VfB Stuttgart

Ex-Schalke-Profi Dennis Aogo: „Weinzierl hat sich verändert“

Dennis Aogo im Trikot des VfB Stuttgart

Dennis Aogo im Trikot des VfB Stuttgart

Foto: Getty

Stuttgart.  Dennis Aogo kämpft mit dem VfB Stuttgart gegen den Abstieg – und arbeitet wie auf Schalke mit Trainer Markus Weinzierl zusammen. Das Interview.

Der VfB Stuttgart steckt im Abstiegskampf und muss jetzt ausgerechnet zu Borussia Mönchengladbach. Für Stuttgart spielt Dennis Aogo. Im Interview spricht er über seinen Klub und seine Karriere.

Herr Aogo, Sie haben am Wochenende Ihr 250. Bundesliga-Spiel absolviert. Stolz?

Dennis Aogo: Ja, das bin ich, denn das ist schon eine hohe Zahl. Vor allem, weil bei mir ja auch noch einige Zweitligapartien dazukommen. Das ist nicht selbstverständlich.

Wollen Sie noch die 300 knacken?

Dennis Aogo: Das will ich auf jeden Fall. Ich will meine Karriere noch nicht ausklingen lassen, dafür fühle ich mich derzeit zu fit.

Wie fühlt es sich an, zu so einem späten Karriere-Zeitpunkt noch mal gegen den Abstieg zu kämpfen?

Dennis Aogo: Fußball ist nun mal kein Wunschkonzert. Mir war klar, bevor ich nach Stuttgart gewechselt bin, dass es eine schwierige Aufgabe wird. Auch in dieser Saison, auch wenn in der Vorbereitung die Erwartungshaltung von einigen im Umfeld des Vereins sehr hoch war.

Wie hilft Ihnen da Ihre Erfahrung?

Dennis Aogo: Ich habe in meiner Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt, deswegen bringe ich mittlerweile eine gewisse Stressresistenz mit. Ich habe schon oft in einem Umfeld gearbeitet, in dem die Erwartungen sehr hoch waren. Deswegen kann ich der Mannschaft helfen.

Woher kommt die Fähigkeit zu dieser Stressresistenz?

Dennis Aogo: Ich war schon als Jugendlicher mit Herausforderungen konfrontiert, musste wegen des Fußballs schon früh zuhause ausziehen, das Heft selbst in die Hand nehmen. Da habe ich mich einfach dafür getrimmt, wenig Schwächen zuzulassen und mich gegen Widerstände zu behaupten. Das war am Anfang nicht so leicht, aber mit den Jahren wächst man.

Warum hat der VfB Stuttgart bislang solche Probleme?

Dennis Aogo: Den genauen Grund kenne ich auch nicht. Manchmal gerät man in einen Negativlauf. Das gibt es auch umkehrt, wie wir in der vergangenen Rückrunde erlebt haben. Als wir auch Spiele gewonnen haben, ohne genau zu wissen, warum das jetzt geklappt hat. Am Ende sind die Gründe aber auch nicht wichtig, sondern wir müssen jetzt fokussiert bleiben und daran arbeiten, da rauszukommen.

Wie fahren Sie am Wochenende nach Mönchengladbach?

Dennis Aogo: Die Partie wird nicht einfach. Gladbach ist sehr, sehr gut. Wir treten da an, um zu gewinnen.

Einige bezeichnen Sie als Führungsspieler. Wie würden Sie Ihre Rolle in Stuttgart beschreiben?

Dennis Aogo: Ob ich ein Führungsspieler bin, das müssen andere beurteilen. Ich stelle mich jedenfalls nirgendwo hin und sage: ,Ich bin jetzt Führungsspieler.‘ Ich versuche, auf meine Art Einfluss zu nehmen und dabei authentisch zu bleiben.

Aogo: Kein Chaos beim VfB Stuttgart

Von außen wirkt Stuttgart chaotisch. Wie durcheinander ist der Klub?

