Eishockey

Mathias Lange dankt den Fans der Iserlohn Roosters

Mathias Lange im Roosters-Tor, 2014 gegen die Hamburg Freezers.

Mathias Lange im Roosters-Tor, 2014 gegen die Hamburg Freezers.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Mathias Lange erlebte nach vielen Enttäuschungen einen emotionalen Abschied bei den Roosters. Ob er zur Abschlussparty kommt, lässt er offen.

Für Mathias Lange war es eine Herzensangelegenheit, sich ganz besonders von den Fans zu verabschieden. Das hatte er bereits am Freitag vor dem letzten Heimspiel gegen Ingolstadt per Facebook-Mitteilung gemacht. Und während der Partie suchte der ins dritte Glied versetzte Roosters-Torhüter auch den unmittelbaren Kontakt zu den Zuschauern, als er sich Richtung Stehplatztribüne begab. Das sorgte für Jubel, aber die Fans feierten Lange dann auch nach Spielende frenetisch auf dem Eis. Er wurde deutlich emotionaler verabschiedet als der Rest der Mannschaft.

„Es war mir eine Herzensangelegenheit, mich zu bedanken, denn den Fans habe ich viel zu verdanken“, begründet der Klagenfurter sein offensives Vorgehen auch mit gegenseitigem Respekt und Anerkennung. „Dass ich auf’s Eis gehen würde, war so nicht geplant. Aber es war ein schönes Gefühl und sehr emotional. Das ging mir schon sehr nahe. Und jetzt weiß ich: Das war’s!“

Durchaus emotionaler war für ihn der Oktober, als Niko Hovinen als dritter Torhüter an der Seite von Lange und Sebastian Dahm verpflichtet wurde, nachdem die sportliche Leitung um Ex-Trainer Rob Daum nicht mit den Torhüterleistungen zufrieden war. Da war Lange bewusst, wohin die Reise gehen würde. „Mir war klar, dass es keinen Dreikampf geben wird.“ Im Klartext: Er fühlte förmlich, dass es für ihn keine Chance mehr geben würde. „Aber leider hat man mir das erst später so mitgeteilt. So etwas hätte man auch in einigen Tagen klären können“, bedauert er die schlechte Kommunikation. „Das tut auch weh. Diese ersten Tage waren hart. Aber damit muss man leben.“ So etwas komme im Profigeschäft vor. „Die Entscheidung treffen andere. Die Verantwortung müssen sie dann übernehmen, sie bekommen auch die Rechnung dafür.“ Für Lange wurde es daher ein langer Abschied auf Raten.

Professionelles Verhältnis zu den Mitkonkurrenten im Tor

Hätte er diesen durch einen Wechsel verkürzen können? „Es gab die Möglichkeit, in die zweite Liga zu wechseln.“ Aber auch da beklagt er die fehlende Kommunikation. Zudem habe sich weder in der DEL noch in der EBEL in Österreich auf den Torhüterpositionen Gravierendes ereignet. So blieb er also bis zum Saisonende am Seilersee.

Das Verhältnis zu seinen Torhüterkonkurrenten verlief professionell. „Natürlich wird man nicht zu besten Freunden. Denn jeder will spielen.“ Aber speziell zu Sebastian Dahm hat er ein gutes Verhältnis: „Wir respektieren uns gegenseitig und haben uns auch gepusht.“ Auch mit Niko Hovinen habe es keine Probleme gegeben, „aber das Verhältnis ist nicht so wie zu Sebastian. Und Niko ist in eine Situation gekommen, von der er wohl auch nicht wusste, was ihn erwartet.“

Natürlich trüben die letzten Monate den Gesamteindruck des im April 34 Jahre alt werdenden Familienvaters. „Das ist nicht einfach vergessen zumachen. Aber das ist doch auch menschlich.“ Doch seine sportliche Bilanz fällt positiv aus. Seit 2013 gehörte Lange zum Roosters-Kader. „Und als Sportler weiß ich, dass ich vieles richtig gemacht habe. Ich bin sicherlich nicht größenwahnsinnig, aber ich bin Teil dieser Geschichte mit den größten Erfolgen. Wir sind dreimal in Folge ins Viertelfinale gekommen. Und ich habe auch in der letzten Serie dazu beigetragen, dass wir in die Pre-Play-offs gekommen sind.“

Engagement in der DEL genießt oberste Priorität

Und wie geht es nun weiter? Lange möchte seine Karriere fortsetzen, weiß aber, dass er Geduld an den Tag legen muss, die Klubs stünden derzeit nicht Schlange. „Das kann sich ziehen. Aber ich habe keinen Stress.“ Oberste Priorität genießt für Lange die DEL, dann die EBEL und dann die 2. Liga.

Dass die abgelaufene Saison mit nur sechs Einsätzen seine Verhandlungsposition schwächen könnte, glaubt er weniger. „Es wäre zu einfach zu sagen, dass mir Spielpraxis fehlt. Das wäre eine Ausrede“, setzt er auf die sechswöchige Saisonvorbereitung. Und schließlich befinde er sich nicht zum ersten Mal in einer solchen Situation. Bei der Düsseldorfer EG habe er das erlebt, ebenso in der zweiten Liga.

Lange denkt aber auch schon weiter. Er hat einen Bachelor- BWL-Abschluss im Bereich Sportmanagement und könnte sich später eine Tätigkeit als Berater, sportlicher Leiter oder Scout vorstellen. „Ich habe das bei den Roosters auch mal anklingen lassen, dass mich so etwas interessiert. Aber es kam nichts zurück. Das ist jedoch auch okay.“

Nun hat Lange nach sechs Jahren einen Schlussstrich ziehen müssen: „Es ist vorbei.“ Ob er sich noch bei der Saisonabschlussparty am Freitag präsentiert, lässt der Goalie offen. „Aber eigentlich brauche ich nicht eine weitere Verabschiedung“, sagt er auch mit Blick auf den letzten Freitag. „Wenn es überhaupt einen schönen Abschied gibt, war das der schönste.“

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