„Etappensieg ist erstes Tour-Ziel“

  Wenn am 7. Juli der Startschuss für die Tour de France fällt, schauen alle auf Marcel Kittel. Der 30-Jährige hat bei der Frankreich-Rundfahrt 14 Etappen gewonnen – mehr als jeder andere Deutsche. 2017 siegte er fünfmal und stellte so einen Landesrekord auf. Doch in diesem Jahr hapert es. Der Thüringer spricht über den Wechsel von Quick-Step-Floors zu Katusha Alpecin und den umstrittenen viermaligen Sieger Chris Froome.

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Wenn am 7. Juli der Startschuss für die Tour de France fällt, schauen alle auf Marcel Kittel. Der 30-Jährige hat bei der Frankreich-Rundfahrt 14 Etappen gewonnen – mehr als jeder andere Deutsche. 2017 siegte er fünfmal und stellte so einen Landesrekord auf. Doch in diesem Jahr hapert es. Der Thüringer spricht über den Wechsel von Quick-Step-Floors zu Katusha Alpecin und den umstrittenen viermaligen Sieger Chris Froome.

Herr Kittel, der Höhepunkt der Saison, die Tour de France, rückt langsam näher. Wie geht es Ihnen?

Marcel Kittel: Ich fühle mich sehr gut, ich bin seit Anfang Juni aus dem Höhentraining in Colorado zurück, das war zusammen mit der Kalifornien-Rundfahrt noch einmal ein richtiger Block, um an der Form zu arbeiten. Der Start in diese Saison war zwar durchwachsen und nicht ganz so erfolgreich wie sonst, aber ich fühle mich auf dem richtigen Weg.

Sie fahren seit dieser Saison für die Mannschaft Katusha Alpecin. Haben sich Ihre Erwartungen in den Wechsel erfüllt?

Es ist natürlich nicht einfach, in der kurzen Zeit schon perfekte Arbeit zu machen, für mich verging die Zeit nach dem Wechsel wie im Flug. Wir arbeiten hart an einem perfekten Sprintzug, aber da gibt es schon noch Defizite, das wissen wir. Rick Zabel, Nils Politt und Tony Martin sind super engagiert und wichtig, aber der Ausfall von Marco Haller nach seinem schweren Trainingsunfall ist für die Tour de France natürlich ein Nachteil.

Sie werden wie in den vergangenen Jahren bei Quick-Step-Floors der Chef Ihres Teams bei der Tour de France sein. Spüren sie da vor ihrem Tour-Debüt für die Schweizer Druck?

Zunächst einmal mag ich das Wort Chef nicht so gerne. Aber es stimmt – ich bin nicht zuletzt mit dem Ziel gewechselt, hier bei Katusha einen starken Sprintzug mitaufzubauen. Wir haben noch Arbeit vor uns, um uns als Mannschaft zu finden, aber der Weg stimmt. Und wir haben ja auch viele junge Fahrer, die schon sehr gut sind, die aber auch noch besser werden können. Auch dabei will ich helfen.

Das heißt die Erwartungen dieses Jahr sind nicht so hoch?

Nein, die Jungs sind stark und auch taktisch clever, aber man kann nicht ernsthaft mit dem Ziel fünf Etappensiege in eine Tour gehen. Zunächst einmal ist wie immer ein Etappensieg mein Ziel, je früher, desto besser.

Hat sich seit den fünf Etappensiegen 2017 für sie etwas verändert, vor allem in Sachen Popularität?

Ich muss nicht unbedingt berühmt werden. Aber ich werde natürlich jetzt schon öfter erkannt und angesprochen, aber das ist schon okay.

Ein anderer Star der Tour ist der Brite Chris Froome. Der fährt allerdings seit Dezember trotz eines immer noch nicht erklärten drastisch überhöhten Werts eines ihm per Attest gestatteten Mittels von der Dopingliste munter weiter Rennen. Finden Sie das in Ordnung?

Es ist keine schöne Situation für den Sport insgesamt. Das Problem liegt am Anti-Doping-Regelwerk, dass Sportlern, die bei der betreffenden Substanz erlaubte Grenzwerte überschreiten, weiterhin eine Teilnahme am Wettkampf ermöglicht und ihnen zusätzlich und ohne jegliche Frist die Möglichkeit gibt, sich zu erklären, wie es zur Überschreitung des Grenzwertes gekommen ist. Genau das ist bei Chris passiert. Und diese Phase der Abklärung zieht sich jetzt ewig, weil sein Team an dieser Stelle auch alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft. Dieses Zeitspiel stößt vielen Leuten übel auf, und ich finde es auch nicht in Ordnung.

Froome sollte also bei der Tour nicht starten?

Das ist schwierig zu beantworten. Das Reglement ermöglicht es ihm und seinem Team, und das wird genutzt. Hier sollte man nicht vergessen, dass sich Team Sky von Beginn an der Transparenz und dem sauberen Sport verschrieben hatte und hier die Chance da gewesen wäre, für diese Werte auch einzutreten und bis zur Klärung mit einem Start von Chris zu warten. Haben sie aber nicht, und Chris fährt weiter Rennen, weil es das Reglement eben zulässt. Wie man das findet, sollte jeder für sich bewerten.

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