Dennis Aogo: Ich habe auf Schalke und in Hamburg gearbeitet, da kann man in Stuttgart jetzt nicht davon sprechen, dass es chaotisch ist. Im Gegenteil. Hier wird viel Wert auf klare Strukturen gelegt, der Klub ist bodenständig. Aber wie auf Schalke und beim HSV wachsen die Erwartungen schnell, wenn man gewinnt.

Bereuen Sie Ihren Wechsel zum VfB?

Dennis Aogo: Überhaupt nicht. Ich habe mich gefreut, dass ich zu einem Verein mit so einer Strahlkraft konnte.

Sie befinden sich in Ihrer 15. Saison, hatten aber schon 21 Trainer. Wie beurteilen Sie das?

Dennis Aogo: Das ist schon eine unfassbar hohe Zahl. Das zeigt, dass die Tendenz hin zum frühen Trainerwechsel geht. Dabei bin ich eigentlich ein Freund von Kontinuität. Man sollte einem Trainer möglichst die Zeit geben, um seine Vorstellungen umzusetzen. Gerade jüngeren Spielern nützt es, länger mit einem Trainer zu arbeiten.

Wie verhält sich eine Mannschaft, wenn ein neuer Trainer kommt?

Dennis Aogo: Es ist ein wenig wie in der Schule, wenn ein neuer Klassenlehrer kommt. Alle sind, auch wenn sie es nicht zugeben, angespannt und aufgeregt. Einige haben Angst, ihre Position zu verlieren. Andere hoffen, eine neue Chance zu kriegen. Jeder muss sich neu zeigen, deswegen entsteht in jedem Fall eine neue Energie.

Sie arbeiten zum zweiten Mal mit Markus Weinzierl zusammen, hat er sich seit seiner Schalke-Zeit verändert?

Dennis Aogo: Ja, ich finde, Markus Weinzierl hat sich verändert. Ich hatte auch auf Schalke, obwohl ich selten gespielt habe, ein gutes Verhältnis zu ihm. Aber jetzt ist er noch einen Tick offener, zugänglicher im Umgang.

Was zeichnet ihn ansonsten aus?

Dennis Aogo: Er arbeitet akribisch, bereitet sich gut vor.

Sind Sie enttäuscht, dass es nicht mehr Länderspiele als zwölf geworden sind?

Dennis Aogo: Vielleicht war ich damals einfach für den Schritt noch nicht bereit, weil wir damals beim Hamburger SV eine schwierige Phase hatten. Da habe ich mich schwergetan, mit dem nötigen Selbstbewusstsein zur Nationalmannschaft zu fahren, das es benötigt hätte, um mehr Spiele zu machen.

Aogo drückt Schalke beim Derby die Daumen

Am Samstag ist Derby. Drücken Sie Schalke die Daumen?

Dennis Aogo: Ja, das mache ich. Ich war vier Jahre auf Schalke, habe den Verein mit gelebt. Das Derby war immer geil. Es waren geile Momente.

Sie spenden im Rahmen des Projekts „Common Goal“ zwei Prozent Ihres Gehalts. Warum?

Dennis Aogo: Ich bin ein total überzeugt davon, dass wenn wir alle einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es anderen besser geht, dann wird ein großer Teil daraus. Ich finde, dass jeder Mensch etwas in seiner Gehaltsklasse tun kann.

Würden Sie sich wünschen, dass noch mehr Profis mitmachen?

Dennis Aogo: Ja, das ist auch der Sinn, deswegen spreche ich gerne über das Projekt, nicht weil ich mich profilieren will.

Wie groß ist die Bereitschaft?

Dennis Aogo: Die ist da. Wir müssen davon wegkommen, viele Sachen kaputtzureden. Die Beweggründe, warum man hilft, sind nicht so wichtig, sondern dass man hilft. Darauf kommt es an.

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