Formel 1

Formel-1-Kommentator Wasser: Fahrer wollten keine Absage

Formel-1-Reporter Heiko Wasser.

Formel-1-Reporter Heiko Wasser.

Foto: Ralf Rottmann / Funke Foto Services

Essen.  Der Große Preis von Belgien stand unter dem Eindruck des Todes von Formel-2-Pilot Anthoine Hubert. Ein Interview mit Kommentator Heiko Wasser.

Hinter Heiko Wasser liegt ein schwieriges Wochenende. Der Dortmunder bringt seit 1992 als RTL-Kommentator die Formel 1 in deutsche Wohnzimmer. Der Tod des Formel-2-Fahrers Anthoine Hubert bewegte auch ihn.

Wie stehen Sie dazu, dass die Formel 1 trotz des schrecklichen Unfalls ein Rennen fuhr?

Es war richtig. Die Forderung nach einer Absage ist mir zu einfach. Es ist eine Art Reflex, wenn etwas Schlimmes passiert, direkt eine Pause zu fordern. Aber da fehlt mir die Differenzierung.

Inwiefern?

Wenn man das zum Beispiel mit der Zeit von Niki Lauda vergleicht, zu der die Formel 1 noch viele Todesfälle zu verzeichnen hatte, hat die Formel 1 heute extrem viel dazu gelernt. Wir haben seit vier Jahren keinen Todesfall mehr erleben müssen. Der Sicherheitsaspekt hat sich enorm entwickelt. Die hundertprozentige Sicherheit kann und wird es nie geben.

Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Ich bin seit 28 Jahren dabei, der Unfall ist mir sehr nahe gegangen. Alle waren sehr betroffen. Ich habe erlebt, wie viele Leute ihre Köpfe zusammengesteckt haben und versucht haben, diesen Eiertanz zwischen Trauer und „Wie geht es weiter?“ hinzubekommen. Auch ich musste mir die Fragen stellen: Wie kommentiere ich das Rennen? Was ist, wenn mir ein zu flapsiger Spruch rausrutscht? Am Ende habe ich versucht, angemessen meinen Job zu machen.

Was war am Ende ausschlaggebend fürs Weitermachen?

Die Fahrer wollten es so. Ich habe viele Gespräche geführt, in denen mir das bestätigt wurde. Die Fahrer sprechen von einem „Freak-Unfall“. Einem Unfall, der in einem von zigtausend Fällen passiert. Sie kennen das Risiko. Sie wollten keine Absage. Wie soll es auch sonst weitergehen? Als nächstes sind wir in Monza, das ist auch eine schnelle Strecke – sollte man das Rennen dann auch gleich absagen

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