BVB-Kommentar

Warum der BVB Haaland eine Ausstiegsklausel einräumen musste

Neu beim BVB: Erling Haaland.

Neu beim BVB: Erling Haaland.

Foto: dpa

Marbella.  Der BVB investiert viel in das Gesamtpaket Erling Haaland. Das zeigt: In Zukunft wird das Transfergeschäft wohl riskanter. Ein Kommentar.

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Nicht immer passen Wort und Tat komplett zusammen. Bei Borussia Dortmund warnen sie seit Tagen davor, den Rummel um ihren Zugang Erling Haaland zu groß werden zu lassen, ihn mit Erwartungen zu überfrachten. Andererseits werden auch über die Klubmedien sehr viel mehr Bilder und Videos des Stürmers verbreitet, als es bei den meisten anderen 19-jährigen Neuzugängen in der Klubgeschichte der Fall war.

Die Erwartungen sind ja auch groß: Haaland soll eine Kaderlücke schließen, er soll jener kräftige Mittelstürmer sein, den man zuletzt so sehr vermisste. Das unterscheidet Haaland von so vielen anderen jungen, hochtalentierten Zugängen Vergangenheit: Ousmane Dembélé und Jadon Sancho etwa kamen als Rohdiamanten, denen man Raum zur Entwicklung geben wollte – was jeweils erstaunlich schnell ging. Haaland muss sofort funktionieren.

Die einstige Nische des BVB gibt es nicht mehr

Nicht nur deswegen ist das Risiko bei diesem Transfer größer, auch die finanzielle Dimension ist eine andere. In der Vergangenheit wurden junge Spieler für vergleichsweise geringe Summen geholt. Und wenn einer wie Emre Mor nicht einschlug, konnte er dennoch mit Gewinn verkauft werden.

Am Beispiel Haaland zeigt sich nun, dass es Dortmunds einstige Nische so nicht mehr gibt. Weil die Preise für fertig entwickelte Topstars explodieren, greifen nun auch die ganz großen, zahlungskräftigen Klubs verstärkt ins Regal mit den hoffnungsvollen Talenten. Auch Juventus Turin und Manchester United wollten Haaland, das treibt die Preise. Dank der Ausstiegsklausel von 20 Millionen Euro blieb die Ablöse zwar gedeckelt – doch schon das erste Gehalt ist deutlich üppiger als bei Sancho oder Dembélé, das Gesamtpaket sehr viel teurer.

Und: Der BVB musste sich gegen seine sonstige Gewohnheit auf eine Ausstiegsklausel einlassen, die zwar erst spät greift und hoch liegt, die ihm aber irgendwann das Heft des Handelns aus der Hand nimmt. Anders wäre Haaland nicht zu bekommen gewesen.

BVB muss mehr Kompromisse eingehen, als ihm lieb ist

Auch das zeigt: Will der BVB auch künftig mit Europas Spitze einigermaßen mithalten, muss er im Rennen um die Top-Talente mehr Kompromisse eingehen, als ihm lieb ist – und auch das Risiko deutlich erhöhen.

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