Eishockey

Eishockey: Rick Goldmann freut sich auf den Deutschland-Cup

Rick Goldmann hat sich als Eishockey-Experte einen Namen gemacht.

Rick Goldmann hat sich als Eishockey-Experte einen Namen gemacht.

Krefeld.  Der frühere Eishockey-Nationalspieler Rick Goldmann spricht über den Deutschland-Cup, den neuen Dirk Nowitzki und seine Zeit als Erdbeben-Helfer.

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Herr Goldmann, Sie haben ein 240 Seiten starkes Buch veröffentlich: „Eiszeit! Warum Eishockey der geilste Sport der Welt ist“. Gibt es auch eine kürzere Erklärung?

Rick Goldmann: Ja (lacht). Die kürzeste Antwort ist, dass es keine dynamischere Sportart gibt, die so viele Torchancen und so viel Härte vereint. Man kann es vielleicht mit der Champions League im Fußball vergleichen. Die Intensität, die dort ab dem Halbfinale in die Partie gelegt wird, diese Dynamik, die Schnelligkeit und Qualität - die hat man in fast jedem Eishockeyspiel.

Sie sind seit elf Jahren Kommentator und TV-Experte. Wie hat sich der Stellenwert des Eishockeys in dieser Zeit verändert?

Goldmann: Meiner Ansicht nach hat sich der Stellenwert des Eishockeys in diesem Zeitraum deutlich nach oben entwickelt. Bei großen Turnieren wie Weltmeisterschaften erkennt man es am besten, auch dank dem Halbfinaleinzug bei der Heim-WM 2010 und Olympiasilber 2018. Dort sind mittlerweile viel mehr Pressevertreter vor Ort, die Berichterstattung im Vorfeld ist auch gestiegen. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Toni Söderholm musste als Bundestrainer die großen Fußstapfen von Marco Sturm füllen, der 2018 Olympiasilber gewann. Macht Söderholm das gut?

Goldmann: Er hat ja vergangene Saison mittendrin übernommen und ist direkt mit einer guten WM gestartet. Nun hat er ein ganzes Jahr, um zu planen, sich Spieler wirklich mal anzuschauen und zu testen. Letztes Jahr hatte er ja nur die WM-Vorbereitung. Nun geht der Blick Richtung WM 2020 im Mai in der Schweiz und Olympia 2022 in Peking und ich finde, er ist auf dem richtigen Weg.

Bei der jüngsten WM erreichte Deutschland das Viertelfinale, die Olympiateilnahme 2022 ist gesichert. Eine gute Zeit fürs deutsche Eishockey?

Goldmann: Ja, die Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine gute. Nicht nur wegen Olympiasilber, sondern auch wegen der Nachwuchsförderung im Verband und in der DEL, in der auch junge Spieler wie im vergangenen Jahr Moritz Seider oder gerade der Krefelder Tim Stützle in Mannheim für Furore sorgen.

Ist die Eishockey-Euphorie nach dem Olympiasilber denn überhaupt noch vorhanden?

Goldmann: Euphorie ist vielleicht das falsche Wort dafür. Klar, nach den Olympischen Spielen haben sich mehr Kinder bei Eishockeyvereinen angemeldet und das Olympiasilber ist immer ein Thema, wenn ich mit Journalisten rede. Ob es aber eine Euphorie ist? Eher ist es ein konstantes Thema, über das in Deutschland gesprochen wird. Das ist positiv, mehr braucht es gar nicht.

Wie wichtig ist der Deutschland- Cup?

Goldmann: Der Deutschland-Cup ist in erster Linie wichtig für den Bundestrainer, um einfach mal Zeit mit dem Team zu verbringen und sich mit Spielern zu beschäftigen, die vielleicht auf der Kippe stehen wie vergangenes Jahr Simon Sezemsky von den Augsburger Panthern. Dass man ihn mal sieht, dass man sich mit ihm unterhält und in der Mannschaft beobachtet. Der Deutschland-Cup ist also eine wichtige Testmaßnahme für den Bundestrainer und das Team selbst.

Bei den Spielen gegen Russland, die Schweiz und die Slowakei werden mehrere Leistungsträger geschont. Müssen nicht die Besten spielen, um die Euphorie zu halten, um den Zuschauern attraktives Eishockey zu bieten?

Goldmann: Der Kader, der in Krefeld spielen wird, ist aus meiner Sicht der Beste, den es momentan gibt. Ja, es sind ein paar Spieler aus Mannheim und München wegen Champions-League-Hockey-Spielen nicht dabei, aber dafür sind jüngere Spieler nachgerückt, darunter die besten Scorer der DEL. Es sind erfahrene Spieler wie Daniel Pietta mit dabei, Spieler, die schon länger auf dem Sprung ins Nationalteam waren und Spieler, die nach einer Verletzung nun wieder die Chance aufs Nationalteam erhalten wie der Münchener Maximilian Kastner. Diese Kombination macht für mich absolut Sinn.

Nicht dabei ist Leon Draisaitl, der in der nordamerikanischen NHL für die Edmonton Oilers derzeit bester Scorer Liga ist. Sie haben mit ihm im Sommer beim Benefiz-Fußballspiel von Dirk Nowitzki gespielt. Könnte Leon Draisaitl der nächste Dirk Nowitzki werden?

