Forschung

Glück ist eine Lebenseinstellung

Professor Dr. Karlheinz Ruckriegel (60) beschäftigt sich mit interdisziplinärer Glücksforschung. Foto: Steffen Giersch, Dresden.

Foto: Steffen Giersch, Dresden.

Professor Dr. Karlheinz Ruckriegel (60) beschäftigt sich mit interdisziplinärer Glücksforschung. Foto: Steffen Giersch, Dresden. Foto: Steffen Giersch, Dresden.

Essen.  Oftmals sind wir uns sehr unsicher, wenn es darum geht, was uns nachhaltig glücklich macht. Der Glücksforscher Professor Dr. Karlheinz Ruckriegel (60) beschäftigt sich mit interdisziplinärer Glücksforschung und ist der Frage nach dem Glücklichsein auf den Grund gegangen.

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1. Anja Schindler: Was ist Glück?

Ruckriegel: Glück ist subjektives Wohlbefinden, es geht ums Glücklichsein. Hier wird zwischen emotionalem und kognitivem Wohlbefinden unterschieden. Emotionales Wohlbefinden bedeutet, dass mehr positive als negative Lebensgefühle unseren Alltag füllen sollten. Beim Kognitiven stehen die eigenen Lebensziele im Mittelpunkt. Es geht hier um die Frage, wie ich - gemessen an meinen Zielen - mein Leben bewerte. Aus der Psychologie wissen wir, welche Ziele glücksfördernd sind. Ziele sollten sinnstiftend und realistisch sein, denn: Sie geben den Weg zum Glücklichsein vor. Sinnstiftende Ziele sind persönliches Wachstum (privat und beruflich), zwischenmenschliche Beziehungen und Beiträge zur Gesellschaft.

2. Wo suchen Menschen nach Glück?

Ruckriegel: Leider oftmals an verkehrten Stellen. Sprich: oft im Materiellen. Dies greift aber viel zu kurz. Das Materielle ist nur einer unter unseren Glücksfaktoren. An allererster Stelle sind hier

liebevolle, soziale Beziehungen zu nennen. Aber auch Gesundheit, Engagement beziehungsweise befriedigende Tätigkeiten, Unabhängigkeit, Denkhaltung und ein gewisses (Mindest-) Maß an Einkommen sind wichtig.

3. Viele Menschen träumen vom Lottoglück. Warum denken Sie, ist das so?

Ruckriegel: Sie haben das Materielle im Auge. Kurzfristig macht ein Lottogewinn auch glücklich. Sieht man im Lottogewinn aber nur das Materielle und mehr Konsum, so lässt dies aber schon bald wieder nach. Wir gewöhnen uns einfach daran. Nachhaltig ist hingegen, wenn man die Freiheit aus dem Lottogewinn nutzt, um mehr Zeit für soziale Beziehungen und unsere anderen Glücksfaktoren zu haben.

4. Den großen Jackpot zu knacken wird für viele immer ein Traum bleiben. Welche alternativen Glücksfaktoren gibt es und wo lassen sich diese finden?

Ruckriegel: Neben den großen Jackpots wie beispielsweise 80 Millionen Euro gibt es ja auch kleinere Gewinnsummen. Einige freuen sich auch über drei Richtige oder Sachpreise wie Reisen oder Autos. Aber auch das muss man immer im Verhältnis sehen. Habe ich ein geringes beziehungsweise normales Einkommen, macht mich auch ein kleiner Gewinn (kurzfristig) glücklich. Bin ich bereits Millionär, wird sich die Freude auf emotionaler Ebene wohl in Grenzen halten. Entscheidend für nachhaltiges Glück ist aber in jedem Fall, dass ich in meinem alltäglichen Leben den Glücksfaktoren entsprechendes Gewicht einräume. Und dies gilt immer, ob ich nun einen kleinen oder großen Lottogewinn oder nichts gewonnen habe.

5. Ist Glück eine Lebenseinstellung?

Ruckriegel: Ja. Man sollte zum einen die positiven Gefühle stärken und sehr achtsam mit den negativen Gefühlen umgehen. Das bedeutet nicht, dass man negative Gefühle ignorieren soll. Aber man sollte sich schon fragen, welchen Sinn sie in der jeweiligen Situation haben. Stehe ich beispielsweise im Stau, bringt Aufregen nichts, da es an der Situation nichts ändert. Das Gefühl wird einen dann durch den Tag begleiten und mögliche positive Eindrücke verdrängen.

Um eine positive Lebenseinstellung zu fördern, bietet sich das Führen eines Dankbarkeitstagebuches an. Am Ende des Tages einfach mal ein paar Minuten Zeit nehmen und notieren: Für was war ich heute dankbar? So wird das Positive stärker wahrgenommen. Man sollte versuchen im Durchschnitt des Tages mindestens ein Verhältnis von 3:1 (positiv:negativ) zu erreichen. Auch sollte man sich sinnvolle und realistische Ziele im Leben setzten und dann auch (!) verfolgen.

6. Stichwort Glückssymbole. Warum denken Menschen, dass Hufeisen, vierblättrige Kleeblätter oder Marienkäfer Glück bringen können?

Ruckriegel: Das ist reiner Aberglaube. Die Glückssymbole wurden aus verschiedenen Anlässen heraus zufällig interpretiert.

7. „Glück im Spiel – Pech in der Liebe.“ – teilen Sie dieses Sprichwort?

Ruckriegel: Nein. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Glück im Spiel – wie beim Lotto zum Beispiel – ist Zufallsglück, welches nicht beeinflusst werden kann. Bei Liebe geht es um zwischenmenschliche Beziehungen. Sprich: Wie verhalte ich mich anderen gegenüber. Fakt ist: Mit glücklichen, das heißt optimistisch und positiv eingestellten Menschen, sind wir gerne zusammen. Und da können wir viel tun.

>>> Zur Person:

Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel (60) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg und beschäftigt sich dort seit vielen Jahren unter anderem mit der interdisziplinären Glücksforschung. Über dieses Themengebiet hat er bereits viele Aufsätze und Beiträge geschrieben. Er berät dazu Politik, Unternehmen und Organisation und hält Vorträge sowie Managementseminare. Ende September 2017 ist ein Interview mit ihm zur Glücksforschung auf ARD Alpha gesendet worden.

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