Gastronomie

Wie ein Dinslakener Wirt Gäste in Corona-Zeiten empfängt

Wolfgang und Ines Schnier genießen den ersten Restaurant-Besuch nach acht Wochen. Kellner Andre Piechatzek muss Maske und Handschuhe tragen.

Wolfgang und Ines Schnier genießen den ersten Restaurant-Besuch nach acht Wochen. Kellner Andre Piechatzek muss Maske und Handschuhe tragen.

Foto: Lars Fröhlich / Funke Foto Services

Dinslaken  Adam Adamski hatte kurz vor der Krise ein Restaurant übernommen. Nach drei Wochen musste er es schließen. Jetzt geht der Betrieb wieder los.

Adam Adamski steht am Eingang seines Restaurants, nimmt einen tiefen Zug aus der Zigarette, lächelt. Eigentlich will er die Hand reichen, wie gute Gastgeber das so machen, aber es geht eben nicht in diesen Zeiten. Er weist stattdessen auf den Desinfektionsspender auf der Mauer. Immerhin: Adamski darf nach wieder Gäste empfangen. Irgendwie ist es also ein guter Tag.

Haus Hiesfeld in Dinslaken. Ehemals ein Rittergut, seit etlichen Jahren ein Restaurant. Adam Adamski hat es mit seiner Ehefrau erst Mitte Februar übernommen, eine Woche renoviert, die Einrichtung ist modern und schnörkellos. „Es lief sehr gut an“, erinnert er sich. Knapp drei Wochen später musste er wieder schließen, so wie all die anderen 51.000 gastronomischen Betriebe in NRW. Ein ziemlicher Schlag, zumal das Ehepaar zeitgleich mit dem „Haus Hünxerwald“ ein zweites Restaurant übernommen hatte.

Abends tobten die Gedanken im Kopf

„Ich musste meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken“, erzählt er, und dass sein Vermieter ihn unterstützt hat. Er konnte die Miete auf Null setzen. „Aber unser Puffer ist jetzt mehr als strapaziert.“ An den Abenden, als seine kleinen Kinder im Bett waren, tobten die Gedanken häufig in seinem Kopf. Hilfe vom Staat war für ihn nicht drin. Die Soforthilfe für Kleinunternehmer gilt nur für Betriebe, die bereits vor Ende des vergangenen Jahres liefen. „An Existenzgründer hat keiner gedacht.“

Richtig weh habe ihm getan, als er einen Großteil seiner Kühlhaus-Bestände entsorgen musste, erzählt Adamski. „Dafür sind doch Tiere gestorben.“ Aber alles essen konnten seine Familie und seine Mitarbeiter eben nicht. Als klar wurde, dass es wieder weitergeht, konnte er es nicht abwarten. „Eigentlich haben wir montags Ruhetag. Aber ich wollte ein Zeichen setzen, dass wir wieder da sind.“

Maximal ein Drittel der Gäste

Ein Restaurant-Betrieb in Corona-Zeiten. Wie funktioniert das? Auf einigen der Tische liegen Zettel. „Plätze bitte freihalten.“ Die Abstände müssen eingehalten werden. Konkret heißt das für Adamski: „Wir können nur zwei Drittel der üblichen Gästezahl empfangen.“ Seine Kellner tragen Mundschutz und Handschuhe. In der offenen Küche brauchen die Mitarbeiter das nicht. „Zum Glück, wenn die Masken tragen müssten, wäre das unerträglich für sie.“

Über Plastiktrennwände zwischen den Tischen hat er auch nachgedacht. Die schlagen aber mit 200 Euro pro Stück zu Buche. Unbezahlbar. Ohnehin sind die Hygienemaßnahmen teuer. Für 500 Milliliter Desinfektionsmittel zahlt Adamski zehn Euro. Nach jedem Gast müssen Stühle und Tisch desinfiziert werden. Handspender für die Wände kosteten vor der Krise ein paar Euro. Jetzt liegt der Preis bei 74 Euro pro Stück. „Eine Katastrophe“, seufzt er.

Die Preise sind massiv gestiegen

Pro Tisch muss ein Gast seinen Namen, seine Adresse und seine Telefonnummer hinterlassen, für den Fall der Fälle, um die Infektionskette verfolgen zu können. Wolfgang und Ines Schnier sind die ersten Gästen, die Adamski an diesem Montag empfangen kann. „Ich habe sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet“, sagt der 64-Jährige. „Wir sind hier Stammgäste, kommen sonst ein- zweimal im Monat.“ Er weiß, dass er in seinem Alter zur Corona-Risikogruppe gehört. „Ich bin vorsichtig, aber wir haben uns eben so gefreut, endlich wieder essen gehen zu dürfen.“

Heute können Schnier und seine Ehefrau nicht alles bestellen, was auf der Karte steht. „Auch unsere Lieferanten müssen erst mal wieder hochfahren, deren Lager sind ja leer.“ Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wirkt sich auch auf die Preise aus. „Wir haben bis zu 25 Prozent Aufschläge.“ Natürlich gibt er das an die Gäste weiter, was soll er auch machen.

Ein Lichtblick: Jede Menge Reservierungen

Immer wieder klingelt das Telefon. „Heute geht die Post ab“, sagt Adamski, lächelt, und geht ran. Wieder eine Reservierung. Es läuft wieder gut an, für das Wochenende haben sich eine Menge Menschen angekündigt. Trotzdem macht sich der Gastronom keine Illusionen. „In diesem Jahr geht es nicht darum, Geld zu verdienen. Es geht ums Überleben.“ Er spricht oft mit Kollegen. „Keiner weiß, wie es weiter geht. Kommen die Gäste? Was geschieht, wenn die Fallzahlen wieder hochgehen?“

Einem Drittel der gastronomischen Betriebe in NRW droht das Aus, hat der Branchenverband Dehoga ausgerechnet. „Es ist schwierig, positive Gedanken zu fassen“, sagt Adamski. Wenn sich nur einer seiner neun Mitarbeiter infiziert, ist sein Restaurant wieder dicht. Und auch sein zweites, weil er zwischen beiden Betrieben hin- und herpendelt. Dann klingelt wieder das Telefon. Jedes Klingeln ist ein Hoffnungszeichen, dass es irgendwie weitergeht.

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