Kommentar

Das Frauenfinale von Wimbledon: Die Suche nach einem Star

Simona Halep nach ihrem Turniersieg in Wimbledon

Simona Halep nach ihrem Turniersieg in Wimbledon

Foto: Reuters

Essen.  Simona Halep schlägt Serena Williams im Frauenfinale von Wimbledon deutlich. Das ist aber kein Zeichen eines Wachwechsels. Ein Kommentar.

Einen der besten Momente des Frauenfinales beim Tennisturniers in Wimbledon gab es nach dem Match zu sehen. Simona Halep, die soeben die US-Amerikanerin Serena Williams mit 6:2, 6:2 überraschend – man könnte sagen sensationell – deutlich abgefertigt hatte, präsentierte sich im Sieger-Interview gleichermaßen sympathisch wie bodenständig. Jetzt ist Sympathie im Leistungssport keine Kategorie, die wirklich wichtig ist, aber schön war es schon.

Haleps zweiter Grand-Slam-Sieg

Simona Halep ist dabei noch nicht einmal eine Überraschungssiegerin. Die Rumänin ist seit Jahren auf der Tournee erfolgreich, war Weltranglistenerste, hatte aber in ihrer Karriere bislang auch erst ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Nach Paris im vergangenen Jahr siegte sie also jetzt beim wichtigsten Tennisturnier der Welt.

Nach dem 55-Minuten-Match ist es schwer zu sagen, ob Halep nun so stark war oder ihre Gegnerin Serena Williams so schwach. Die Zahl der sogenannten „Unforced Errors“, der vermeidbaren Fehler, spricht eher für einen ganz schlechten Tag der US-Amerikanerin. Vielleich hat die Tenniswelt sogar das Ende einer Ära gesehen. Das Finale deutete daraufhin, dass sich Williams’ außergewöhnliche Karriere dem Ende nähert. Diese Vermutung soll die Leistung Haleps nicht schmälern: Eine Serena Williams muss jede Gegnerin erst mal so dominieren.

Es fehlt die Konstanz im Frauentennis

Einen Wachwechsel haben die Zuschauer in Wimbledon vermutlich dennoch nicht erlebt. Bei Turniersiegen und in der Weltrangliste wechseln sich Spielerinnen in einem bunten Reigen ab. Das scheint unterhaltsam, spricht aber gegen die Konstanz der Protagonistinnen. Bei den Männern, die ihr Finale am Sonntag ausspielen, sieht das anders aus. Drei der Halbfinalisten machen seit 15 Jahren die Spitzenplätze unter sich aus. An Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic kam in den vergangenen Jahren in der Weltrangliste nur Andy Murray einmal kurz vorbei. Das kann man langweilig nennen, steht aber auch für ganz besondere Ausnahmeathleten. Es wäre den Frauen also zu wünschen, dass sich auch bei ihnen wieder ein echter Star fände. Mindestens von den Sympathiewerten wäre Simona Halep eine gute Kandidatin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben