Interview

Otto Rehhagel über RWE und die Entwicklung im Fußball

Otto Rehhagel ist ein Fan aller Reviervereine. Am Mittwoch schaute er sich Rot-Weiss Essen an.

Foto: firo

Otto Rehhagel ist ein Fan aller Reviervereine. Am Mittwoch schaute er sich Rot-Weiss Essen an. Foto: firo

Essen.  Otto Rehhagel spricht über RWE, kritisiert die Entwicklung des Fußballs und erklärt, warum man ihn nicht mit Jupp Heynckes vergleichen kann.

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Vor der Auslosung des Niederrheinpokal-Viertelfinals wurde gegrölt, gesungen und gelacht. Und dann herrschte plötzlich Stille. Es war ein besonderer Moment in der Gaststätte am Uhlenkrug. Ein Moment, an dem alle an den Lippen eines Mannes hingen. Otto Rehhagel war zu Gast und fungierte gleichzeitig als Losfee. "Ehrlich gesagt war mir nur wichtig, dass Rot-Weiss die Chance erhält in die nächste Runde zu kommen", sagte er im Anschluss. Und als die Trainer-Legende dann auch noch die eine oder andere Anekdote aus der Schublade kramte, horchten alle gespannt zu. Diese Redaktion sprach nach der Auslosung exklusiv mit dem 79-Jährigen.

Herr Rehhagel, Sie haben sich die Partie zwischen dem ETB Schwarz-Weiß und Rot-Weiss Essen am Uhlenkrug angesehen. Lässt Sie der Fußball nie los?

Otto Rehhagel (lacht): Niemals. Wenn ich die Gelegenheit dazu habe, gehe ich auch sehr gerne an die Hafenstraße. Ich liebe generell alle Vereine aus dem Ruhrgebiet. Ich gehe oft zu Schalke, zu Dortmund und natürlich auch zu Rot-Weiss Essen. Bei RWE habe ich ja noch als junger Mann angefangen. Deshalb verfolge ich die Situation dort auch aufmerksam.

Wie hat Ihnen denn das Lokalderby gefallen?

Otto Rehhagel: Ich hätte mir ein wenig mehr Spannung gewünscht. Schade, dass der Treffer des ETB nicht anerkannt wurde. Das hätte dem Spiel gutgetan. Vielleicht wäre es noch einmal dramatisch geworden, wenn Schwarz-Weiß der Anschlusstreffer gelungen wäre. RWE hat zwar nicht überragend gespielt, aber das Spiel einigermaßen beherrscht und es schlussendlich auch über die Bühne gebracht.

Rot-Weiss Essen spielt seit 2011 in der Regionalliga. Blutet Ihnen da manchmal das Herz?

Otto Rehhagel: Ich verfolge das immer aus einer gewissen Entfernung. Bei RWE sind die Möglichkeiten einfach nicht so gegeben wie bei Vereinen, die in höheren Ligen spielen. Sie brauchen einfach ein glückliches Händchen. Es dürfen nicht irgendwelche Spieler verpflichtet werden, sondern gute Spieler. Aber gute Spieler kosten auch gutes Geld. Es ist einfach enttäuschend, dass dieser ganze Kreislauf heutzutage so fest zementiert ist.

Wie meinen Sie das?

Otto Rehhagel: Was mich stört, ist die Entwicklung des Fußballs. Es gibt mittlerweile einfach keine Chancengleichheit mehr. Früher konnte Uerdingen auch mal die Bayern in der Bundesliga schlagen. Solche Überraschungen gibt es nicht mehr. Der beste Fußball wird dort gespielt, wo das meiste Geld ist. Die Kleinen bleiben klein und haben auch keine Chance mehr, nach oben zu kommen. Außer, und das habe ich mal im Bezug auf Rot-Weiss Essen gesagt, der Scheich von Dubai klingelt an.

Vielleicht könnten Sie helfen...

Otto Rehhagel: Ach wissen Sie, ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Ich bin niemandem mehr etwas schuldig – nur meiner Frau. Die Zeit, die mir noch bleibt, will ich nutzen, um all die Dinge zu erleben, von denen ich als junger Mann geträumt habe. Im Ruhestand kann ich meine Freunde besuchen. Freunde in Japan, in Russland, in den USA oder Wynton Rufer in Neuseeland.

Jupp Heynckes hat seinen Ruhestand aber auch ein wenig nach hinten verschoben.

Otto Rehhagel: Das ist eine andere Situation. Der Jupp ist ja noch ein junger Hüpfer (lacht). Er kennt alle Spieler, und er kennt alle Verantwortlichen beim FC Bayern. Dort hat er seine Freunde Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Das passt meiner Meinung nach sehr gut, und ich hoffe, dass die Dinge so aufgehen, wie sie sich das wünschen.

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