Bier

Von Hopfen und Malz: Was man beim Braukurs lernen kann

In dem Topf wird das Malz eingemaischt und dann auf 67 Grad erhitzt – ab und an wird umgerührt.

In dem Topf wird das Malz eingemaischt und dann auf 67 Grad erhitzt – ab und an wird umgerührt.

Foto: Kai Kitschenberg

Oberhausen.   Immer mehr Menschen verabschieden sich beim Bier von der Massenware – manche brauen sogar selbst. Das passt zum anhaltenden Craftbier-Trend.

Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – mehr kommt nicht rein ins Bier. Kann also jeder selbst zum Brauer werden? Eigentlich schon! Weil aber am Ende doch ein bisschen mehr dazu gehört, als nur die richtige Zutatenliste zu kennen, veranstaltet Ferdinand Laudage aus der einstigen Bierstadt Dortmund Hobby-Braukurse.

Elf Männer und eine Frau sitzen an diesem Samstag (natürlich auf Bierzeltgarnituren) um einen Tisch herum und schauen interessiert dabei zu, wie der Dortmunder das Wasser in einem überdimensionierten Kochtopf auf 67 Grad erhitzt. „Wir fangen mit dem Maischen an, das ist der erste Schritt“, erklärt der 35-Jährige. Jeder Teilnehmer des Kurses darf sich mal die Kelle schnappen und das Malz einmaischen, also in den Topf schütten. Danach köchelt die Maische eine Stunde vor sich hin – damit nichts klumpt, wird gelegentlich mit dem Löffel umgerührt.

Ferdinand Laudage entdeckte Bier vor einigen Jahren als Hobby, das Brauen brachte er sich selbst bei. Mittlerweile ist ein Beruf daraus geworden, der Dortmunder bietet Bierverkostungen an, berät Restaurants und veranstaltet regelmäßig solche Brauseminare. „Es gibt immer mehr Menschen, die ein Bewusstsein dafür entwickeln, was hinter einem Bier steckt. Viele fangen irgendwann selbst mit dem Brauen an“, sagt Laudage.

Kein Massengeschmack

Während die großen Brauereien seit Jahren über Rückgänge beim Absatz klagen und der Bierkonsum in Deutschland im vergangenen Jahr den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung erreichte, gibt es seit einiger Zeit eine Gegenbewegung, zu der auch der Trend zum Selberbrauen passt. Die Craftbier-Welle ist längst aus den USA herübergeschwappt, immer mehr kleine Brauereien stellen ihr individuelles Bier her, um sich vom Massengeschmack der bekannten Marken aus dem Fernsehen abzuheben.

Einer dieser Brauer, der nicht auf Einheitsbrei, sondern auf Originalität setzt, ist Tobias Palmer. Viele Jahre war er international für Bierkonzerne unterwegs, 2016 ließ er sich der Liebe wegen in Oberhausen nieder. Seitdem verkauft er in seinem „Pottbrew“-Geschäft drei eigene Biersorten und über 100 handwerklich gemachte Biere aus der ganzen Welt. Bei ihm im Laden findet auch der Braukurs statt.

„Wir wollen den Menschen zeigen, was mit Bier alles möglich ist“, sagt Palmer. In den Regalen stehen Flaschen aus Kalifornien, Norwegen oder Belgien, auf den Schriftzügen der Marken ist die Rede von Sorten wie IPA (Indian Pale Ale), Stout oder Porter. Es gibt mildes Bier, herbes, fruchtiges oder malziges, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Alkohol.

Kerngeschäft ist aber Palmers eigenes Bier. Er selbst braut ein Pils, ein schottisches Ale und ein innovatives Honey Pepper Ale – mit Honig von Oberhausener Bienen. Das Bier entsteht nicht in der Stadt, Palmer nutzt die Anlagen von kleineren Brauerein aus der Umgebung für seine Abfüllungen. Den Begriff Craftbier mag Palmer übrigens weniger, das klingt für ihn zu sehr nach Marketing-Sprech und abgehobenen Berliner Hipstern. Die deutsche Übersetzung „handgemacht“ verwendet er lieber.

Honig und Pfeffer im Bier, Hopfenaromen, die nach Schokolade und schwarzem Tee schmecken? Tobias Palmer ist klar, dass solche Kreationen gerade auf den deutschen Biertrinker, der an das als Kulturgut vermarktete Reinheitsgebot und traditionelles Pils gewohnt ist, mehr als ungewöhnlich wirken. „Wir sprechen nicht jeden Geschmack an, das ist klar.“

Aber im Gegensatz zu den großen Brauereien muss Palmer keine Millionen von Hektolitern im Jahr absetzen. Die 0,33-Liter-Flasche kostet bei ihm über zwei Euro, manche Importe sind deutlich teurer. Seine Kunden bezahlen die höheren Preise gerne, sagt Palmer – es gehe für sie um Genussmittel, so wie bei einer guten Flasche Wein.

Vom Reinheitsgebot halten Palmer und Laudage übrigens wenig, trotzdem wird im Seminar danach gebraut. „Wir brauen ein klassisches Alt, das macht es einfacher für Anfänger“, sagt der Hobby-Braumeister. Während Laudage über die Schritte beim Brauen spricht, hört Harry Whitford genau zu und macht sich Notizen. „Ich möchte mein altes Hobby wieder lernen“, erzählt er. „Ich habe mit Freunden schon in den 70ern Bier in San Francisco gebraut.“ Der Amerikaner lebt seit vielen Jahren in Dorsten und hat früher in der Lebensmittelbranche gearbeitet. Ihn fasziniert, wie aus Rohstoffen am Ende das fertige Getränk wird.

Bis es soweit ist, dauert es allerdings noch etwas. Nach dem Brauen muss das Bier rund eine Woche gären. Bis zu vier Wochen reift es danach in der Flasche. Laudage macht allen Laien Hoffnung, dass am Ende etwas Gutes dabei herauskommt: „Bier wird es immer und meistens schmeckt es auch.“

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