Kommentar

Alle gegen Hamann: Die Meinungsdiktatur des FC Bayern

Schalke-Kritiker: Sky-Experte Dietmar Hamann.

Schalke-Kritiker: Sky-Experte Dietmar Hamann.

Foto: imago

Hamburg.  Dass Münchens Sportdirektor Salihamidzic wegen kritischer Worte Didi Hamann Ahnung von Fußball abspricht, lässt tief blicken. Ein Kommentar.

Didi Hamann, inzwischen 45 Jahre alt, hat 106 Bundesliga-Spiele für den FC Bayern und 268 Spiele in der Premier League absolviert, unter anderem für den FC Liverpool und für Manchester City. Er wurde zweimal Deutscher Meister und gewann mit Liverpool sogar in jenem legendären Finale 2005 gegen AC Mailand die Champions League.

Man darf also davon ausgehen, dass Didi Hamann erstens über Fußballkenntnisse verfügt und zweitens nicht leichtfertig die Sichtweise von Spielern übergeht. Dass ihm der noch immer unerfahrene Sportdirektor Hasan Salihamidzic trotzdem jede Ahnung von Fußball abspricht und damit das Recht auf freie Meinungsäußerung, lässt beim FC Bayern erneut tief blicken.

Hamann kritisierte Robert Lewandowskis Körpersprache

Als Experte des Bundesliga-Senders Sky hatte sich Hamann das Recht herausgenommen, die Körpersprache des hochbezahlten Bayern-Torjägers Robert Lewandowski in Zusammenhang mit dessen Spielweise zu setzen. Er kam zu dem mutigen Schluss: Womöglich sollte der FC Bayern seinen Stürmer im Sommer abgeben.

Wer sowas sagt, muss natürlich mit Widerspruch rechnen. Sein ehemaliger Mitspieler Lothar Matthäus, kurioserweise ebenfalls beim TV-Sender Sky unter Vertrag, tat dies in der Sache betont sachlich. So ist das beim Fußball: An jedem Stammtisch, an jedem Arbeitsplatz wird über Fußball diskutiert, kontrovers und nicht immer fundiert. Deutschland hat 80 Millionen Bundestrainer.

Didi Hamann, das Problem von Sky?

Wenn Salihamidzic in seiner Replik aber Hamann grundsätzlich den Mund verbieten will, flankiert von Lewandowski samt Berater auf der einen und Bayern-Bossen auf der anderen Seite, und ihn zum „Problem für Sky“ abkanzelt, wird es nicht nur persönlich, sondern gefährlich. Was und wie viel dürfen die Medien noch am Millionenspiel des FC Bayern kritisieren?

„Das, was er macht, ist einfach eine Kampagne - weil er die Spiele nicht richtig schauen kann“, wetterte Salihamidzic gegen Hamann. „Ich glaube nicht, dass Robert Lewandowski ein Problem für Bayern ist, sondern Didi Hamann ist ein Problem für Sky. Da muss Sky mal drüber nachdenken.“ Deutlicher konnte er keine Personalmaßnahme von Sky fordern.

Ein eigenes Medien-Imperium in München

Bayern München baut nicht nur ein eigenes Medium-Imperium auf, das dank des exklusiven Zugangs zu Spielern und Verantwortlichen eigene Wahrheiten in der Öffentlichkeit durchzudrücken versucht. Erst kürzlich wollten Präsident Uli Hoeneß und sein Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in ihrem berühmten Pressekonferenz die Berichterstattung von außen ganz beschneiden.

Veröffentlicht werden sollte nur, was aus Bayern-Sicht dienlich ist. So hätten sie’s am liebsten: Wiedergeben, was vorgesetzt wird. Rudi Völler, damals schon bei Leverkusen, hat das 2012 auch schon gemacht. Er nannte die Sky-Runde eine „Muppet-Show“. Keiner aus dem Kreis, namentlich Steffen Freund und Jan Age Fjörtoft, blieb noch lange dabei.

Nun also Didi Hamann. Es geht nicht allein um ihn und seine Einzelmeinung. Über die kann man, siehe oben, trefflich streiten. Und Bayern steht es natürlich zu, den eigenen Spieler vor zu viel Kritik zu schützen. In diesem Fall sieht es anders aus. Da steht mehr auf dem Spiel: Wie viel Meinungsdiktatur darf man dem Bundesliga-Marketing noch zugestehen?

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