Zukunftsmesse

Zukunftsmesse: Schneller Anschluss für Kleinstädte

In Arnsberg diskutieren rund 80 Bürgermeister über die Zukunft der Kleinstädte und Gemeinden in Westfalen.

In Arnsberg diskutieren rund 80 Bürgermeister über die Zukunft der Kleinstädte und Gemeinden in Westfalen.

Foto: Silas Stein / dpa

Arnsberg.  Rund 80 Bürgermeister diskutieren auf der ersten „Zukunftsmesse“ in Arnsberg über Digitalisierung. Start-up-Unternehmen helfen dabei.

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Raus aus der Steinzeit, rein in die digitale Welt. Modern, flexibel und vor allem schnell sollte sie sein – die Kleinstadt oder Gemeinde von heute. Das finden nicht nur Bürger, sondern auch die rund 80 Teilnehmer, unter ihnen zahlreiche Bürgermeister, der ersten „Zukunftsmesse Kleinstädte“, die gestern im Arnsberger Kaiserhaus stattgefunden hat. Die drei Regierungsbezirke Arnsberg, Münster und Detmold haben dazu eingeladen, gemeinsam über die digitale Zukunft und den demografischen Wandel zu diskutieren. Denn gerade Kleinstädte und Gemeinden stehen vor einer großen Herausforderung. „Digitalisierung ist eine Pflichtaufgabe“, sagt Hans-Josef Vogel, Präsident der Bezirksregierung Arnsberg.

Der Experte

Dass der demografische Wandel und die digitale Zukunft eng miteinander verknüpft sind, weiß auch Nils Hoffmann von der Bezirksregierung Arnsberg. Er ist Fachmann für Digitales. „Das Durchschnittsalter in den Behörden wird immer höher. Das heißt: In naher Zukunft werden immer mehr Mitarbeiter in den Ruhestand gehen.“ Dadurch falle Personal weg. Personal, das sich bislang um die Daten und Anliegen der Bürger gekümmert hat.

Die Digitalisierung könnte dabei helfen, die Prozesse nicht nur für den Bürger der Kommune zu vereinfachen, sondern auch für die Mitarbeiter. „Der nächste Schritt ist die digitale Identität. Es gibt bereits spezielle Verwaltungsdienste, bei denen Daten digital abgerufen werden können, um die Kommunikation innerhalb der Behörden zu vereinfachen. Im Bereich der Migration ist das bereits möglich“, so Hoffmann.

Digitalisierung sei kein Projekt, das man bald abschließe, sondern ein Prozess. „Fast jede Kommune ist mittlerweile digital erreichbar. Einige arbeiten sogar bereits mit Whats-App. Aber im Vergleich zu anderen Ländern in Europa hat Deutschland noch einiges aufzuholen in diesem Bereich.“

Der Bürgermeister

Schnelle und moderne Lösungen – das sei es, was sich die Bürger unter anderem von ihren Verwaltungen wünschten. Mit diesem Anliegen haben sich die Start-up-Unternehmen im Vorfeld auseinandergesetzt und ihre Ideen vor den kommunalen Vertretern präsentiert. Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche ist begeistert: „Wir haben uns bereits im Vorfeld mit dem demografischen Wandel auseinandergesetzt. Das Interessante auf der Zukunftsmesse war aber, dass wir uns in den Workshops bereits mit den Start-ups zusammengesetzt haben. Einige haben sich speziell auf kleinere Städte und Gemeinden spezialisiert.“ Einen konkreten Plan könne er noch nicht nennen, aber er habe sich einige Visitenkarten mitgenommen. „Das Tolle an kleinen Start-ups ist, dass sie sich die Zeit für uns kleinen Kommunen nehmen und wir gemeinsam an einer für uns maßgeschneiderten Lösungsstrategie arbeiten können, wie wir mit dem demografischen Wandel in Medebach am besten umgehen.“

Das Start-up-Unternehmen

Ein Unternehmen, das sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat, ist TechTinyHouse. „Da Tiny Houses gerade für jüngere Leute besonders attraktiv sind, können diese Häuser gezielt Jüngere anziehen. Für den ländlichen Raum kann das Teil einer Strategie sein, einer zunehmenden Überalterung und Abwanderung etwas entgegenzusetzen“, sagt Mitgründer Brendan Thome. Aber auch aus planerischer Sicht seien die kleinen Häuser für Kommunen interessant. „Sie bieten erschwinglichen Wohnraum, ohne Beeinträchtigung des Grundstücks.“

Andere Start-ups bieten den Kommunen eine Vereinfachung der Datenanalyse an. Polyteia beispielsweise soll den Behörden-Mitarbeitern dabei helfen, Daten aus verschiedenen Verfahren digital aufzubereiten und zu jeder Zeit zur Verfügung zu stellen. „Es ist eine Steuerungsplattform für Entscheider in Städten, Gemeinden und Kreisen“, heißt es.

Schnell und flexibel – bis dies in allen Bereichen reibungslos funktioniere, brauche es aber Zeit, so Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. „Digitalisierung ist wie alternative Energie: Jeder möchte es, doch niemand möchte das Windrad bei sich stehen haben.“ Es werde immer jemanden geben, der Angst vor den Veränderungen habe. Gerade daher sei eine Messe wie die in Arnsberg für die Kleinstädte und Gemeinden so wichtig. Damit auch sie neben den Großstädten in der digitalen Zukunft bestehen können.

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