Innovationspreis

Innovationspreis Sauerland für Altenheim und „Gebäude-Navi“

In der Warsteiner Brauerei wurde der von der Unternehmer-Vereinigung "Sauerland Initiativ" ausgelobte "Innovationspreises Sauerland 2018" verliehen. Im Bild (von links): Christian Gieselmann (Warsteiner Brauerei), Gustav Edelhoff, Peter Sieger (beide Sauerland Initiativ), Helga Piepho, Birgit Quaas, Ingrid Schendel, David Löher, Steffen Heuel und Jurorin Karin Schulze.

In der Warsteiner Brauerei wurde der von der Unternehmer-Vereinigung "Sauerland Initiativ" ausgelobte "Innovationspreises Sauerland 2018" verliehen. Im Bild (von links): Christian Gieselmann (Warsteiner Brauerei), Gustav Edelhoff, Peter Sieger (beide Sauerland Initiativ), Helga Piepho, Birgit Quaas, Ingrid Schendel, David Löher, Steffen Heuel und Jurorin Karin Schulze.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Warstein/Bad Fredeburg/Lennestadt.  Die Gewinner des „Innovationspreis Sauerland“ wollen die Arbeitswelt von morgen ein bisschen leichter machen – darunter ist auch ein Pflegeheim.

Zum 14. Mal hat die Unternehmervereinigung Sauerland Initiativ am Dienstagabend ihren Innovationspreis Sauerland vergeben, und zum ersten Mal ging der Preis an einen bereits früher Ausgezeichneten.

Das könnte bedeuten, dass es doch gar nicht so viele kreative Köpfe im Sauerland gibt wie oft vermutet. Oder es kann bedeuten, dass das Leitungsteam vom Bad Fredeburger Pflegezentrum „Haus Monika“ ganz besonders viele innovative Ideen hat. Und natürlich ist Letzteres der Fall.

Zukunftsorientierte Arbeitswelten

Geschäftsführer Matthias Frevel und sein Team haben bewiesen, dass es bei Innovationen nicht immer nur um Digitalisierung und technische Lösungen gehen muss. Sowieso nicht, wenn es um „zukunftsorientierte Arbeitswelten“ geht, die diesmal Thema der Ausschreibung waren. Denn dort stehen die Menschen im Zentrum. Nur gibt es von denen im Pflegebereich zu wenige.

Deshalb hat Matthias Frevel selbst die Initiative ergriffen, ist nach Casablanca in Marokko gereist und hat dort mit Unterstützung des Goethe-Instituts ein Netzwerk aufgebaut, zu dem auch eine Sprach- und Pflegeschule gehört. Und in Bad Fredeburg entstand ein eigenes Wohngebäude für die marokkanischen Pflegekräfte.

Für ein „bemerkenswertes, ganzheitliches Unternehmens- und Betreuungskonzept“, wie Sauerland-Initiativ-Geschäftsführer Peter Sieger sagte, gab es deshalb den Innovationspreis. Genauer gesagt: den größeren Teil. 7000 der zur Verfügung stehenden 10.000 Euro.

Anerkennungsverfahren dauert lange

In Vertretung des verhinderten Geschäftsführers Frevel bedankte sich Pflegedienstleiterin Birgit Quaas, die seit mehr als 27 Jahren im Haus ist. Sie verwies darauf, dass Pflege und Innovation zusammengehörten, dass neue Wege notwendig seien und dass noch zehn Menschen in Marokko darauf warteten, nach Bad Fredeburg zu kommen – „aber das Anerkennungsverfahren dauert so lange“.

Im „Haus Monika“ habe man sich aneinander gewöhnen müssen, berichtete Birgit Quaas; es seien schon verschiedene Kulturen. Inzwischen aber funktioniere die Zusammenarbeit hervorragend. Und gute Arbeitsbedingungen seien eine wichtige Voraussetzung für die Lebensqualität der Bewohner.

Zeit fürs Suchen einsparen

Aus einem völlig anderen Wirtschaftssegment kommt der zweite Preisträger, dem 3000 Euro zugesprochen wurden. Die Heuel und Löher GmbH aus Lennestadt hat mit ihrem „Localino“ ein innovatives Mess-System für die effiziente Prozessgestaltung in Industrie und Handel entwickelt.

Steffel Heuel zog trotzdem die Verbindung zur Pflege und zum Personalnotstand: „Es gibt in Deutschland derzeit 1,6 Millionen Pflegekräfte. Und 25 Prozent ihre Arbeitszeit sucht eine Krankenschwester – nach dem Arzt, dem Patienten, dem Bett, Medikamenten oder Hilfsmitteln. Wenn sie diese Zeit einsparen könnte, wirkt das wie 400.000 zusätzliche Stellen.“

Erfinder wollen Wege kürzer machen

Um diese Rechnung zu verstehen, sollte man wahrscheinlich wissen, was Localino denn eigentlich ist. David Löher versucht eine Erklärung: „Wir haben das GPS-System, das nicht innerhalb von Gebäuden funktioniert, auf Innenräume übertragen.“ Das junge Unternehmen hat die Basis für ein Indoor-Lokalisierungssystem entwickelt, mit dem sich Fahrzeuge und Personen in Gebäuden navigieren lassen, mit dem Wege aufgezeichnet werden können, Routen optimiert und Daten gesammelt. Die Wege von Personen und Daten lassen sich nachvollziehen.

„Das Interesse der Industrie ist da“, berichtet Heuel, aber Pflege, Gesundheit und Wissenschaft seien auch interessante Anwendungsgebiete.

Die beiden Gründer kennen sich seit 25 Jahren. Sie sind nicht nur von ihrem Produkt, sondern auch vom Standort überzeugt: „Südwestfalen ist eine der innovativsten Industrieregionen Deutschlands.“ Allerdings dürfe es nicht sein, dass man darum bangen müsse, eine funktions- und leistungsfähige Internetverbindung zu bekommen.

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