Borussia Dortmund

Ex-Trainer über BVB-Talent: „Moukoko wollte immer nur kicken“

Youssoufa Moukoko

Youssoufa Moukoko

Foto: firo

Dortmund/Hamburg.  Am Freitag könnte Youssoufa Moukoko zum jüngsten Bundesligaspieler werden. Sein früherer Trainer erinnert sich an die Anfänge es BVB-Talents.

Auch Baris Tuncay wird zum Telefon greifen, was denn auch sonst. Auch er wird eine Glückwunsch-Nachricht verfassen, wenn Youssoufa Moukoko am Freitag 16 wird. Ein normaler Vorgang zu einem allerdings gar nicht so normalen Geburtstag. Ab Freitag darf Moukoko nämlich nicht nur bei Kommunalwahlen wählen und bis 24 Uhr in der Diskothek bleiben – er darf auch endlich in der Bundesliga spielen.

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Die Partie von Borussia Dortmund bei Hertha BSC am Samstag (20.30 Uhr/DAZN) wäre die erste Chance für das Ausnahmetalent, dann wäre er mit einigem Abstand der jüngste Spieler, der je in der Bundesliga aufgelaufen ist. Und auch dazu wird es eine Nachricht von Tuncay geben: „Natürlich werde ich ihm ein gutes Spiel wünschen und dass er das genießen soll“, sagt der Juniorentrainer im Gespräch mit dieser Redaktion.

Tuncay trainiert seit diesem Sommer die U14 des Hamburger SV. Davor arbeitete er beim Stadtrivalen FC St. Pauli, und dort war er einer der ersten Trainer jenes Ausnahmetalents, das nun an der Schwelle zur Bundesliga steht – und mit dem er heute noch Kontakt hat, obwohl Moukoko längst weitergezogen ist nach Dortmund. "Der war immer für mich da. Der war wie ein zweiter Vater für mich", hat der junge Stürmer unlängst in der Doku "Dreamchasers" im Klub-TV des BVB erzählt.

BVB-Talent Moukoko hat "Lust auf Fußball bewahrt

„Mich freut am meisten, dass er so geblieben ist, wie er damals war“, sagt Tuncay. „Dass er sich diese Spielfreude, diese Lust auf Fußball bewahrt hat. Er weiß wo er herkommt, er schreibt mir heute noch manchmal vor Spielen und wünscht mir viel Erfolg.“

Im Herbst 2014 kommt Moukoko aus Kamerun nach Deutschland, nach Hamburg. Zehn Jahre ist er da alt und Fußball hat er meist auf der Straße gespielt, ohne Schuhe. Der Vater ist eigentlich HSV-Sympathisant, aber der Kiezklub habe die bessere Jugendarbeit, findet er. Also geht es zum Probetraining, abermals ohne Fußballschuhe, aber zumindest mit Sportschuhen. Auch so ist schnell klar: Der Junge ist außergewöhnlich begabt, der bleibt! Und er wird gleich in die U13 eingruppiert, mit wesentlich älteren Mitspielern, und im folgenden Sommer sogar zur U15 befördert – zu Tuncay.

So war BVB-Talent Moukoko als Kind unter Teenagern

Als Kind unter lauter Teenagern. „Er war kindlich, er war verspielt, er war auch anstrengend mit all seinen Macken und seiner Art“, erinnert sich der Trainer und lacht. „Aber er hat der Mannschaft immer unglaublich viel gegeben. Und damit meine ich nicht die Tore, sondern einfach mit seiner positiven Art.“

Und mit einer großen Spielfreude. „Youssoufa hatte diese Bolzplatz-Mentalität, er wollte immer Fußball spielen“, erzählt Tuncay. „Sobald wir mal im Training keine Spielform gemacht haben, sondern andere Übungen, hast du sofort an seinem Gesicht gesehen, dass er darauf nicht so Bock hatte. Er wollte immer nur kicken.“ Und dabei Erfolg haben: „Er hat die Jungs immer angetrieben, er wollte immer gewinnen, er war sehr, sehr ehrgeizig. Er fordert das Maximum von seinem Umfeld und seinen Mitspielern.“ Das kann für deutlich ältere Mitspieler ziemlich anstrengend sein. „Aber er war bei den Mitspielern sehr beliebt, wegen seiner fröhlichen, offenen Art“, sagt Tuncay. „Er war fordernd, aber er hat der Mannschaft auch viel zurückgegeben. Deswegen war er voll intergiert und voll anerkannt.“

Die Zahlen von Moukoko beim BVB sind beeindruckend

Die Mannschaft wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt des jungen Moukoko, der unweit des Trainingszentrums eine deutsch-französische Schule besuchte. „Er war ja noch ziemlich neu in Deutschland, es ging auch darum, ihn allgemein in eine Gruppe zu integrieren – auch sprachlich“, erzählt Tuncay. „Da hat er sich wahnsinnig entwickelt.“ Was sich auch an den vielen Nachrichten erkennen lässt, die regelmäßig zwischen Dortmund und Hamburg ausgetauscht werden. Damals, am Anfang, „war es nicht ganz einfach, die zu entziffern“, sagt der Trainer und lacht. „Da war es natürlich eine Herausforderung, ihn zu integrieren – und andererseits auch wieder nicht, weil der Fußball die Jungs verbunden hat.“

Allzu lang wird die gemeinsame Zeit nicht sein, im Sommer 2016 zieht Moukoko weiter nach Dortmund, zum BVB. Unter Experten, bei den Scouts der vielen Topklubs gilt er da längst als eine der heißesten Aktien im deutschen Fußball. Und in Dortmund fällt er dann schnell auch denen auf, die mit Jugendfußball sonst nicht so viel am Hut haben. Nach einem Jahr in der U15 wird er wieder frühzeitig befördert, spielt als Zwölfjähriger in der U17 – und schießt weiter Tore wie am Fließband. 37 in der ersten Saison, 46 in der zweiten, was Rekord für diese Altersklasse ist. Die Medien werden aufmerksam, in den sozialen Netzwerken wächst die Zahl der Follower in schwindelerregende Höhen. Bald kommt der erste Ausrüstervertrag, dazu eine hässliche Debatte, ob dieser junge Mann vielleicht doch nicht so jung ist, wie er vorgibt. Erst eine Nachbeurkundung durch das Standesamt Hamburg-Harburg beendet das Thema.

BVB-Talent Moukoko war nie "abgehoben oder arrogant"

Es prasselt viel ein auf Moukoko, was schon für einen Erwachsenen zu viel sein könnte. „Und er schaffte es trotzdem, das alles auszublenden und sich diese Spielfreude, diese Lust auf Fußball zu bewahren“, sagt Tuncay. „Das bewundere ich, das habe ich ihm auch gesagt.“ Die vielen Störgeräusche werden nie zum Störfaktor. „Youssoufa war zu keinem Zeitpunkt abgehoben oder arrogant, das ist ihm nie zu Kopf gestiegen. Der Fokus lag immer auf Fußball.“

Das gilt weiterhin, jetzt erst recht, wo der Traum vom Profifußball zum Greifen nah ist. Der Trainer von einst hat sich natürlich erkundigt, wie sich sein früherer Schützling schlägt, seit er im Sommer ins Training der Profis integriert wurde. Und was er gehört hat, hat ihm gefallen, es hat ihn auch bestätigt in der hohen Meinung, die er von diesem außergewöhnlichen Talent hat – und es hat die Vorfreude noch einmal erhöht. Wenn die Dortmunder am Samstag in Berlin antreten, wird Tuncay sich das nicht entgehen lassen: „Ich werde natürlich den Fernseher einschalten“, sagt er.

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