Landwirtschaft

Viele Bauern in NRW in Existenznot

Kühe auf einer Weide: Bei der Milch zahlen die Bauern drauf.

Kühe auf einer Weide: Bei der Milch zahlen die Bauern drauf.

Foto: Funke Foto Services

An Rhein und Ruhr.   2016 dürfte für so manchen Hof an Rhein und Ruhr ein entscheidendes Jahr werden. Bleiben Preise für Fleisch und Milch im Keller, droht die Betriebsaufgabe

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Wenn es um Landwirtschaft geht, blickt in nächster Zeit alles nach Berlin: Übermorgen öffnet dort die „Grüne Woche“, die international wichtigste Messe für landwirtschaftliche Erzeugnisse, ihre Türen (bis 24. Januar). Die rheinischen Bauern reisen mit großen Sorgen dorthin. Die Preise für Milch und Schweinefleisch sind seit geraumer Zeit dramatisch im Keller. „Das nimmt existenzbedrohende Ausmaße an“, warnte Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), gegenüber der NRZ.

Die jüngste Viehzählung im November hatte NRW-weit noch keine Auffälligkeiten gebracht. So ging etwa die Zahl der Milchkuhhaltungen um 3,46% auf 6812 Betriebe zurück, die der Schweinehalter sank um 2,8% auf 7816 – das sind Rückgänge, wie man sie aus früheren Jahren kennt. Die Zählung im nächsten Herbst könnte ein anderes Bild ergeben: „2016 wird für viele Bauern ein entscheidendes Jahr“, ist Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer überzeugt. Bleiben Preise und Einkommenssituation so wie sie sind, dürften sich die Landwirte überlegen, ob sie ihren Betrieb verkleinern oder aufgeben.

Bonusmodell bei Molkerei Campina

Gezahlt werden den Erzeugern aktuell 1,24 Euro pro Kilo Schweinefleisch; laut RLV müssten es 1,60 Euro sein, damit die Bauern über die Runden kommen. Für 25-Kilo-Ferkel gibt es statt 60 Euro 33. Bei der Milch sind es 26 bis 28,5 Cent je Liter, kostendeckend wären etwa 30. „Ich fürchte, wir müssen uns darauf einstellen, dass wir uns noch längere Zeit im Preistal befinden“, sagt RLV-Präsident Bernhard Conzen. Er weist darauf hin, dass die Bauern bereits im zurückliegenden Wirtschaftsjahr dramatische Einkommenseinbußen von 44% bis 49% hinnehmen mussten. Derzeit lebten die Landwirte vor allem von den Rücklagen – oder machten Schulden.

Als Ursache für die schlechten Preise gelten der Russland-Boykott und die Konsumschwäche in China, aber auch eine Überproduktion in der EU. Es ist zu viel Ware auf dem Markt. Länder wie Polen oder Irland investieren derzeit sogar noch kräftig in die Milchviehhaltung. Dass Russland seinen Einfuhrstopp für landwirtschaftliche Produkte aus der EU aufhebt oder sich der Absatz in China bessert, ist derzeit nicht in Sicht.

Zumindest vorsichtige Hoffnung machen den Bauern einzelne Molkereien: Friesland/Campina (viele Niederrheiner liefern dorthin) gibt den Bauern Bonuszahlungen von einigen Cent je Liter, wenn sie ihre Produktion nicht ausweiten. Die zunächst bis zum 11. Februar befristeten Bonuszahlungen sind nach dem Wegfall der Milchquoten ein Versuch, das Überangebot etwas zu drosseln. Beim RLV begrüßt man das, die Landwirte könnten so derzeit zumindest ihre Kosten decken. Hochwald zahle derzeit ähnlich viel, allerdings ohne Beschränkung der Liefermenge.

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