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Wie Theis in der NBA vom Niemand zum Erfolgsgaranten wurde

Daniel Theis von den Boston Celtics brach sich in der Partie gegen Utah die Nase.

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Daniel Theis von den Boston Celtics brach sich in der Partie gegen Utah die Nase. Foto: dpa

London.  Basketballer Daniel Theis spielt seit dieser Saison für die Boston Celtics. An den NBA-Erfolgen hat er seinen Anteil. Nun wartet Philadelphia.

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Die Plastikmaske ist eine Erinnerung daran, dass es in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA ein bisschen rauer zugeht als Daniel Theis es aus Europa gewohnt ist. Es geschah Mitte Dezember: Gerangel unter dem Korb, Ellenbogenschlag, Nasenbeinbruch. “Die erste Maske war nicht so toll. Dann habe ich eine neue bekommen. Mit der kann ich viel besser sehen”, sagt Theis. Womöglich wird er sie auch am Donnerstag noch tragen müssen. Bei seiner Rückkehr nach Europa.

In Englands Hauptstadt London spielen am Donnerstag zwei Teams aus der weltbesten Basketball-Liga. Die Boston Celtics treffen auf die Philadelphia 76ers (21 Uhr/DAZN). Seit 27 Jahren verlegt die NBA aus Werbezwecken mindestens eines ihrer Saisonspiele außerhalb der Grenzen der USA und Kanada. Diesmal geht es in die O2-Arena in London, die knapp 19 000 Tickets waren in weniger als einer Stunde verkauft.

Kein Wunder: Die von Kyrie Irving angeführten Celtics sind derzeit mit 33 Siegen und zehn Niederlagen das zweitbeste Team der NBA hinter den Golden State Warriors (33/8). Sechs Siege holten sie zuletzt in Serie, auswärts ist die Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Massachusetts seit nunmehr 15 Partien ungeschlagen. Wenn einer die Cleveland Cavaliers im Frühling aus dem Dauer-Finale mit den Golden State Warriors verdrängen kann, dann sind es die Celtics. Einer der Gründe für den Erfolg des Teams in den grünen Trikots: Daniel Theis.

Mit 25 Jahren in die NBA

“Mein Frau, mein Bruder und viele Freunde werden im Publikum sitzen”, sagt Theis vor dem Spiel in London. Heimische Unterstützung also, die er monatelang missen musste. Vergangenen Herbst wagte der Deutsche mit 25 Jahren den Sprung in die NBA. Zum Vergleich: Als sie in der weltbesten Liga debütierten, waren Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks) 20 und Dennis Schröder (Atlanta Hawks), Theis’ bester Kumpel aus Jugendtagen in Braunschweig, 19 Jahre alt. Theis kam also spät. Als Deutscher Nationalspieler, als dreimaliger Deutscher Meister mit Brose Bamberg, als bester Verteidiger der vergangenen Bundesligasaison. Als ein Niemand. Denn all das bedeutet in der NBA: nichts.

In den USA war der 2,06-Meter-Mann nur einer von vielen Liga-Neulingen, als er erstmals das Celtics-Trikot mit der Nummer 27 überstreifte. Knapp drei Monate später hat sich dies geändert. Sicher: Theis wird nie ein zweiter Dirk Nowitzki werden. Er hat auch nicht das Potenzial seines Nationalmannschaftskollegen Maxi Kleber (ebenfalls Dallas Mavericks). Aber Theis macht in den USA da weiter, wo er in Deutschland aufgehört hat. Als Malocher, der unter dem Korb die Drecksarbeit erledigt, damit die Stars Kyrie Irving und Al Horford strahlen können.

Spitzname durch Miami Vice

Theis ist der Mann fürs Grobe, der vom Korb abprallende Bälle sichert und seine Mitspieler mit Blocks Blocks in gute Positionen bringt. Er ist darin so gut, dass sie ihm im TD Garden, der Arena der Celtics, bereits einen Spitznamen verpasst haben. In der NBA ist das eine Art Ritterschlag. Miami Theis nennen sie ihn in Boston in Anlehnung an die 80er-Jahre Kult-TV-Serie um die Polizisten Crocket und Tubbs.

“Mir ist es egal, ob ich Starter bin oder ob ich von der Bank komme. Wenn man mich braucht, bin ich bereit”, sagt Theis. Eine Einstellung, die auch Bostons Trainer Brad Stevens gefällt. Er hat seine Rolle verstanden und macht seinen Job hervorragend.” Und London? Ist es für die NBA-Stars einfach nur eines von 82 Spielen der regulären Saison? Theis verneint: “Dieses Spiel nimmt eine ganze Woche in Anspruch, die Anreise, die Vorbereitung, der Jetlag. Deshalb ist dieses Spiel für alle etwas Besonderes. Nicht nur für mich.”

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