Goldmann: Für ganz Deutschland oder für Eishockey-Deutschland?

Für Eishockey-Deutschland ist er es ja schon.

Goldmann: Stimmt (lacht). Für Eishockey-Deutschland ist er es wirklich. Er ist einer der besten Scorer der NHL und es ist einfach schade, dass das in Deutschland nicht so wirklich wahrgenommen wird. Aber seien wir mal ehrlich: Dirk Nowitzki ist auch erst wirklich wahrgenommen worden, als er bei großen Turnieren für die Nationalmannschaft gespielt hat und ein großer Werbepartner mit draufgesprungen ist. Vom Stellenwert her ist das, was Leon Draisaitl für Eishockey-Deutschland mit seinen Leistungen in der NHL und mit der Teilnahme bei großen Turnieren für Deutschland leistet, ohne Frage die größte Werbung für das deutsche Eishockey, die man machen kann. Er hätte in Sportdeutschland noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Würden Sie eigentlich manchmal noch selbst gerne mitspielen, statt die Partien fürs Fernsehen zu analysieren?

Goldmann: Das ist schnell beantwortet: Nein.

Warum?

Goldmann: Ich habe mich bewusst entschieden, aufzuhören und bereue es nicht. Ich habe so viel im Eishockey erlebt, nun erlebe ich diesen Sport von der anderen Seite, indem ich versuche, den Zuschauern zu beschreiben, was da gerade auf dem Eis und in der Mannschaft vor sich geht. Ich muss das Spiel nicht mehr selbst spielen, um darüber berichten zu können. Das Kapitel ist vorbei. Nun ist ein neues aufgeschlagen, in dem ich den Sport mit Wörtern begleiten und anderen näherbringen kann.

Es verwundert aber, dass Sie überhaupt Zeit dafür haben, betreiben Sie doch zwei Physiotherapiepraxen in München. Welchen Anteil hat da noch der Kommentatoren-Job beim Fernsehen?

Goldmann: Tatsächlich ist er sehr groß, sehr zum Leidwesen meiner Familie (lacht). Insgesamt bin ich schon oft an die 70 Stunden in der Woche unterwegs, betreibe die beiden Praxen mit 25 Angestellten und 20 Stunden Minimum davon frisst der Eishockeysport. Vor oder während großer Turniere wie Weltmeisterschaften beschäftige ich mich sogar 50 bis 60 Stunden nur mit Eishockey. Es sind ja auch viele Reisen dabei, und an Spieltagen der deutschen Mannschaft ist man schon morgens beim ersten Training in der Halle mit dabei und geht erst nach Spieltagsende spät in der Nacht.

Wie hat sich Ihr Job als Kommentator im Laufe der Zeit verändert? Anfangs kannten Sie ja noch die meisten Spieler aus der eigenen aktiven Zeit.

Goldmann:Ja, aber es hat sich nicht so viel geändert, denn selbst wenn ich die Jungs nicht mehr vom Eis kenne, versuche ich dennoch, immer informiert zu sein. Die Sportart verändert sich ja auch taktisch, da muss ich dran bleiben und erkennen, was die nun anders machen im Vergleich zu früher und es dem Zuschauer erklären.

Sie blicken fürs Fernsehen auch hinter die Kulissen: Hat sich auch das Training verändert?

Goldmann: Die Trainingseinheiten früher waren deutlich länger, aber weniger intensiv. Nun wird insgesamt etwas weniger trainiert, aber dafür ohne Pause und mit viel höherer Intensität. Auf dem Eis und auch abseits. Im Kraftraum gibt es beispielsweise keine geführten Geräte mehr. Das ist mittlerweile ja auch in den Fitnessstudios angekommen, dort wird auch immer mehr auf das Training mit dem eigenen Körpergewicht gesetzt, da werden Reifen umgeworfen und Seile geschwungen. Das Krafttraining hat sich komplett verändert.

Gehen wir noch einmal in eine ganz andere Richtung: Im April 2018 waren Sie mit Ihrer Familie in Indonesien, als ein Erdbeben die Region erschütterte und Hunderte Tote forderte.

Goldmann: Wir hatten sehr viel Glück, weil wir zum Zeitpunkt des Erdbebens in einer Bambushütte waren. Auch danach war uns noch nicht sofort klar, dass es viele Tote und unheimlich viele Verletzte auf der Insel gab. Erst am nächsten Tag haben wir gesehen , was da alles zerstört wurde, haben mitgekriegt, welche Panik auch bei den Touristen ausgebrochen ist und wie die Indonesier zum Teil von der Regierung alleine gelassen wurden – das war schon ein Moment, der mich sehr geprägt hat.

Deshalb sind Sie noch einmal als Helfer zurückgekehrt?

Goldmann: Ja, ich habe in Deutschland Geld gesammelt und bin für zwei Wochen als Helfer der Erdbebenhilfe zurückgeflogen. Leider war das nicht wirklich von Erfolg gekrönt, die Erdbeben gingen weiter, einer der Helfer hat beim Einsturz eines Hauses ein Bein verloren. Es war eine schwierige Zeit, ich habe auch nie wirklich danach darüber gesprochen, weil da sehr viel passiert ist.

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