Basketball

Bambergs Zisis reißt Alba aus dem Titeltraum

Bambergs Elias Harris (l) setzt sich gegen Johannes Thiemann von Alba durch.

Bambergs Elias Harris (l) setzt sich gegen Johannes Thiemann von Alba durch.

Foto: dpa

Bamberg  In einer dramatischen Schlussphase holt Brose Bamberg im Duell mit Alba Berlin zum sechsten Mal den deutschen Basketball-Pokal.

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Mit verschränkten Armen und versteinerten Gesichtern standen Alba Berlins Spieler an der Bande der Brose Arena und starrten ins Leere. Landry Nnoko hatte sich sogar mit dem Gesicht zur Tribüne gedreht. Bloß nicht auf das Feld der Niederlage schauen. Sportdirektor Himar Ojeda klatschte jeden Profi einzeln ab, aber die Spieler waren bedient. 82:83 (37:44) hatten sie das Finale um den deutschen Basketball-Pokal gegen Gastgeber Brose Bamberg verloren, obwohl sie zwei Sekunden vor Schluss noch geführt hatten. Dann landete ein Dreier von Nikos Zisis im Berliner Korb. Die Franken waren zum sechsten Mal Cupsieger.

„Dieser Wurf hat uns das Herz gebrochen“, sagte Nationalspieler Joshiko Saibou. Sein Kollege Kapitän Niels Giffey ergänzte: „Es tut natürlich besonders weh, mit dem letzten Wurf zu verlieren.“ Man kann es so sehen, Alba führte schließlich durch die letzten beiden von insgesamt 23 Punkten seines starken Litauers Rokas Giedraitis 82:80. Man kann es aber auch anders betrachten. Die Berliner hatten nämlich die ersten drei Viertel allesamt verloren und erst noch einmal aufgedreht, als die Partie bereits verloren schien. Warum nicht eher?

Schlüsselspieler Sikma bleibt wegen Grippe blass

„Grundsätzlich darf es nicht passieren, dass wir von Anfang an einem Rückstand hinterherlaufen“, gab Center Johannes Thiemann zu. Er war mit 17 Punkten zweitbester Berliner: „Vielleicht waren wir wirklich etwas überrascht von der Physis und der Energie, mit der Bamberg spielt, seit Federico Perego hier Cheftrainer ist.“

Das Finale hatte schon ein paar Vorspiele, die nicht für Alba sprachen. Ihr Schlüsselspieler Luke Sikma hatte sich im ungünstigsten Moment eine Grippe eingefangen und verpasste das Abschlusstraining. Der 29-Jährige war im Finale nur ein Schatten seiner selbst. Peyton Siva, als Point Guard der zweite sehr wichtige Mann im Team, ist nach kaum überstandener Verletzung noch nicht in Bestform, fabrizierte fünf Ballverluste in wichtigen Phasen und traf erst zum Schluss. Martin Hermannsson war bei Weitem nicht so gefährlich wie gewohnt. Giffey trat nicht so stark auf wie in der bisherigen Saison. Ein bisschen viele Negativfaktoren, um solch ein Match zu gewinnen.

Dazu kam eine etwas überraschende Personalie. Trainer Aito Garcia Reneses nahm Derrick Walton Jr. in den Kader, der erst am Mittwoch verpflichtet worden war. Nach den wenigen Trainingseinheiten konnte der Amerikaner nicht helfen. An seiner Stelle schauten Dennis Clifford und Jonas Mattisseck nur zu. Vielleicht nicht die beste und richtige Entscheidung.

Trotzdem – das Spiel war zu gewinnen. 700 mitgereiste Alba-Anhänger gaben in der mit 6150 Zuschauern ausverkauften Arena ihr Bestes. Brose spielte, was es kann, meist über die routinierten Tyrese Rice (20 Punkte), Nikos Zisis (19) und Elias Harris (15). Sie suchten bei ihren Aktionen förmlich den Kontakt und bekamen ihn. Alba spielte nicht, was Alba kann. Zu wenig Schnelligkeit in den Aktionen, neun Ballverluste im ersten Viertel, ständige Diskussionen mit den Schiedsrichtern – Bamberg führte fast ständig. „Wir haben drei Viertel in der Offensive nicht gut ausgesehen“, sagte Giffey.

Was aber unkaputtbar bleibt bei Alba, ist der Kampfgeist. Die Gastgeber wähnten sich Anfang des Schlussviertels bei einer Elf-Punkte-Führung (65:54) ihrem Ziel schon ein wenig zu nah. Der unermüdlich wühlende Nnoko (13 Punkte/neun Rebounds) verkürzte auf 61:65. Einen Brose-Zwischenspurt konterte Siva mit zwei Dreiern zum 76:78, Giedraitis glich eineinhalb Minuten vor Schluss aus. Dann zeigte Bamberg Nerven an der Freiwurflinie, Hermannsson und Giedraitis brachten Alba in Front.

Tyrese Rice vergab sechs Sekunden vor dem Ende einen Distanzwurf, die Berliner mussten nur noch den Rebound greifen. Doch den erwischte Augustine Rubit, passte auf den freistehenden Zisis, der seinen fünften Dreier an diesem Nachmittag verwandelte. Der Grieche wird im Sommer 36 Jahre alt. Rice ist 32. „Sie wissen, was in so einem Finale gebraucht wird“, sagte Ojeda, „Emotionen, Kontrolle.“ Und im Notfall treffen sie in den Korb des Gegners. In dem Fall mitten ins Herz von Saibou, Giffey und Kollegen. Ein letzter Verzweiflungswurf von Sikma mit der Schlusssirene verfehlte das Ziel. „Jetzt wird entscheidend sein, wie wir mit dem Schmerz umgehen“, sagte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi. Zwei Titel gibt es noch zu gewinnen: den Eurocup und die deutsche Meisterschaft. Beides wird schwerer als dieses Pokalfinale.

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