Corona-Pandemie

Niederlande heben strenge Einreise-Regeln auf – was nun gilt

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Corona-Inzidenz nur noch knapp über 20

Corona-Inzidenz nur noch knapp über 20

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist weiter leicht gesunken und liegt nun bei 20,8 Fällen pro 100.000 Einwohner. Vor einer Woche lag sie noch bei 36,8.

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Den Haag.  Ab Donnerstag gilt Deutschland für die Niederlande nicht mehr als Corona-Hochrisikogebiet. Für Urlauber ändern sich die Regeln bei der Einreise.

Die Niederlande erleichtern ihre Einreisebeschränkungen für Deutschland deutlich: Wer sich länger als 12 Stunden im Nachbarland aufhält, brauchte beim Grenzübertritt bisher einen negativen PCR-Testnachweis – ab Donnerstag gilt diese Regelung nicht mehr.

Wie das niederländische Außenministerium am Mittwochmorgen auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt, bekommt Deutschland am Donnerstag die Warnstufe „code geel“ (Code Gelb) - und wird damit offiziell vom „hoogrisicogebied“ (Hochrisikogebiet) zum „risicogebied“ (Risikogebiet) heruntergestuft.

Deutschland: Vom Hochrisikogebiet zum Risikogebiet

Die Rückstufung Deutschlands hat zur Folge, dass ein Test vor Einreise ins Nachbarland nicht mehr nötig ist. Zudem ist auch die dringende Empfehlung der Regierung, sich für zehn Tage in Selbstquarantäne zu begeben, für Länder mit dem „code geel“ hinfällig.

In Deutschland umgekehrt gelten die Niederlande vorerst weiter als Corona-Risikogebiet. Wer nach mehr als 24 Stunden Aufenthalt in den Niederlanden nach NRW einreist, muss sich deshalb über das Einreiseportal der Bundesregierung anmelden (externer Link), einen negativen Test, Impfung oder Genesung nachweisen oder in eine zehntägige Quarantäne gehen. Für Berufspendler, Durchreisende oder Verwandtschaftsbesuche gelten Ausnahmen.

Gelockerte Einreise: Freude in Zeeland und Texel

Nur noch bis einschließlich dem heutigen Mittwoch gilt für Deutschland der sogenannte „code oranje“ (Code orange), eine Warnstufe für Länder mit erhöhtem Corona-Infektionsrisiko. Das niederländische Gesundheitsministerium definiert diese „hoogrisicogebieden“ als Länder oder Regionen, in denen die 14-Tage-Inzidenz über 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt. Zudem, so ein Ministeriumssprecher, werde auch auf andere Faktoren geschaut – etwa, wie oft in dem betreffenden Land getestet werde.

In Deutschland ist die 14-Tage-Inzidenz weniger geläufig – vom Robert-Koch-Institut wird der Wert immer nur für eine Woche angegeben. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag (7. Juni) deutschlandweit bei 24. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, einer EU-Behörde, lag die 14-Tage-Inzidenz für Deutschland bereits am 3. Juni nur noch bei 98,93. Also schon deutlich unter dem von den Niederlanden definierten Grenzwert für die Einstufung als Hochrisikogebiet – seitdem sollte der Wert weiter gesunken sein.

Corona in den Niederlanden: Weitere Informationen

Bereits jetzt werden von den Niederlanden beispielsweise Portugal und Ungarn mit dem „code geel“ bewertet. Dort lag die 14-Tage-Inzidenz laut Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten zuletzt bei 65,19 und 61,06. Polen, mit einer 14-Tage-Inzidenz von rund 45 und damit deutlich unter dem deutschen Wert, trägt unterdessen noch den „code oranje“ (Stand 7. Juni).

Auch in den Niederlanden entspannt sich die Corona-Lage. Zur Zeit kommen auf 100 000 Einwohner etwa 83 Neuinfektionen in sieben Tagen. Mehr als die Hälfte aller Einwohner hat inzwischen mindestens eine Impfdosis bekommen.

