Zugkollision

Spezialkran birgt Züge nach Unfall bei Meerbusch

Ein Spezialkran musste für die Bergung der Unglückszüge nach dem Unfall bei Meerbusch anrücken.

Ein Spezialkran musste für die Bergung der Unglückszüge nach dem Unfall bei Meerbusch anrücken.

Meerbusch.  50 Menschen wurden verletzt, als ein Personenzug auf einen Güterzug prallte. Am Nachmittag hat die aufwändige Bergung der Züge begonnen.

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Der Personenzug, der bei Meerbusch nahe Neuss auf einen Güterzug aufgefahren ist, hätte den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen. Das sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Warum der Zug dennoch die Strecke befuhr, müsse nun geklärt werden. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer. Es müsse noch geklärt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet waren oder sie vom Lokführer übersehen wurden.

"Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen"

Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden, sagte Sprecher Gerd Münnich. Auch in den Stellwerken wurden demnach Informationen gesichert. Der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden.

Danach ergebe sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei die Strecke für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt. "Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte.

Bei dem Unfall war am Dienstagabend ein Zug der Regional-Express-Linie 7 von Köln nach Krefeld auf einen stehenden Güterzug von DB Cargo aufgefahren, der auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam war.

Zahl der Verletzten bei Zugunglück noch immer unklar

Auch Stunden nach dem Zugunglück ist nicht klar, wie viele Menschen verletzt worden sind. Bereits am Abend des Unglücks hatten sich Feuerwehr und Bundespolizei in ihren Angaben wiederholt korrigiert, weil der Kontakt zu den Insassen der teilweise demolierten Waggons nur schwer zu knüpfen gewesen sei, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwochmorgen sagte.

Nach seinen Angaben hat der Rettungsdienst alle Passagiere untersucht und die Verletzungen diagnostiziert. Demnach seien 50 der 173 Menschen im Zug verletzt worden; 41 von ihnen leicht unter anderem mit Schocks und Hautabschürfungen, 9 schwerer. Dagegen berichtete die Feuerwehr Meerbusch am Mittwochmorgen, es habe 33 Leichtverletzte gegeben, weitere 7 seien schwer verletzt worden. Eine Person habe "vitale Bedrohungen" erlitten.

Schaden an Oberleitung erschwerte Rettung der Verletzten

Wann die Strecke wieder freigeben wird, hänge von den Ermittlungen zur Unfallursache ab, sagte Winter. Unter anderem müsse auch das Gleisbett auf Schäden überprüft werden. Die Deutsche Bahn rechnet trotz der Streckensperrung nicht mit Auswirkungen auf den Regionalverkehr. Dies sei "nach aktuellem Kenntnisstand" nicht zu erwarten, sagte ein Bahnsprecher.

Viele Verletzte bei Zugunglück in Nordrhein-Westfalen

Nach Angaben des Netzbetreibers Deutsche Bahn prallte ein Regionalexpress des privaten Betreibers National Express auf einen Güterzug der Bahntochter DB Cargo.
Viele Verletzte bei Zugunglück in Nordrhein-Westfalen

Bis nach Mitternacht waren die Rettungskräfte mit der Evakuierung des verunglückten Zugs beschäftigt. Eine abgerissene Oberleitung, die den Zug unter Strom setzte, erschwerte die Rettungsaktion zunächst. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Einsatzkräften an der Unfallstelle.

Die Deutsche Bahn hat am Mittwochnachmittag damit begonnen, die beiden verunglückten Züge vom Gleis zu bergen. "Dabei ist ein schwerer Notfallkran im Einsatz", teilte die Bahn am Mittwoch mit. Erst wenn die Arbeiten abgeschlossen seien, lasse sich beurteilen, welche Schäden an der Infrastruktur entstanden seien. Dann könne auch entschieden werden, wann die Strecke wieder in Betrieb genommen werden könne. Probleme bereitete unter anderem die zerstörte und in Teilen herabhängende Oberleitung.

Der Zugbetreiber National Express und die Deutsche Bahn rechnen mit längeren Bergungsarbeiten. Auf der Strecke fahren ersatzweise Busse.

Lokführer verhinderte Schlimmeres mit Vollbremsung

"Die positive und positivste Nachricht (...) ist, dass niemand sich in Lebensgefahr befunden hat", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Dies ist offenbar auch dem Lokführer des Regionalzugs zu verdanken: Mit einer Vollbremsung habe er nach ersten Erkenntnissen Schlimmeres verhindert und unter anderem sein eigenes Leben gesichert, sagte der Sprecher von National Express Rail. Bei dem Aufprall war der Lokführer in seiner Fahrerkabine verletzt worden. Er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock. Fahrgäste schilderten einen "großen Knall" und eine Vollbremsung.

Während der Bergungsarbeiten versammelten sich Angehörige von Zuginsassen am Abend und in der Nacht an einer Tankstelle. Die Bundespolizei richtete eine Hotline ein. Auch ausländische Generalkonsulate hätten sich dort erkundigt, ob ihre Staatsangehörigen unter den Verletzten seien. Die Anfragen seien dann mit Feuerwehr und Rettungsdiensten koordiniert worden.

Mehrere Waggons entgleisten bei Zugunglück

Nach Angaben der Feuerwehr Meerbusch waren 173 Menschen im Zug. Bei dem Unglück verkeilte sich der vordere Wagen des Personenzugs stärker, die weiteren Waggons entgleisten oder standen weitgehend unbeschädigt auf den Schienen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgte die Lage am Abend, wie Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter mitteilte. "Hoffentlich kann allen Verletzten rasch geholfen werden. Dank für den Einsatz der Rettungskräfte." Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wünschte den Verletzten eine "baldige Genesung". (dpa)

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