Buchhandel

Thalia & Mayersche: Wie die Fusion den Buchhandel verändert

Thalia und Mayersche gehen in Zukunft gemeinsame Wege.

Thalia und Mayersche gehen in Zukunft gemeinsame Wege.

Foto: Lars Heidrich

An Rhein und Ruhr.   Die Buchhandelsketten Thalia und Mayersche schließen sich zusammen. Welche Auswirkungen wird die Rekordfusion auf den Buchhandel in NRW haben?

Das Baedekerhaus in Essen ist so etwas wie die erste Adresse, will man sich den Wandel im Buchhandel anschauen. Hier gründete Gottschalk Dietrich Baedeker 1817 seine Buchhandlung – und gut 165 Jahre sollte das so bleiben. 1983 wurde die Buchhandlung zum ersten Mal verkauft, 2001 zum zweiten Mal. Und 2007 wechselte der Eigentümer noch einmal – damals übernahm (sich) Thalia, der das Haus bald zu groß wurde.

Unruhig sind die Zeiten also schon länger. Die Leser schwinden, der Online-Handel nimmt zu. Die Antwort der Branche lautete: Wachsen! Filialen eröffnen um fast jeden Preis, kleinere Häuser übernehmen. Mit vielen Standorten dem Online-Handel Paroli bieten, war Devise der großen Sortimentsbuchhandlungen.

Mit Thalia, einst in Hamburg gegründet, zwischendurch unter die Investoren geraten und jetzt von diversen Stiftungen und Familien rund um den Herder-Verlag getragen, und der familiengeführten Mayerschen Buchhandlung, ebenfalls aus der Baedeker-Generation, tun sich jetzt zwei Riesen zusammen.

Was das für Einzelkämpfer langfristig bedeuten wird, ist offen. Auch Uta Vardar aus Düsseldorf weiß noch nicht, welche Auswirkungen die Fusion auf ihre Buchhandlung hat. Denn die sowieso schon große Konkurrenz ist eben noch ein großes Stück gewachsen. „Wogegen sollen wir ankämpfen?“, fragt sie im Gespräch mit der NRZ. Sicher, die großen Ketten müssten auch gegen die Internet-Riesen wie Amazon kämpfen, so sei das halt. Und sie eben gegen andere Konkurrenz.

„Die Zeit werden wir alle nicht anhalten können“, sagt Vardar. Ihre Buchhandlung stellt sie daher individuell auf. „Wir arbeiten uns nicht nur an Bestseller-Listen ab.“ Der Kunde bleibt ihr König – und die kleinen Buchhandlungen versuchen, auch kleinere Verlage in ihre Regale zu nehmen. Bücher anzubieten, die man nicht gesucht, aber gefunden hat, ist die große Kunst der kleinen Buchhandlung.

Größere Buchhandlungen dominieren

Doch in NRW dominieren größere Buchhandlungen. 21,5 Prozent der deutsche Buchhandlungen stehen hier – und machen über 40 Prozent des Umsatzes. Nicht, weil die Menschen hier mehr lesen, sondern weil große Ketten hier ihren Sitz haben. Doch die suchen ihr Heil nicht mehr in immer größeren Häusern.

Auch das zeigt das Baedeker-Haus: 2007 gab Thalia nach 190 Jahren den Standort auf – ein Einschnitt, wie ihn jüngst Düsseldorf mit dem Ende des Stern-Verlags erlebte. 2003 hatte in Essen die Mayersche einen Megabuchstore aufgemacht, direkt um die Ecke. Der war bald auch zu groß, wurde mit Spielwaren und Stofftieren aufgefüllt – und 2018 aufgegeben.

Immerhin: Die Mayersche ging hin, wo Baedeker war – auf deutlich kleinerer Fläche. Der Trend ist in Innenstädten und Einkaufszentren erkennbar: Buchhandlungen schrumpfen – in der Größe, in der Zahl, beim Umsatz. Und immer häufiger, was die Zahl der präsentierten Verlage angeht. Kleinere Verlage orientieren sich häufiger Richtung Onlinehandel.

Amazon ist kaum brutaler im Preiskampf als große Handelsketten. Neue Seiten im Buchhandel: Das Buch findet seinen Leser immer häufiger ohne Laden. Doch wie finden wir unsere Städte ohne Buchhandlung?

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