Das sagt die niederländische Tourismusbranche:

Nicht nur Gäste aus Deutschland sind erleichtert darüber, dass die Reisebeschränkungen in die Niederlande am Donnerstag aufgehoben werden. Auch die Tourismusbranche vor Ort freut sich auf „die Deutschen“, wie Ruurt van der Wel sagt. Der Regionalmanager des niederländischen Branchenverbands Hiswa-Recron ist für „Wir haben schon sehr lange darauf gewartet, dass Deutschland endlich den Code Gelb bekommt.“

„Wir vermissen die deutschen Gäste, sie sorgen für eine besondere Atmosphäre in Zeeland“, sagt van der Wel. Er bemerke bereits die ersten Auswirkungen der Rückstufung. Seit kurzem gebe es kaum Stornierungen mehr, ab dem Wochenende erwarte er wieder mehr deutsche Gäste in Zeeland. „Es geht in die richtige Richtung.“

Auch für das Fremdenverkehrsamt VVV Texel sind die Neuigkeiten eine große Erleichterung, wie Geschäftsführer Frank Spooren bestätigt. „Das sind natürlich fantastische Nachrichten für den niederländischen Tourismus und damit auch für Texel.“

„Obwohl Texel im vergangenen Jahr von niederländischen Gästen wiederentdeckt wurde, sind deutsche Gäste traditionell eine wichtige Zielgruppe“, so Spooren. Bereits am Dienstag habe Texel wieder mehr Buchungen aus Deutschland verzeichnet. Schon seit vergangener Woche habe es die vorsichtige Tendenz gegeben, dass wieder mehr Gäste aus Deutschland anreisten.

NRW-Europaminister Holthoff-Pförtner mahnt zur Vorsicht

Unterdessen kommt seitens der NRW-Staatskanzlei weiterhin der Aufruf zur Vorsicht. „Ich bin froh, dass die Niederlande die Risikoeinstufung Deutschlands der erfreulichen Entwicklung der aktuellen Corona-Lage anpassen. Denn die geforderten PCR-Tests waren für die Bürgerinnen und Bürger aufwendig und kostspielig“, so NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner. „Das Grenzgebiet kehrt Schritt für Schritt zur Normalität zurück. Noch aber müssen wir weiter vorsichtig sein, damit wir die Pandemie schnell und sicher hinter uns lassen.“

Diese Coronaregeln gelten in den Niederlanden:

Wichtig ist: Zwar entfällt für Einreisende aus Deutschland ab Donnerstag die PCR-Testpflicht. Dennoch gelten auch für sie weiterhin in den Niederlanden.

Öffentlichkeit:

Menschen dürfen sich pro Tag mit maximal drei anderen Personen außerhalb des eigenen Haushalts treffen. Die Gruppengröße in der Öffentlichkeit ist auf vier Personen beschränkt, auch wenn die aus einem Haushalt kommen. Es ist ein Abstand von 1,5 Metern an allen öffentlichen Plätzen einzuhalten. Es gilt eine Maskenpflicht ab 13 Jahren in öffentlich zugänglichen Innenräumen, im öffentlichen Personennahverkehr, auf Fähren sowie am Flughafen. Eine Mundschutzpflicht gilt ebenso für Menschen unterschiedlicher Haushalte, die zusammen in einem Auto unterwegs sind.

Gastronomie, Kultur und Freizeit:

Geschäfte und Freizeiteinrichtungen sind geöffnet. Auch die Gastronomie darf seit dem 5. Juni wieder zwischen 6 und 22 Uhr unter bestimmten Sicherheitsregeln öffnen. An den Tischen können nur vier Personen aus unterschiedlichen Haushalten Platz nehmen. Für Angehörige eines Haushalts gilt diese Beschränkung nicht.

Auch Kinder unter 12 Jahren werden nicht mitgezählt. Zudem ist eine Reservierung verpflichtend. Am Eingang wird eine Gesundheitsabfrage durchgeführt. Freizeit- und Kultureinrichtungen wie Museen, Theater oder Kinos können ebenfalls unter bestimmten Bedingungen wie Sitzplatzreservierungen, Mundschutzpflicht, Gesundheitsabfrage oder Abstandsregeln öffnen.

Ferienunterkünfte:

In den Niederlanden besteht kein Tourismusverbot. Hotels, Campingplätze und andere Unterkunftsarten sind geöffnet. Die Nutzung sanitärer Anlagen auf Campingplätzen ist ebenso wie die Nutzung von Außenschwimmbädern und Spielplätzen gestattet.

In den Ferienunterkünften dürfen aktuell nur Mitglieder eines Haushaltes zusammen wohnen oder maximal vier Erwachsene, die aus unterschiedlichen Haushalten stammen. Kinder bis 12 Jahren werden nicht mitgezählt. Es können laut Regierung maximal vier Gäste pro Tag in der Ferienunterkunft empfangen werden.

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