Corona-Krise in Holland

Ex-BVB-Trainer Peter Hyballa: Alles gerade bizarr und krank

In der Warteschleife: Der Bocholter Peter Hyballa muss mit dem niederländischen Zweitligisten NAC Breda geduldigt sein. Der Spielbetrieb soll frühestens im September fortgesetzt werden.

In der Warteschleife: Der Bocholter Peter Hyballa muss mit dem niederländischen Zweitligisten NAC Breda geduldigt sein. Der Spielbetrieb soll frühestens im September fortgesetzt werden.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen  Der Ex-Dortmunder ist Trainer des Zweitligisten NAC Breda. Im Interview spricht er über den Saisonabbruch in den Niederlanden und die Bundesliga.

Peter Hyballa kommt vom Training. Es ist Nachmittag, der 44-Jährige stand schon neun Stunden auf dem Platz. Der frühere U19-Trainer des BVB ist mit dem niederländischen Fußball-Zweitligisten NAC Breda zum Warten verdammt: Frühestens ab September soll der Spielbetrieb im deutschen Nachbarland fortgesetzt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Saison abgebrochen, der Aufstiegstraum mit Breda platzte. Im Interview mit dieser Redaktion spricht Hyballa über die "Science-Fiction"-Atmosphäre in Breda und den Restart der Bundesliga.

Herr Hyballa, der niederländische Fußballverband erwägt, den Spielbetrieb ab September nach dem Vorbild der Bundesliga fortzusetzen. Wie haben Sie den Re-Start wahrgenommen?

Peter Hyballa: Es ist gut, dass wieder gespielt worden ist. Ethisch kann man das sicherlich in Frage stellen, auch ich bin zwiegespalten, ob das in der aktuellen Lage wirklich sein muss. Aber für Fußballer ist es ein positives Signal. Es ist einfach ätzend, nicht spielen zu können.

Es war der erste Geisterspieltag in der Bundesliga-Geschichte. Wie wirkte das auf Sie?

Hyballa: Ich habe es mir ohne Fans schlimmer vorgestellt. Ich war gefühlt hundert Jahre Jugendtrainer, da kenne ich die Atmosphäre nur zu gut. Aber ich fand es okay, mal abgesehen von den Pressekonferenzen danach: Trainer mit Masken sind ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Glauben Sie, dass die Bundesliga ein Vorbild für die Niederlande sein kann?

Hyballa: Ja sicher. Der niederländische Verband verfügt über dieselben Strukturen wie der DFB, die Politik hat auch schon gezeigt, dass sie zusammenarbeiten kann. Ich hoffe, dass die Kurve weiter abflacht und wir im September wieder spielen können. Die Niederlande kann dann auf die Erfahrungen aus Deutschland zurückgreifen. Eine gute Kopie ist besser als ein schlechtes Original.

Wie erleben Sie die Corona-Krise in Breda?

Hyballa: Im Moment ist es wie in einem Science-Fiction-Film. Normalerweise ist das hier eine fröhliche Stadt, hier wird auch mal ein Bierchen getrunken. Aber jetzt ist nichts mehr los.

Die Niederlande haben später als andere Länder Einschränkungen erlassen.

Hyballa: Die Niederländer lieben ihre Freiheit, die lassen sich nicht so schnell etwas verbieten. Als dann die Zahl der Todesopfer stieg, wurden die Menschen unruhig, auch in Breda. Vor dem Lockdown wurde hier noch Karneval gefeiert, mit allem drum und dran, mit Bierchen und Küsschen. Danach gab es auch hier immer mehr Kranke und es ist Hektik ausgebrochen.

Die Saison wurde abgebrochen, einige Vereine protestieren, weil es weder Auf- noch Absteiger gibt. Auch Breda hätte noch Chancen auf den Aufstieg gehabt. Ärgert sie das?

Hyballa: Wir haben natürlich auch gekotzt. Mein Ziel war nie die zweite niederländische Liga, aber Breda ist ein Volksklub, ins Stadion kommen normalerweise 18.000 Zuschauer. Ich wollte im Sommer aufsteigen, und wir hatten einen richtig guten Lauf, haben keine Spiele mehr verloren – und plötzlich Ende Gelände, Saisonabbruch. Da stehst du da und weißt auch nicht mehr weiter.

Wie trainieren Sie unter diesen Umständen die Mannschaft?

Hyballa: Wir haben jetzt mehrere Wochen im Homeoffice gearbeitet. Als Angestellter im Büro geht das vielleicht noch, aber als Fußballer? Seit zehn Wochen haben wir keine Zweikämpfe geführt. Man hat ja in der Bundesliga gesehen, was das mit Fußballern macht – alle waren vorsichtig. Immerhin können wir seit einer Woche wieder in Kleingruppen trainieren. Das ist echt anstrengend für uns Trainer, weil wir neun Stunden auf dem Platz stehen, die Spieler nach und nach trainieren und wir immer aufpassen müssen, dass die Abstände eingehalten werden. Aber das ist besser als nichts. Wir können wieder mit den Spielern quatschen.

Hyballa: Schauen Sie da neidisch nach Deutschland?

Neid ist das falsche Wort. Die können halt spielen, wir nicht. Wir hätten auch gerne einen sportlichen Wettkampf, einen Anreiz. Wir haben jetzt noch drei Monate Zeit, bis der Spielbetrieb vielleicht wieder losgeht, wenn keine zweite Corona-Welle kommt. Jetzt hängst du ein bisschen rum und versuchst als Trainer, die Mannschaft zu motivieren. Es ist alles gerade bizarr und krank – aber die Welt ist halt im Moment auch krank.

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