Kommentar

Effenberg und der KFC Uerdingen: Eine alberne Luftnummer

Missverständnis beendet: Stefan Effenberg (links) und Mikhail Ponomarev, Klubchef des KFC Uerdingen.

Missverständnis beendet: Stefan Effenberg (links) und Mikhail Ponomarev, Klubchef des KFC Uerdingen.

Foto: Firo

Essen.  Das Kapitel Effenberg beim KFC Uerdingen ist vorbei. Es stellt sich die Frage: Was sollte diese Nummer eigentlich? Ein Kommentar.

Groß war das Getöse, als der KFC Uerdingen Anfang Oktober Stefan Effenberg als neuen "Manager Sport" vorstellte. Der ehemalige Nationalspieler solle künftig Geschäftsführer Nikolas Weinhart und Vereinsboss Mikhail Ponomarev "in den sportlichen Entscheidungsprozessen zur Seite stehen", hieß es damals. Grundsätzlich eine nachvollziehbare Idee, hatte der KFC doch in den eineinhalb Jahren 3. Liga in Sachen Kaderplanung ein unglückliches Händchen bewiesen. Die Aufgaben eines Sportdirektors übernahm zumeist Weinhart selbst.

Keine acht Monate später ist das Kapitel Effenberg in Krefeld bereits Geschichte. In einer knappen Pressemitteilung verabschiedete der Drittligist den 51-Jährigen, der selbst sein Amt niedergelegt haben soll. Dabei sprach Effenberg doch bei seiner Antrittsrede noch von "Kontinuität und Ruhe", die beim KFC endlich einkehren solle. Das Ziel ging gewaltig daneben und nun stellt sich die Frage: Was sollte diese ganze Nummer eigentlich?

Präsenz als TV-Experte wirkte wichtiger als die Aufgaben in Uerdingen

Einen nennenswerten Arbeitsnachweis ist Effenberg bis heute schuldig geblieben, auch wenn er in seinem abschließenden Statement behauptete, dass er und der Verein "einiges erreicht" hätten. Zu Beginn wirkte der Ex-Profi noch motiviert, war häufig nicht nur bei den Spielen, sondern auch beim Training zu sehen. Doch die Lust schien schnell abzuflauen. Die Omnipräsenz als TV-Experte, gerade im "Doppelpass", wirkte bisweilen wichtiger als die Aufgaben in Uerdingen.

So bleibt vom ehemaligen Paderborn-Trainer eigentlich nur eine Entscheidung nachhaltig in Erinnerung. Und diese sorgte deutschlandweit für Hohn und Spott - und jede Menge Kritik. Das Winter-Trainingslager in Italien, welches Effenberg über persönliche Kontakte organisiert hatte, geriet zum Komplett-Desaster. Miserable Trainingsbedingungen sorgten dafür, dass der KFC nach nicht einmal zwei Tagen nach Deutschland zurückkehrte und (wieder einmal) eine Vorbereitung fahrlässig verschenkte. Bereits da, so berichtet es die "Rheinische Post", soll es mehr oder minder zum Bruch zwischen den KFC-Bossen und Effenberg gekommen sein. Bei den Winter-Transfers des KFC und auch der Rückholaktion von Stefan Krämer als Trainer soll "Effe" kaum mehr involviert gewesen sein.

Zugleich muss sich der KFC Uerdingen aber auch wieder einmal vorwerfen lassen, bei personellen Entscheidungen mehr auf Namen als auf Qualität geachtet zu haben. Warum Effenberg ausgerechnet für die 3. Liga ein Experte sein soll, erschien schon bei dessen Amtsantritt als fraglich, die vergangenen acht Monate haben diese Zweifel bestätigt. Ein fähiger Kaderplaner wird an der Grotenburg dringend benötigt - doch auch nach fast zwei Jahren in der 3. Liga scheint dies noch nicht begriffen worden zu sein - Professionalität sieht anders aus. Effenberg war es wenig überraschend nicht. Die Liaison zwischen den beiden Parteien war nicht mehr als eine alberne Luftnummer, in der Nachbetrachtung ja fast schon ein PR-Gag.

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