinem Namen nie gehabt. Nur seine Frau habe ihn anfangs in den 70er Jahren in der Öffentlichkeit lieber bei einem Kosenamen gerufen. Und als der Sohn zur Welt kam, da hat das Paar mit der alten Tradition gebrochen – und den Jungen Daniel genannt.

Der Malermeister

Er ist am 7. Februar 1954 zur Welt gekommen – auf den Tag 28 Jahre nach dem eigenen Vater, Jahrgang 1926. Gleicher Tag – gleicher Name. Auch der Siegener Malermeister Adolf Soose führt also die Familientradition weiter. Politisch stehe er jedenfalls nicht rechts, betont er, und erzählt vom Urgroßvater, der im Ort die SPD mitbegründet habe. Nur einmal gab es Ärger wegen des Namens: Der Malermeister hat vier Kinder. Als das letzte unterwegs war, überlegten die Eltern, es Paul Adolf zu nennen, falls es ein Junge werden sollte. Das aber nahm damals der ältere Bruder Sebastian Vater und Mutter übel, „weil er den Namen vom Papa doch so gern gehabt hätte“, sagt Adolf Soose – und lacht. Das Jüngste ist übrigens ein Mädchen geworden – und heißt nicht Adolfine.

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