Ausbildung

Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge im Handwerk gestiegen

Die Digitalisierung hat Einzug in die Kfz-Werkstätten gehalten; die Anforderungen an Azubis sind gestiegen. Die Handwerkskammer sieht hierin einen Grund, warum aktuell noch viele Lehrstellen unbesetzt sind.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Die Digitalisierung hat Einzug in die Kfz-Werkstätten gehalten; die Anforderungen an Azubis sind gestiegen. Die Handwerkskammer sieht hierin einen Grund, warum aktuell noch viele Lehrstellen unbesetzt sind. Foto: MATTHIAS GRABEN

Hagen.   Gegenüber dem Vorjahr sieht die Ausbildungsbilanz im Handwerk gut aus. Trotz rückläufiger Schülerzahlen konnten mehr Lehrstellen besetzt werden.

Die Handwerkskammern Dortmund und Südwestfalen verzeichnen in diesem Jahr deutliche Zuwächse bei den Ausbildungsverträgen, dennoch sind noch Hunderte Lehrstellen unbesetzt.

„Ich denke, wir müssen uns alle bemühen und unsere Berufe bekannter machen“, sagt Willy Hesse, Präsident der Kammer Südwestfalen. Nur so könnten rückläufige Schulabgängerzahlen in Zukunft kompensiert werden.

Das flächendeckend angelegte Orientierungsprogramm des Landes („Kein Abschluss ohne Anschluss“) hält Hesse offenbar nicht für den Stein der Weisen, obwohl es Praktikums- und Berufsfelderkundungsphasen vorsieht.

„Am besten nehmen die Unternehmer persönlich Kontakt auf zu den Schulen vor Ort. Ich denke, das ist der einzig richtige Weg“, so der Handwerkskammer-Präsident, der aus eigener Erfahrung seines Dachdeckerbetriebes spricht.

Die Betriebe sollten mehr Praktikumsplätze und auch Ferienjobmöglichkeiten anbieten als in der Vergangenheit, damit die jungen Leute sich selbst ein Bild vom Beruf machen könnten.

Insbesondere im Bau- und Lebensmittelhandwerk, also in Fleischereien und Bäckereien, sei es schwierig, Nachwuchs zu finden.

Ansprüche an Azubis gestiegen

Im Kammerbezirk Dortmund sind aktuell noch über 500 Lehrstellen unbesetzt, in Südwestfalen sogar noch ein paar mehr, wie ein Blick in die Lehrstellenbörsen im Internet zeigt - auch in vermeintlichen Traumberufen wie Kfz-Mechatroniker.

Es ist nach wie vor der Top 1 Ausbildungswunsch bei Jungs, dennoch sind allein in Südwestfalen noch über 50 Stellen unbesetzt. „Dies liegt auch daran, dass nicht alle Bewerber die nötigen Qualifikationen mitbringen. Das Berufsbild hat sich stark verändert“, erklärt Kammersprecher Markus Kluft. Neue Technik, etwa durch E-Mobilität und immer mehr Elektronik spielen hier eine große Rolle.

Um elf Prozent ist die Zahl der Lehrverträge in Südwestfalen gegenüber dem Vorjahr gestiegen (aktueller Stand), dennoch sieht die Kammer Probleme auf die Betriebe zukommen. Die Auswahl an jungen Leuten werde bei weniger Schulabgängern nicht besser. „Der Kampf um die Köpfe ist zwischen den Unternehmen entbrannt“, so Kluft.

Im Kfz-Handwerk gebe es rund 900 Betriebe im Kammerbezirk Südwestfalen. Dies entspräche etwa eintausend Lehrstellen. Verstärkt wird vom Handwerk auch um diejenigen geworben, die mit einem Studium liebäugeln. „Wer eine Lehre gemacht hat, kann immer noch studieren, wenn er es möchte. Da ist kein Weg verbaut, ich meine, es hätte Vorteile zuerst Berufserfahrung zu sammeln“, weißt Kammerpräsident Hesse auf die Durchlässigkeit hin.

Auch Studienabbrecher gefragt

Auch die Gruppe der Studienabbrecher sei interessant. Hier will die Kammer Südwestfalen die jungen Leute ermuntern, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. „Wer das Studium schmeißt, hat nur den falschen Weg gewählt. Es ist kein Scheitern“, ermuntert Kluft dazu, sich in eine duale Berufsausbildung zu begeben.

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