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Bayern-Krise: BVB-Verteidiger Süle "kommt rausgekrochen"

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DFB-Star Joshua Kimmich steckt mit dem FC Bayern in der Bundesliga-Krise.

DFB-Star Joshua Kimmich steckt mit dem FC Bayern in der Bundesliga-Krise.

Foto: AFP

Frankfurt.  Oft hat die Nationalmannschaft von der Stärke des FCB profitiert. Wird die aktuelle Schwäche des Rekordmeister nun zum Problem?

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gruppentherapiestunde für die kriselnden Bayern hätten am Dienstagmorgen nicht viel besser sein können. Erstmals durften die angeschlagenen Münchner (und natürlich auch ihre restlichen Kollegen der Nationalmannschaft) auf den nigelnagelneuen Trainingsplatz auf dem DFB-Campus an der Rennbahnstraße. Frankfurts beeindruckende Skyline empfang die Fußballer genauso freundlich wie die zahlreichen Mitarbeiter der DFB-Akademie, die sich das erste Nationalmannschaftstraining vor Ort nicht entgehen lassen wollten. Und auch Bundestrainer Hansi Flick, der bis vor einem Jahr die Bayern trainiert hatte, wusste, dass er mit den zuletzt in vier Bundesligaspielen sieglosen Profis des Rekordmeisters behutsam umgehen musste. Ein Klaps hier für Leroy Sané, ein Kurz-Gespräch mit Jamal Musiala dort.

Bayern-Star Jamal Musiala verletzt sich

Eine Stunde lang ging alles gut. Serge Gnabry scherzte beim Warmmachen, Thomas Müller traf das Tor endlich wieder und sogar der sonst immer so ernste Joshua Kimmich strahlte. Fast hätte man vergessen können, dass Kapitän Manuel Neuer aufgrund eines Wehwehchens am Zeh pausieren musste. Doch dann passierte es. Ausgerechnet Müller und Musiala rasselten bei einem an sich harmlosen Zweikampf aneinander – und Musiala blieb liegen. Mannschaftsarzt Jochen Hahne eilte herbei und verband das rechte Schienbein des 19-Jährigen, der direkt den Weg in die Kabine suchte. Die Sorgen der Bayern – da waren sie wieder.

Eine knappe Stunde später saßen Franziska Wülle, die neue Pressesprecherin der Nationalmannschaft, und DFB-Manager Oliver Bierhoff auf dem Podium im neuen Medienraum der Akademie und gaben Auskunft über die wichtigen und unwichtigen Fragen der Fußballnation. Und direkt zu Beginn gab es gute Nachrichten für die besorgten Bayern. Franziska Wülle hielt ein medizinisches Bulletin in der Hand und lass vom Zettel ab, dass Musiala lediglich eine „kleine, oberflächige Wunde“ habe, die versorgt werden musste. Mit anderen Worten: Alles halb so wild.

Ähnlich beschrieb anschließend Bierhoff auch den Gesamtzustand beim Münchner Patienten. „Ich sehe die Situation dort nicht so dramatisch“, sagte Bierhoff. Er habe nicht das Gefühl, dass die Nationalmannschaft nun die kriselnden Bayern aufbauen müsse, aber wenn das einer könne, dann der Hansi. „Wenn er das macht, was er damals bei den Bayern gemacht hat, dann kann er es bei uns gerne wiederholen“, so Bierhoff. Zur Erinnerung: 2019/20 übernahm Hansi Flick vom entlassenen Niko Kovac die kriselnden Bayern – und führte sie in wenigen Monaten zu sechs Titeln. Mit „Sextuple“ wurde sogar ein neues Wort erfunden, was es in dieser Form im deutschen Fußball noch nicht gegeben hat.

FC Bayern seit vier Bundesligaspielen ohne Sieg

Der Nationalmannschaft würde in diesem Winter schon ein Titel reichen. Doch Hansi Flick weiß natürlich, dass er für ein erfolgreiches WM-Turnier auch erfolgreiche Bayern braucht. Und nach vier sieglosen Bundesligaspielen in Folge muss man diese Bayern möglicherweise einfach noch mal daran erinnern, wie gut sie doch eigentlich sind. „Im Fußball ist es ja oft so, dass man Spielern Szenen zeigt und fragt: Was machst du hier falsch? Ich zeige einem Spieler erst mal, was er toll gemacht hat. Es ist doch besser, erst Selbstvertrauen aufzubauen – dann kann man immer noch in die Details gehen, um Dinge zu verbessern“, sagte Flick in einem Interview mit der „Süddeutschen“.

Joshua Kimmich weiß genau, wovon Flick da spricht. Er ist unter Bayern-Trainer Flick zu einem der besten Mittefeldspieler der Welt geworden – und setzt jetzt auch auf die Fähigkeiten des Deutschland-Trainers Flick. Als der Münchner auf dem Pressepodest am späten Mittag Bierhoff ablöst, spricht er erstmal von „Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und ein gewisses Selbstverständnis“. Natürlich würde es helfen, dass Flick bei der Nationalmannschaft einen sehr ähnlichen Fußball wie Julian Nagelsmann bei den Bayern spielen lassen würde. Frühes Pressen, schnelles Umschaltspiel. Dazu eine flexible Offensive ohne klassischen Stoßstürmer. „Die Spielweise ist ähnlich, genauso wie die Prinzipien“, sagt auch Flick-Fan Kimmich, der sich nach eigener Aussage noch immer „brutal“ ärgere, dass die Bayern momentan fünf Punkte hinter Tabellenführer Union Berlin und drei Punkte hinter Erzrivale Borussia Dortmund stehen.

BVB-Verteidiger Niklas Süle meldet sich bei Joshua Kimmich

Wie denn die Kollegen bei der Nationalmannschaft auf die Ergebniskrise der Bayern reagieren würden, will ein Journalist wissen. „Die Kollegen hauen schon richtig drauf. Da bekommt man nur Sprüche ab“, witzelt Kimmich, um ganz im Ernst hinzufügen: „Von Niky (Süle, der im Sommer von den Bayern zum BVB wechselte, die Red.) hört man schon ein bisschen was. Der kommt jetzt plötzlich rausgekrochen.“

Nur zur Therapie, da war sich Kimmich dann doch sicher, braucht kein Bayer.

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