Badeunfall

Respektlose Badegäste am Biggesee: DLRG fordert ein Umdenken

Bis die Retter die Badestelle am Biggesee unterhalb des Schnütgenhofes in Attendorn erreicht hatten, mussten sie sich ihren Weg zwischen geparkten Autos und durch teilnahmslose Badegäste bahnen. 

Bis die Retter die Badestelle am Biggesee unterhalb des Schnütgenhofes in Attendorn erreicht hatten, mussten sie sich ihren Weg zwischen geparkten Autos und durch teilnahmslose Badegäste bahnen. 

Foto: Josef SchmidT

Attendorn/Hagen.  Ein Mensch ertrinkt im Biggesee. Die Badegäste stehen im Weg oder schauen nur zu. Retter kritisieren das gleichgültige Verhalten der Mitmenschen.

Dramatische Szenen spielen sich am und auf dem Biggesee ab: Ein Schwimmer ist an einer Badestelle plötzlich untergegangen, taucht nicht wieder auf. Feuerwehr und Wasserretter der DLRG sind schnell vor Ort, beginnen mit der Suche, bei der jede Minute zählt. Sie können den Mann – einen 38-Jährigen aus Polen – allerdings nur noch tot bergen. Unweit des Ufers, aber schon in acht Metern Wassertiefe, finden sie mit Hilfe von Sonargeräten schließlich den leblosen Körper.

Für Aufregung sorgt aber auch, was den Rettern am und auf dem Wasser bis dahin passiert ist. „Der Respekt gegenüber den Rettern und das Verhalten der Leute bei einem Unfall war früher anders“, sagt Kreisbrandmeister Christoph Lütticke auch mit einem Tag Abstand zu dem dramatischen Vorfall. Mehr als 35 Jahre ist Lütticke aktiv in der Feuerwehr; ein Zeitraum, der für einen Vergleich trägt. Seine Beobachtung am Biggesee: Die Badegäste stören sich überhaupt nicht daran, dass gerade ein Mensch um sein Leben kämpft, das Retter gerade den Wettlauf mit der Zeit aufgenommen haben. Es scheint ihnen – egal zu sein.

Stehpaddler will durch die Sperrzone

Ein Verhalten, das Lütticke als „befremdlich“ und „störend“ beschreibt. Feuerwehr und DLRG müssen sich den Weg durch die Menschenmassen über den Liegeplatz bahnen. Wer am Wasser steht, hilft nicht mit, macht aber auch keinen Platz, sondern geht eher einen Schritt nach vorne, um alles besser beobachten zu können. Im Wasser plantschen die Badegäste einfach weiter.

Ein Stehpaddler, der sich auf seinem Brett der gesperrten Einsatzzone auf dem Wasser nähert, fällt besonders negativ auf: „Lassen Sie mich durch, ich will auf die andere Seite!“ So schildert Thorsten David vom DLRG-Bezirk Süd-Sauerland das rücksichtslose Verhalten des Freizeitsportlers. Die DLRG muss mit Nachdruck auf die Sperrung hinweisen, weil sie mit ihren Booten den Vermissten sucht.

Ob Schaulustige ihre Smartphones gezückt haben, um zu filmen? Thorsten David weiß es nicht. „Dafür hatte ich keinen Blick. Ich habe mich voll auf den Rettungseinsatz konzentriert“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Kaum ein Durchkommen für die Rettungskräfte“

Was ihm allerdings aufgefallen ist, schon bei der Anfahrt: Bereits beim Parken fehlt die Einsicht, Rücksicht zu nehmen. „Die Straßenränder waren zugeparkt. Die Einsatzfahrzeuge haben dann auf der Straße gestanden, weswegen die gesperrt werden musste“, schildert Thorsten David. Zwar sei immerhin in der Zufahrt zur Badestelle Platz gelassen worden – aber „nur für Pkw. Einsatzfahrzeuge von Rettungsdienst, Feuerwehr und DLRG sind aber breiter“.

Die Eindrücke, die DLRG-Mann David gewonnen hat, bestätigt Kreisbrandmeister Lütticke: „Es war kaum ein Durchkommen für die Rettungskräfte“.

Menschliche Mauer zur Abschirmung

Als der leblose Körper des Mannes aus dem Wasser geborgen wird, bilden die Feuerwehrleute „einen Kreis, um die Stelle abzuschirmen und halten Tücher hoch“, beschreibt Einsatzleiter Lütticke. Ob durch die Polizei Platzverweise an Schaulustige erteilt worden sind, konnte die Leitstelle in Olpe gestern noch nicht sagen. „Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft“, fordert Thorsten David mit Nachdruck: mehr Rücksicht, weniger Egoismus.

„Du kriegst mich sowieso nicht“

Fehlende Rücksichtnahme hat auch das Waldfreibad Leitmecke in Menden unlängst festgestellt. Neulich seien Jugendliche mit einem kleinen Scooter durch die Leitmecke gebrettert und hätten nach dem Hinweis, dass im Badgelände nicht mit dem Scooter gefahren werden darf, nur gerufen: „Du kriegst mich sowieso nicht.“

Unruhen oder Auseinandersetzungen wie zuletzt in Dortmund oder in Düsseldorf gibt es im Hochsauerland nicht. Weniger Respekt und fordernde Gäste beobachten jedoch auch die Schwimmmeister dort.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben