Eishockey

Toni Söderholm - Der Spieler-Entwickler aus der dritten Liga

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm.

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm.

Foto: Armin Weigel / dpa

Krefeld.  Für Söderholm beginnt am Donnerstag der erste Deutschland-Cup als Eishockey-Bundestrainer. Er glaubt: „Der deutsche Spieler ist besser geworden.“

Es fällt nicht leicht, den gedanklichen Transfer von einer vollbesetzten Eishockey-Arena, in der gerade der äußerst erfolgreiche und beliebte Bundestrainer verabschiedet wird, zu einem noch leeren Eistempel herzustellen, in dem jedes Kratzen der messerscharfen Schlittschuhe, jeder Knall zu hören ist, wenn der Puck gegen die Plexiglasscheibe gedonnert wird. Zwischen diesen Momentaufnahmen liegt die Zeitspanne von einem Jahr, der Ort ist allerdings gleich geblieben.

Vor einem Jahr noch Oberligatrainer

In der Krefelder Yayla-Arena war im vergangenen November Marco Sturm letztmals für die deutsche Eishockey-Mannschaft verantwortlich, mit der er 2018 bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang sensationell Silber gewonnen hatte. Toni Söder-holm steht nun am Ende einer Trainingseinheit vor dem am Donnerstag beginnenden Deutschland-Cup abseits der Eisfläche. Sturms Nachfolger erlebt das traditionsreiche Turnier erstmals als Bundestrainer. Den Abschied von Sturm, der nun Co-Trainer des NHL-Klubs Los Angeles Kings ist, hat er nicht selbst miterlebt. „Ich habe ja gearbeitet“, sagt der 41 Jahre alte Finne. So weit, so normal für einen Eishockey-Trainer.

Die Besonderheit ist, dass Söder-holm zu dem Zeitpunkt nicht einen Klub der Deutschen Eishockey-Liga oder zumindest der DEL2 gecoacht hat, weshalb er an dem verlängerten Wochenende Zeit für einen Besuch in Krefeld gehabt hätte. „Die dritte Liga hatte nicht frei“, sagt Söder-holm und unterstreicht damit noch einmal seinen imposanten Aufstieg in der Trainerszene. Im November 2018 stand er noch beim Oberligisten SC Riessersee in Garmisch-Partenkirchen unter Vertrag. Nun hören die besten deutschen Spieler tatsächlich auf sein Kommando, und der Deutschland-Cup mit den Partien gegen Russland, die Schweiz und die Slowakei stellt für Söder-holm einen neuen Zyklus dar.

„Der deutsche Spieler ist im Durchschnitt besser geworden“

Der bisherige war seit Jahresbeginn schon erfolgreich: Bei der WM im Mai in Tschechien schied die deutsche Mannschaft erst im Viertelfinale mit 1:5 gegen den Gastgeber aus. Bonus für das Erreichen der letzten Acht war die direkte Qualifikation für Olympia 2022 in Peking. Wenn in Krefeld jetzt zahlreiche feste Größen geschont werden, dafür aber fünf Debütanten an der Seite von nur noch acht aus dem letzten WM-Kader verbliebenen Spielern oder dem Rückkehrer Felix Schütz ihre Visitenkarte abgeben sollen, ist das für die Perspektive Peking von Vorteil. „Es gibt noch Baustellen. Aber der deutsche Spieler ist im Durchschnitt besser geworden“, sagt Söderholm.

Der Trainer gilt in Fachkreisen als Spieler-Entwickler, von seinen Jungs erwartet er Fleiß, Detailversessenheit, einen cleveren Umgang mit der Scheibe. „Es muss nicht immer allzu schön sein, aber effektiv.“ Da passt es gut, dass sich in der DEL gerade herausragende Talente wie Tim Stützle (17/Adler Mannheim), die gleichaltrigen John-Jason Peterka (EHC München) und Lukas Reichel (Eisbären Berlin) oder der zwei Jahre ältere Münchener Justin Schütz in den Vordergrund spielen. Das Quartett fehlt in Krefeld, weil es sich gleichzeitig auf die U20-WM im Dezember vorbereitet. „Wenn die Jungs da gut spielen, gibt es auch die Möglichkeit, fünf Monate später bei der Herren-WM in der Schweiz dabei zu sein.“

Draisaitl ist das große Vorbild

Dann könnte es passieren, dass die Youngster eines Tages an der Seite von Leon Draisaitl spielen. Der 24-Jährige überzeugt derzeit in den USA bei den Edmonton Oilers als einer der besten Angreifer der NHL.

Gut möglich, dass sich bei Toni Söderholms erstem Deutschland-Cup schon einige Spieler präsentieren, die vielleicht einmal einen ähnlichen Weg einschlagen können wie Leon Draisaitl.

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