Bundesliga-Aufreger

Trotz Versöhnung mit Streich: Abraham droht lange Sperre

Skandalöser Rempler: Frankfurts Kapitän David Abraham rennt Freiburgs Trainer Christian Streich um.

Skandalöser Rempler: Frankfurts Kapitän David Abraham rennt Freiburgs Trainer Christian Streich um.

Foto: imago

Freiburg.  Der Check des Frankfurter Kapitäns gegen Freiburgs Trainer Streich wird Folgen haben. Auch wenn die Beteiligten zügig um Ruhe bemüht waren.

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Eine Stunde nach dem Abpfiff hatten sich die Übeltäter schon wieder lieb. Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt teilte auf seinem Twitter-Kanal ein Bild eines freundschaftlichen Handschlags zwischen Eintracht-Kapitän David Abraham und Vincenzo Grifo vom SC Freiburg. „Christian Streich, David Abraham und Vincenzo Grifo haben sich nach dem Spiel ausgesprochen“, schrieben die Hessen dazu.

Der 1:0-Sieg der Freiburger war nach dem Abpfiff zur Nebensache geraten. Denn Abraham hatte in der hitzigen Nachspielzeit für ein Novum im deutschen Profifußball gesorgt. Einen gegnerischen Trainer per Bodycheck niederzustrecken, das hatte es in der 56-jährigen Bundesliga-Geschichte bis dato noch nicht gegeben. Für seinen heftigen Stoß gegen Freiburgs Trainer Streich sah der Argentinier völlig zurecht Rot von Schiedsrichter Felix Brych, genau wie der bereits ausgewechselte Grifo, der in der anschließenden Rudelbildung Abraham unwirsch an den Hals fasste.

„Er hat sich provoziert gefühlt“

Doch was hatte den Eintracht-Kapitän überhaupt zu dessen Ausraster hingerissen? „Er hat sich provoziert gefühlt“, sagte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic bei „Sky“, „aber das darf ihm nicht passieren.“ Streich hatte in der Szene kurz vor dem Abpfiff einen Ball an sich vorbeitrudeln lassen, schließlich einen ganz kleinen Schritt in die Laufrichtung Abrahams gemacht und zumindest sichtbar auch etwas gesagt.

Ob der bisweilen am Seitenrand impulsive Trainer damit den Frankfurter provozieren wollte, bleibt allerdings spekulativ – und selbst dann handelt es sich noch immer um eine klare Tätlichkeit des 33-Jährigen. Es war nicht der erste Aussetzer, den sich der Heißsporn leistete. Im Dezember 2016 war die Aufregung groß, als ein heftiger Ellenbogenschlag in das Gesicht des damaligen Hoffenheimers Sandro Wagner ungesühnt blieb. Wenige Wochen später flog Abraham nach einem groben Foul gegen den FC Ingolstadt vom Platz, als er Dario Lezcano mit gestrecktem Bein in den Bauch trat.

Streich reagiert gelassen

Nach dem Spiel waren die direkt Beteiligten vorrangig damit beschäftigt, die Wogen wieder zu glätten. Auch Christian Streich. „Und dann hätt’ er mich halt einfach über den Haufen gerennt, heißt das auf Alemannisch“, kommentierte der 54-Jährige die Szenerie gewohnt flapsig. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Abraham beim Freiburger Trainer bereits entschuldigt. „Ich wollte in der letzten Minute der Nachspielzeit den Ball so schnell wie möglich wieder ins Spiel bringen und hätte ausweichen müssen“, heißt es in einer von der Eintracht veröffentlichten Stellungnahme des Abwehrspielers. Streich konnte da schon wieder lachen: „Ich habe gesagt: ,David, alles okay.’ Dann sagte er: ,Ich habe gedacht, du bist ein bisschen stabiler.’“

Streich hatte es am Sonntagabend tatsächlich unsanft und schmerzhaft zu Boden gerissen. Wie ein Käfer lag er – alle Viere von sich gestreckt – auf dem Rücken. Schauspielerei war ihm nicht vorzuwerfen – anders als seinen Berufskollegen Norbert Meier und Heiko Herrlich, die einst ebenfalls im Kontakt mit einem gegnerischen Spieler zu Boden gegangen waren. Beim unvergessenen Tête-à-Tête zwischen Meier als Trainer des MSV Duisburg und dem damaligen Kölner Albert Streit 2005 sowie bei dem kleinen Rempler von Mönchengladbachs Denis Zakaria im Dezember 2017 gegen Herrlich, damals verantwortlich bei Bayer Leverkusen, gaben sich die beiden Trainer aber eher der Lächerlichkeit preis.

DFB dürfte Exempel statuieren

Trotz aller Beschwichtigungen – um eine saftige Sperre wird Abraham wohl nicht herumkommen. Wie üblich nach Roten Karten, wird der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes einen Strafantrag an das Sportgericht stellen. Dort wird schließlich die Strafe verhandelt. „Ich würde schon von einer Sperre von vier bis sechs Wochen ausgehen“, sagt Jürgen Jansen im Gespräch mit dieser Redaktion. Der Essener leitete 143 Spiele in der Bundesliga und arbeitete bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland als Schiedsrichter-Experte der ARD. „So eine Szene habe ich noch nie erlebt“, sagt der 59-Jährige.

Auch um mögliche Nachahmer nicht auf dumme Ideen kommen zu lassen, dürfte der DFB beim Strafmaß ein Exempel statuieren. „Da wird sicher ein Signal gesetzt. Wenn die Öffentlichkeit nicht sieht, dass bei derartigen Entgleisungen mit drastischen Strafen dagegengehalten wird, wirkt es, als könne man das ja mal machen“, sagte Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer dem Online-Portal Spox. Ob Abraham auch intern eine Strafe erhält, ist noch unklar. Eintracht-Kapitän soll er bleiben. Das verkündete Trainer Adi Hütter.

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