Wimbledon

Djokovic schlägt Federer in einem historischen Finale

Novak Djokovic küsst den Pokal nach einem epischen Wimbledon-Finale.

Novak Djokovic küsst den Pokal nach einem epischen Wimbledon-Finale.

London   Was für ein Finale. Roger Federer und Novak Djokovic haben sich im Wimbledon-Finale nichts geschenkt. Am Ende gewann Djokovic.

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4:3 stand es im fünften Satz eines Endspiels, das niemand, der es sah, vergessen wird, als es auf dem Center-Court in Wimbledon keinen der 14.979 Zuschauer mehr auf seinem Sitz hielt. Roger Federer hatte seinem Kontrahenten Novak Djokovic den Aufschlag abgenommen, es war das so wichtige Rebreak nach dem Aufschlagverlust zuvor. Und dort, wo Zurückhaltung sonst erste Regel ist, herrschte eine Atmosphäre wie in einem Oktoberfestzelt kurz vor Sperrstunde. Gefeiert wurden von da an zwei Athleten, die das Beste boten, was ihr Sport zu bieten in der Lage ist, und die nach dem längsten Endspiel in der Historie der All England Championships beide Gewinner waren.

Dass es nach 4:57 Stunden Titelverteidiger Djokovic war, der seinen fünften Triumph an der Church Road feiern durfte, lag daran, dass der Weltranglistenerste aus Serbien in den Tiebreaks seine unglaubliche Siegermentalität unter Beweis stellte. Mit 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6 und 13:12 (7:3) – erstmals in diesem Jahr wurde in Wimbledon der fünfte Satz bei 12:12 im Tiebreak entschieden – rang der 32-Jährige den Ranglistendritten aus der Schweiz nieder. Federer wäre in seinem zwölften Wimbledon-Finale (acht gewann er) mit 37 und 340 Tagen ältester Grand-Slam-Sieger seit Beginn der Profiära 1968 gewesen, nun behält Ken Rosewall (84/Australien), der die Australian Open 1972 mit 37 Jahren und 62 Tagen gewann, diesen Rekord vorerst.

Federer: Es ist noch nicht vorbei

„Es ist schade, dass es nach so einem Match einen Verlierer geben muss. Es war das spannendste Finale, an dem ich jemals teilhaben durfte“, sagte der Triumphator, der immerhin schon 25 Grand-Slam-Endspiele erlebt und nun 16 gewonnen hat, nachdem er die Grashalme, die er nach Titelgewinnen in Wimbledon traditionell verspeist, heruntergeschluckt hatte. Federer zollte seinem Bezwinger höchsten Respekt, sagte aber auch: „Ich habe alles gegeben und hatte meine Chancen. Und auch wenn ich 37 bin, stehe ich noch. Es ist noch nicht vorbei.“

Es war das 16. Duell der beiden bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. Keine andere Partie gab es auf Major-Niveau seit Beginn der Profiära häufi-ger. In Wimbledon waren sie sich bis zu diesem Jahr dreimal begegnet. 2012 im Halbfinale siegte Federer, die Endspiele 2014 und 2015 gewann Djokovic, der diese Serie nun fortschrieb.

Federer überraschte im ersten Satz, der allein zwei Minuten länger dauerte als das gesamte Damenfinale am Tag zuvor, mit der Taktik, sich auf Grundlinienduelle einzulassen, anstatt wie bei seinem Halbfinalsieg über den Spanier Rafael Nadal (33) von Beginn an am Netz zu attackieren. Djokovic schlug anfangs verhalten auf, steigerte sich aber und war dank seiner Laufstärke in den langen Rallies meist Sieger, während Federer sich auf seinen starken ersten Aufschlag verlassen konnte und den weltbesten Returnspieler kaum zur Entfaltung kommen ließ. Im Tiebreak stolperte der Schweizer allerdings über vier unerzwungene Fehler mit seiner Vorhand und musste trotz einer 5:3-Führung nach 1:3-Rückstand den Satz abgeben.

Ob er sie im Kopf hatte, diese Statistik, nach der ihm nur einer seiner 22 Siege über den Serben gelungen war, nachdem er Satz eins verloren hatte, und dass in nun 40 der 48 Duelle derjenige Gewinner war, der den ersten Durchgang für sich entschied? Zweifellos schaltete Federer zwei Gänge höher, als wolle er ein Signal auf die andere Seite des Netzes senden.

Er bewegte sich mit mehr Entschlossenh0eit, deckte den Platz besser ab und übte bei gegnerischem Service mehr Druck aus. Drei Breaks und 25 Minuten später war der Satzausgleich geschafft.

Djokovic wehrt zwei Matchbälle ab

Es blieb spannend. Und so musste, nachdem anschließend beide ihren Aufschlag durchbrachten, der Entscheidungssatz her, der alles übertraf, was man den müder werdenden Protagonisten noch zugetraut hatte. Beim 7:8-Rückstand wehrte Djokovic zwei Matchbälle ab, bei 11:11 nutzte Federer zwei Breakbälle nicht, und so kam es, wie es oft kommt: Eine vom Rahmen von Federers Schläger in Richtung Tribüne fliegende Vorhand beendete das Match mit Djokovics erstem Matchball.

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