Borussia Dortmund

Dem BVB steht eine ungemütliche Länderspielpause bevor

Die Enttäuschung ist BVB-Trainer Lucien Favre anzusehen. Im Hintergrund jubelt Freiburg-Coach Christian Streich.

Die Enttäuschung ist BVB-Trainer Lucien Favre anzusehen. Im Hintergrund jubelt Freiburg-Coach Christian Streich.

Foto: firo

Dortmund.  Borussia Dortmund tritt in der Bundesliga weiter auf der Stelle. Nach dem dritten 2:2-Remis in Folge ist die Stimmung beim BVB im Keller.

Immer wieder dröhnten von draußen die lauten Schreie der Fans in das Innere des Freiburger Stadions, weil draußen die Stars von Borussia Dortmund in den Mannschaftsbus trotteten. Drinnen aber stand Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, und hatte Mühe, eine Frage zu beantworten. Nämlich warum es seiner Mannschaft beim 2:2 (1:0) gegen den SC Freiburg nicht gelungen war, mehr aus den eigenen spielerischen Fähigkeiten herauszupressen.

Kehl pustete also durch, lobte die Frage, dachte noch mal nach - und sagte: „Wir haben teilweise Spielkontrolle, wir haben Ballbesitzphasen, aber wir müssen lernen, aus diesen Ballbesitzphasen zielgerichtet nach vorne zu spielen. Wir müssen den klaren Wunsch haben, gefährlich zu werden.“ Denn: „Die Qualität ist absolut da.“

Es war nicht nur Kehl, der nach diesem erneuten Rückschlag des selbst ernannten Titelaspiranten ratlos wirkte. Zweimal hatte der Revierklub durch Tore von Axel Witsel (20.) und Achraf Hakimi (67.) geführt, doch zweimal hatte die Elf von Trainer Lucien Favre anschließend den Ausgleich kassiert. Erst durch Luca Waldschmidt (55.), kurz vor Schluss war es ein unglückliches Eigentor von Manuel Akanji (90.).

BVB-Team alles andere als meisterlich

Dadurch konnten die Dortmunder wieder nicht gewinnen, sondern mussten das dritte Unentschieden in Folge hinnehmen. Ein Punktgewinn, der sie diesmal allerdings kurioserweise näher an den FC Bayern heranbringt, da die Münchener 1:2 gegen die TSG Hoffenheim verloren haben. Zwei Punkte beträgt der Rückstand nun auf den Rekordmeister. Allerdings sollte sich der BVB derzeit erstmal mit sich selbst beschäftigen.

Denn wiedermal wirkte die Mannschaft alles andere als meisterlich. Axel Witsel erzielte nach einem langen Eckball zwar ein Traumtor, als er den Ball per Direktabnahme in die linke Ecke drosch (20.). Achraf Hakimi demonstrierte ebenfalls sein Können, da er beim erneuten Führungstor in der zweiten Halbzeit gekonnt in den Sechzehnmeterraum dribbelte, ehe er mit etwas Glück verwandelte (67.). Jener Hakimi also, der schon unter der Woche beim 2:0-Erfolg in der Champions League zweimal getroffen hatte.

Dazwischen aber kamen die Freiburger immer wieder zu gefährlichen Chancen. Vor allem Luca Waldschmidt entwischte der BVB-Verteidigung regelmäßig, schaffte es aber erst in der 55. Minute, Roman Bürki zu überwinden. Den Schuss aus gut 20 Metern hätte der Torhüter an einem guten Tag wohl gehalten. Den erwischte Bürki aber nicht, Abwehrspieler Manuel Akanji ebenfalls nicht. Dadurch wirkten beide beim späten Ausgleich unglücklich. Vincenzo Grifo donnerte den Ball in den Fünfmeterraum, in dem sich eigentlich kein Freiburger befand. Trotzdem klatschte die scharfe Flanke an das Schienbein von Akanji und von da ins Tor (90.).

BVB-Profi Hummels kritisiert fehlende Genauigkeit

Die Dortmunder diagnostizierten sich allerdings nach dem Freiburg-Spiel eher ein Offensivproblem. „Wir hätten mit mehr Ballsicherheit heute den Sieg mitgenommen“, meinte Mats Hummels. „Das Problem ist, dass wir in vielen Situation sehr ungenau sind“, erklärte Julian Brandt. „So bringen wir uns in die Zweikämpfe. Dann gibt es halt Mannschaften, die besser sind im Kämpfen als wir.“

Obwohl Brandt zunächst in der 14. Minute für den verletzten Lukasz Piszczek (Oberschenkelprobleme) eingewechselt wurde, musste er den Platz kurz vor Schluss wieder für Marcel Schmelzer verlassen (87.). „Ich habe das schon verstanden“, erklärte der 23-Jährige. „Der Trainer wollte den Sieg über die Bühne bringen.“

Die Kritik an Favre wird trotzdem weiter zunehmen. Trotz der teuren Neuzugänge im Sommer wirkt der BVB weiterhin nicht gefestigt, nicht konstant. Dem Klub steht eine ungemütliche Länderspielpause bevor. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten“, erklärte Kehl. „Aber heute war kein guter Tag.“

Dann ging auch er in Richtung der schreienden Fans.

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