Kommentar

Corona könnte Thomas Müller zum sportlichen Verlierer machen

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) konnte sich - abgesehen von der WM 2018 in Russland, als das ganze deutsche Team schlecht war - immer auf Thomas Müller verlassen.

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) konnte sich - abgesehen von der WM 2018 in Russland, als das ganze deutsche Team schlecht war - immer auf Thomas Müller verlassen.

Essen.  Die Bayern binden in Thomas Müller einen Leistungsträger bis 2023. Die Chance auf ein DFB-Comeback bei Joachim Löw schwindet aber. Ein Kommentar.

Wenn der neue Vertrag von Thomas Müller im Sommer 2023 ausläuft, sind es nur noch wenige Wochen bis zum 34. Geburtstag des Weltmeisters von 2014. Das ist insofern interessant und nicht zu vernachlässigen, da das Urgestein des FC Bayern München eine Position bekleidet, die im internationalen Spitzenfußball deutlich jüngeren Kollegen vorbehalten ist. Offensiv, lieber außen, gerne aber auch mal in der Zentrale in unmittelbarer Entfernung zum gegnerischen Tor: Wer dort zu den Besten der Welt zählt, hat für gewöhnlich gerade mal so eben die Zahl 2 bei seiner Altersangabe vorne stehen.

Bis zur durch das Coronavirus bedingten Unterbrechung der Bundesliga hat Thomas Müller aber eindrucksvoll seinen immer noch großen Wert für den deutschen Rekordmeister unter Beweis gestellt. Sechs Tore und 16 Vorlagen in 25 Partien sind Topwerte für einen Offensivspieler. Dass die Bayern nun mit einem Leistungsträger verlängert haben, liegt in der Natur der Sache.

In der Form ist Thomas Müller ein Mann für Joachim Löw

Denn Thomas Müller – der Mann, der auf dem Bundesligarasen mit seinen Armen und Beinen krakenartige Kunststücke vollbringen kann, von denen teils im Zirkus angestellte Akrobaten nur zu träumen wagen – ist auch aktuell ein Profifußballer, der den höchsten Anforderungen des höchst anspruchsvollen FC Bayern entspricht. Und wenn dies der Fall ist, stellt sich automatisch die Frage: Müsste er dann mit seinem Leistungsvermögen nicht auch ein Mann für Joachim Löw sein?

Die Corona-Krise wird viele Opfer im Profifußball fordern – auf den Geschäftsstellen, bei Platzwarten und in anderen Bereichen. Thomas Müller könnte durch die Pandemie in München einer der wenigen ernsthaft sportlich Leidtragenden werden. Ein Titel mehr oder weniger für den FC Bayern? Geschenkt. Aber zuletzt wirkte auch Bundestrainer Löw nachdenklich, den eigentlich für die DFB-Auswahl aussortierten Müller noch mal in den Kreis der möglichen EM-Teilnehmer aufzunehmen.

Löw muss auch 2021 noch mit Müller für die EM rechnen

Doch durch die Verlegung der Europameisterschaft um ein Jahr wird es auch für Müller immer schwieriger, ein 101. Länderspiel und ein Turnier im Sommer 2021 zu absolvieren. Er muss seine Form in die Post-Corona-Zeit hinüberretten und noch einmal so eine Saison wie bisher hinlegen. Daran bestehen Zweifel? Nun, nur die Wenigsten haben in Thomas Müller nach der Degradierung durch Löw noch einmal so eine Bereicherung für den FC Bayern gesehen, wie sie der 30-Jährige zuletzt war. Sofern Joachim Löw im nächsten Sommer allein nach Leistung nominieren wird: Thomas Müller stellt seinen Konkurrenten auf dieser Position sicherlich keinen Freifahrtschein aus. Sollte er in der Zeit, in der der Ball wieder rollt, der gleiche wie zuletzt sein, muss ihn Löw sogar mit zur EM 2021 nehmen.

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