Bundesliga

Erleichterung im Leipzig nach dem 1:1 gegen die Bayern

Tor für Leipzig: Emil Forsberg hat per Elfmeter getroffen und jubelt.

Tor für Leipzig: Emil Forsberg hat per Elfmeter getroffen und jubelt.

Foto: Foto: Maja Hitij / Getty Images

Leipzig.  Im Spitzenspiel war der Tabellenführer RB Leipzig gegen den Meister FC Bayern eine Zeit lang überfordert. Die Punkteteilung gibt Hoffnung.

Den Überblick verliert Willi Orban nur selten. Aber nach dem Duell mit den Bayern Samstagabend in der Red-Bull-Arena hatte der Abwehrchef von RB Leipzig sichtlich Mühe, die Ereignisse aus den vergangenen 90 Minuten in die richtige Reihenfolge zu bringen. Richtig hieß: 1:0 Robert Lewandowski (3.), 1:1 Emil Forsberg (45.), was bereits zur Pause den Endstand in der Partie zwischen dem aktuellen Tabellenführer und dem amtierenden Meister bedeutete. Orban aber war froh, „dass wir nur mit einem 0:1 in die Kabine gegangen sind“.

Der Kapitän hatte den Ausgleich durch einen Strafstoß seines schwedischen Kollegen nach einem Foul von Lucas Hernandez an Yussuf Poulsen Sekunden vor dem Pausenpfiff einfach immer noch nicht an der richtigen Stelle abgespeichert. Weil er so schwer zu verdauen gewesen ist? Offenbar.

Noch nie zuvor ist RB in einem der bislang acht Spiele gegen den FC Bayern derart überfordert und chancenlos gewesen. Zumindest was die erste Hälfte betraf. Bereits in der dritten Minute hatte Lewandowski nach einem Ballraub von Thomas Müller bei Lukas Klostermann das 1:0 erzielt. Der Treffer war bereits der siebte des Polen in dieser Saison und zugleich der Auftakt zu einer Halbzeit, die Bayerns Trainer Nico Kovac später als die „beste meiner Mannschaft“ bezeichnete, seit er vor einem Jahr seinen Job antrat.

Erst Forstbergs Elfmetertor weckt Leipzig auf

Bis auf 74 Prozent schraubten die Bayern in diesen ersten 45 Minuten ihren Ballbesitz hoch und ließen ihren Gegenspielern nicht den Hauch einer Chance, selbst ins Spiel zu kommen. Angriff auf Angriff rollte stattdessen auf ihr Tor zu, das Lewandowski zwei weitere Mal knapp verfehlte (12., 33.). Bei der dritten Möglichkeit fand er in Keeper Peter Gulacsi seinen Meister (15.).

Es war ein Anblick zum Erbarmen, den die Leipziger zu diesem Zeitpunkt ihrem Publikum präsentierten, und sie schienen mit dem 0:1 bereits in die Kabine getaumelt zu sein, als Forsberg vom Elfmeterpunkt traf.

Plötzlich war alles wieder offen – und die Pause ein Geschenk, das RB annahm wie Forsberg den Elfmeter. Mit einem einfachen Kniff holte Trainer Julian Nagelsmann seine Elf aus der Lethargie. Er machte aus seiner Fünfer- eine Viererkette und postierte mit Diego Demme einen zweiten „Sechser“ zentral vor die Abwehr. Endlich waren die Kräfteverhältnisse in Balance. Mit offenem Visier rannten beide Teams fortan aufeinander los, und Schlag auf Schlag brachten die Stürmer auf beiden Seiten das Pausen-Ergebnis in Bedrängnis. Ihren Schlussleuten hatten sie es zu verdanken, dass das 1:1 Bestand hatte. Manuel Neuer entschärfte drei Leipziger Hochkaräter durch Nordi Mukiele (50.), Marcel Sabitzer (60.) und Timo Werner (87.), Gulacsi ebenfalls drei durch Corentin Tolisso (64.), Kingsley Coman (74.) und Niklas Süle (90.).

Die nächste Standortbestimmung heißt Lissabon

Als es vorbei war, überwog im Stadion das Gefühl, dass die Punkteteilung „nicht mega-unverdient“ gewesen ist, wie Nagelsmann stellvertretend befand, dem die Erleichterung nach diesem doppeldeutigen Spiel ins Gesicht geschrieben stand. An diesem Montag fliegen die Sachsen nämlich bereits zur nächsten Standortbestimmung, um herauszufinden, ob sie nach knapp drei Monaten Zusammenarbeit mit dem 32 Jahre alten Trainer so gut sind, wie der Tabellenplatz suggeriert.

RB Leipzig reist nach Lissabon zur Auftaktpartie in die Champions League gegen den portugiesischen Meister Benfica (Anstoß Dienstag, 21 Uhr). „Wir sind mit zehn Punkten aus vier Spielen gut gestartet und haben keine extremen Sorgen“, sagte Nagelsmann. Lediglich den Ausfall von Kevin Kampl muss er kompensieren, der auch schon die Bayern-Partie wegen Problemen am Sprunggelenk weglassen musste. Darüber hinaus aber „ist es grundsätzlich hilfreich, mit einem guten Gefühl aus der Liga in den Europapokal zu gehen.“ Allemal nach dieser einen Halbzeit gegen die Bayern. „Das wird uns in Lissabon helfen.“

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